Iserlohn. Der Kanadier war der letzte Spieler, den Christian Hommel zu den Iserlohn Roosters geholt hat. Und er kommt immer besser in Fahrt.

Bereits nach dem 13. DEL-Spieltag führte Tyler Boland die interne Scorerliste der Iserlohn Roosters an. Vier Tore und sechs Vorlagen gelangen ihm bis dahin. Seine Top-Position hat er seitdem verteidigt, doch Boland muss sich ranhalten, sofern er weiterhin der Topscorer des Teams sein möchte. Denn eine Nachverpflichtung ist gerade dabei, das Feld von hinten aufzurollen: Hunter Shinkaruk steht jetzt selbst bei 13 Einsätzen, mit zwei Toren und sechs Beihilfen wird er auf Rang acht von 24 gelisteten Spielern geführt.

Ich habe schon zu viele Chancen liegen lassen, und einige wichtige Pässe von mir sind nicht angekommen.
Hunter Shinkaruk

„Die Bilanz ist doch ganz anständig, wobei ich auch noch einiges verbessern muss. Ich habe schon zu viele Chancen liegen lassen, und einige wichtige Pässe von mir sind nicht angekommen“, bewertet der blonde Kanadier sich selbst. Drei Tage vor seinem 29. Geburtstag am 14. Oktober meldeten ihn die Roosters als Neuzugang – er war damit der letzte Spieler, der noch vom inzwischen zurückgetretenen Manager Christian Hommel geholt wurde. Dass er sich einem Team anschloss, das sich zu jenem Zeitpunkt im ungebremsten freien Fall befand, ahnte Shinkaruk nicht. „So genau war ich über die Situation nicht informiert. Am Tag, nachdem das Iserlohner Angebot kam, habe ich den Vertrag unterschrieben, und zwei Tage später war ich schon hier. Aber das war für mich erst recht ein Ansporn, dem Team unbedingt zu helfen.“

Sieben Wochen ist das nun her, doch mit Doug Shedden hat seitdem bereits der dritte Trainer das Sagen. Das erlebt ein Eishockey-Profi auch nicht häufig, doch Shinkaruk kann noch einen draufsetzen: „Als ich vor ein paar Jahren in Riga gespielt habe, hatten wir sogar vier Trainer in einer Saison.“ Der ansonsten fröhlich gestimmte Blondschopf, der in der Millionenstadt Calgary geboren und aufgewachsen ist, hält nachdenklich fest: „Wenn ein Trainer gehen muss, ist das nie schön, denn das zeigt, dass man als Mannschaft nicht abgeliefert hat.“

Auch mit ihm auf dem Eis gab einige Partien, die aus Roosters-Sicht nur schwer zu ertragen waren – etwa das 2:8 in Nürnberg, das 0:7 in Wolfsburg oder kürzlich das 1:7 in Ingolstadt. Shinkaruk spricht von peinlichen Auftritten, die eines gemeinsam hatten: „Nach den frühen Gegentoren wollten die Jungs wahrscheinlich zu viel, aber dazu hatten sie gar nicht das nötige Selbstvertrauen.“ Als sattelfeste Analyse will Shinkaruk diese Aussage aber nicht verstanden wissen. „Wenn wir genau wüssten, woran es lag, wären die Spiele so nicht verlaufen.“

Ein Besuch bei Borussia Dortmund steht noch auf der Agenda

Gedanken wie „worauf habe ich mich bloß eingelassen“ quälen ihn aber nicht. In Iserlohn fühlt er sich wohl, ein wichtiger Faktor ist seine Freundin Niki, die auch bei ihm lebt. „Es tut schon gut, wenn jemand da ist, dessen Leben nicht nur aus Hockey besteht.“ Beim gemeinsamen Kochen oder der Erkundung der noch fremden Umgebung kann Shinkaruk abschalten. „Wir waren schon einige Male in Dortmund, natürlich auch in der Nähe des Stadions. Wir wissen auch, was dort für eine grandiose Stimmung herrscht. Aber die Möglichkeit, dort ein Spiel zu sehen, hatten wir noch nicht.“ Hin und wieder bleibt die Küche des Pärchens aber auch kalt. Wenn sie auswärts essen, dann am liebsten Schnitzel. „Die schmecken hervorragend“, sagt er schwärmend.

Im Gespräch ist kurz das Stichwort Köln gefallen. Die Haie sind schließlich Iserlohns nächster Gegner am heimischen Seilersee, und das am Freitagabend. „Das ist ein Derby“, weiß Shinkaruk bereits – und damit ist ihm auch klar, worauf es gerade in solchen Spielen ankommt. „Das wird großartig, auch die Fans sind dann noch enthusiastischer als ohnehin schon.“ Von der besonderen Beziehung der Iserlohn Roosters zu seinem Heimatland Kanada hat er auch schon gehört. „Die Mitspieler haben mir von dem Museum vorgeschwärmt, das sie in der Vorbereitung besucht haben.“ Vielleicht schauen er und Brandon Gormley demnächst mal vorbei. Der derzeit verletzte Verteidiger und er haben nicht nur gemeinsam in Riga gespielt, sondern auch in der sogenannten Off-Season viel Zeit miteinander verbracht.