Iserlohn. Das Iserlohner Hockey feiert 2024 sein 100-jähriges Jubiläum. Margret und Günter Wittenburg erinnern sich an vergangene Zeiten.

2024 wird ein besonderes Jahr für die Hockey-Abteilung im TuS Iserlohn. Schließlich wird man nicht alle Tage stolze 100 Jahre alt. „Geboren“ wurde der Verein allerdings noch unter einem anderen Namen, nämlich als Hockeyclub Iserlohn.

Ehemalige Spieler wollten nach dem Krieg das Iserlohner Hockey wiederbeleben

„Der bestand bis 1945 und wurde schließlich aufgelöst“, erinnert sich Günter Wittenburg. „Nach dem Krieg wollten dann einige ehemalige Spieler um Graumann, Hemmer und Knobel den Hockeysport in Iserlohn wiederbeleben und suchten dafür noch einige interessierte Jugendliche als Nachwuchs“, berichtet der inzwischen 92-jährige Iserlohner, der damit zu den ältesten noch lebenden ehemaligen Hockeyspielern gehört. „Bis 1952 hatte ich vor allem die Leichtathletik genossen und nur nebenbei sonntags als Ausgleich mal ein bisschen Hockey gespielt. Dann bin ich voll beim Hockey eingestiegen.“ In der ersten Mannschaft habe er auf der Position des linken Läufers gespielt, in der zweiten auch mal im Tor ausgeholfen.

Bis 1952 habe ich vor allem die Leichtathletik genossen und nur nebenbei sonntags als Ausgleich mal ein bisschen Hockey gespielt. Dann bin ich voll beim Hockey eingestiegen.
Günter Wittenburg, ehemaliger Hockeyspieler beim TuS Iserlohn

Als der Neuanfang unter dem neuen Dach des TuS Iserlohn allmählich Fahrt aufnahm, sollte auch erstmals eine Damenmannschaft aufgebaut werden. „Und da kam auch ich ins Spiel“, lacht Margret Wittenburg. „Ich stammte ja aus einer sportlichen Familie, war vor allem mit dem Turnen groß geworden.“ Irgendwann hätten ihre zwei Onkel, die selbst Hockey spielten, gefragt, ob sie nicht mal was Neues ausprobieren wolle und da ihr damaliger Jugendfreund Günter auch bereits dort aktiv war, habe sie es mal mit dem Schläger und Ball ausprobiert – und schnell Gefallen dran gefunden. „So war ich mit 16 Jahren quasi Mitbegründerin der ersten Iserlohner Damen-Hockeymannschaft nach dem Krieg.“

Schwarze Aschekörner im Knie als bleibende Erinnerung

„Zu jener Zeit kurz nach dem Krieg hatten wir als Hockeyspieler natürlich mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfen“, ergänzt Günter Wittenburg. Die Verhältnisse damals seien überhaupt nicht vergleichbar mit den tollen Möglichkeiten, die sich Hockey-Interessierten heutzutage böten. Da sei als erstes einmal die Spiel- und Trainingsstätten zu nennen. „Trainiert haben wir in den ersten Jahren im Seilerseestadion, allerdings nicht auf Kunstrasen, sondern auf schwarzer Asche“, blickt Wittenburg zurück, um dann mit einem Schmunzeln hinzuzufügen: „Als bleibende Erinnerung habe ich heute noch einzelne Aschekörnchen im Knie.“

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Nachdem dann der schnell populärer werdende Fußball immer mehr Trainingszeiten im Seilerseestadion beanspruchte, mussten die Hockeyspieler zunächst auf einen befestigten Nebenplatz am Seilersee ausweichen. „Später haben wir durch unsere guten Beziehungen zum englischen Militär Zugang zu einer Wiese hinter dem Krug zu Nidda erhalten, um dort zu trainieren und unsere Spiele auszutragen.“ Die sei allerdings so holprig gewesen, dass man gute Pässe wenn überhaupt nur durch die Luft spielen konnte. „Unsere Gegner haben schon immer vor dem Anpfiff gestöhnt und sich über die Platzverhältnisse beklagt“, so Günter Wittenburg mit einem Augenzwinkern. Trainiert wurde maximal zweimal pro Woche – allerdings zunächst mal ohne einen Trainer. „Einer aus der alten Riege übernahm einfach das Kommando und sagte die Übungen an, und wir Jungen haben gehorcht.“

Traditionelle Farben waren schwarze Hose, weißes Trikot und rote Stutzen

Ein weiteres Problem betraf die Ausrüstung. „Nach dem Krieg gab es natürlich kaum Sportartikel und man musste nehmen, was man bekam“, erinnert sich Margret Wittenburg. Auch da halfen den TuS-Hockeyspielern die Beziehungen zu den Engländern. „Die haben uns auch schon mal den einen oder anderen ausrangierten Schläger gegeben, über den wir uns riesig gefreut haben, auch wenn er vielleicht 15 Zentimeter zu lang für die eigene Körpergröße war.“ Oder die Stutzen: „Die traditionellen Farben des HC Iserlohn, die wir übernommen hatten, waren weißes Trikot, schwarze Hose und rote Stutzen“, so Günter Wittenburg, „doch gerade in der Anfangsphase waren wir auch schon mal eine echt bunte Truppe. Der eine hatte halt nur eine rote Hose, andere gelbe oder blaue Stutzen. Aber das war egal, uns einte einfach der Wunsch, endlich wieder gemeinsam Sport treiben zu können. Da war eine einheitliche Bekleidung nur Nebensache.“

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Apropos Gemeinschaft: „Es waren schon wilde Zeiten damals mit einem ganz anderen Zusammenhalt als heutzutage“, erinnert sich Günter Wittenburg gerne an frühere Zeiten und seine Frau Margret ergänzt: „Nach den Spielen haben wir immer in unserem Vereinslokal Biggeleben in der Mühlenstraße gemeinsam gefeiert, egal, ob nach einem Sieg oder einer Niederlage.“

Zur Deutschen Meisterschaft 1948 auf der LKW-Pritsche

Besondere Höhepunkte waren stets die Auswärtsfahrten und Teilnahmen an verschiedenen Turnieren. So ist den Wittenburgs unter anderem eine Fahrt im Jahr 1948 zur Deutschen Meisterschaft nach Köln im Gedächtnis geblieben. „Da haben wir Spieler alle auf der Ladefläche eines durch Holzkohle angetriebenen LKWs gesessen.“ Später wurde meist ein Bus des Iserlohner Unternehmens von Bruno Dickmann für Auswärtstouren gechartert. „Die führten häufig zu Turnieren nach Hamm, Oelde und Soest, an denen wir regelmäßig teilgenommen haben, oder später auch mal in die Niederlande“, so Margret Wittenburg, die mit einem Seitenblick auf Günter noch mit einem Lächeln erwähnt: „Wir Damen war dabei meist besser als die Herren.“

Bis Mitte der 60er-Jahre frönten die Wittenburgs ihrer neuen sportlichen Passion. „Dann haben wir aus Altersgründen aufgehört, verfolgen aber bis heute mit großem Interesse alles, was zum Thema Hockey in der Zeitung steht“, berichtet Margret Wittenburg. „Besonders freut uns, dass aktuell wieder so viele kleine Kinder Spaß an dieser attraktiven Sportart finden. Und da gebührt dem jetzigen ,Macher‘ Hans-Jürgen Becker sicherlich großer Dank.“