Frank Strauß

Aus der Puckhöhle in die Höhen Mainhattans

Foto: Andreas Teichmann

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Frankfurt/Iserlohn. So etwas bezeichnet man wohl als steile Karriere. Frank Strauß, aus dem Nachwuchs des ECD Iserlohn hervorgegangener Eishockeyspieler, ist bei der Deutschen Bank zu einem ihrer Top-Manager gereift.

Seit über drei Jahren ist er Vorstand der Privat- und Geschäftskunden AG für Deutschland. Vor dieser Tätigkeit hat er zwei Jahre lang von Bombay aus in Indien, China und Vietnam das asiatische Privatkundengeschäft aufgebaut, nachdem er zuvor in Bonn und Frankfurt und in den Anfängen seiner Bank-Laufbahn in Iserlohn für die Deutsche Bank aktiv war. Zunächst als Auszubildender, später u.a. als Berater für Geschäfts- und Privatkunden und als stellvertretender Leiter einer Filiale im Sauerland. „Es hat sich vieles so ergeben”, erzählt der heute 39-Jährige von seiner Laufbahn, die er so nicht geplant hatte. „Ich bin eben zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Personen zusammengetroffen”, berichtet er in der für ihn typischen Bescheidenheit. „Und es ist schön, dass es so ist.”

Dass der Zeitaufwand enorm ist, verhehlt er nicht. Aber der im hessischen Friedberg lebende Iserlohner investiert viel Leidenschaft in seinen Beruf. „Es ist toll, dass ich gestalten kann”, so der Vater einer fünfjährigen Tochter.

Zwangsläufig drängt sich im Gespräch mit einem derartig hoch dekorierten „Bänker” eine Fragen besonders auf, natürlich jene zur aktuellen Wirtschaftskrise, die verbunden ist mit einem - vorsichtig formuliert - distanzierten Verhältnis zum Führungszirkel der Geldinstitute. „Klar, das Vertrauen von Kunden hat gelitten”, räumt Frank Strauß ein. „Aber wir kämpfen darum.” Doch er sagt auch: „Die Deutsche Bank ist gut durch die Krise gekommen.” Und er betont: „Dazu haben wir kein Staatsgeld benötigt. Selbstverständlich sind auch wir in der neuen Realität angekommen. Und die gestalten wir mit dem Selbstbewusstsein aus einer Position der Stärke.”

Themenwechsel - und damit zurück zu den sportlichen Wurzeln. Wann hat er zum letzten Mal Eishockey gespielt? „Es war ein Spiel mit Bad Nauheim in Hannover”, ist bei Strauß der 6. Januar 1998 noch präsent. Denn mit dem Erreichen der Qualifikationsrunde zur damaligen 1. Bundesliga hatte er seine Mission beendet. Mit 28 Jahren erhielt die berufliche Karriere Vorrang. Und so musste der Stürmer allen späteren Werbungen eine Absage erteilen. Nur noch zweimal kehrte er in die Eishockey-Montur zurück: Beim Abschiedsspiel für Thomas Barczikowski sowie anlässlich des Todes von Mark Teevens. Im letzten Jahr schnürte er seine alten Schlittschuhe, um mit seiner Tochter ein paar Runden zu drehen. „Aber ich jogge und betreibe Krafttraining”, gibt sich Strauß weiter sportlich.

Nauheim war seine dritte Eishockey-Station. Davor spielte er drei Jahre für Dortmund. Begonnen hatte aber alles beim ECD. Dort stürmte der Sohn des langjährigen Nachwuchs-Vorsitzenden Peter Strauß in einem der besten Junioren-Teams, das Iserlohn je herausgebracht hatte und das u. a. vom jetzigen Roosters-Co-Trainer Bernd Haacke betreut wurde. Und natürlich war er auch im Seniorenbereich aktiv - mit 140 Spielen für den ECD.

Die aktuelle Puckszene beobachtet Frank Strauß aus der Distanz. „Ich bin kein Insider.” Aber großen Respekt zollt er der Arbeit der Iserlohn Roosters. „Vor dem Hintergrund der Größe der Stadt ist die Qualität beeindruckend.” Vor gut einem Jahr hat er ein DEL-Spiel gesehen und war sehr angetan. Und als vor zwei Jahren das Viertelfinale gegen Frankfurt lief, hat er nach eigenem Bekunden viel Videotext gelesen. Dass er den Roosters und nicht dem Team aus seiner Wahlheimat die Daumen gedrückt hat, ist selbstverständlich. „Denn zum Frankfurter Eishockey habe ich keinen Bezug.” Wohl aber nach Bad Nauheim und eben ganz besonders nach Iserlohn, das er allerdings nur noch alle drei bis vier Monate besucht.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (3) Kommentar schreiben