Rollhockey

Bei der ERGI schlägt die Stunde der Talente

Die ERGI steht vor einer schwierigen Saison.

Die ERGI steht vor einer schwierigen Saison.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Der Ex-Meister muss sparen und setzt nach den Abgängen der Spanier in der nächsten Saison auf die Jugend.

Nach Abschluss der World Roller Games macht sich im Rollhockey endgültig die Sommerruhe breit. Die Frauen der ERG Iserlohn werden sie nach einem intensiven Turnier in Barcelona genießen, die Männer hingegen haben mangelns jedweder Verpflichtung in der Nationalmannschaft so viel Freiraum wie selten. Wie ausgeprägt der Tatendrang ist, wenn Trainer Alfredo Meier am 5. August zum Trainingsaufgalopp bittet, bleibt abzuwarten. Denn vor dem Ex-Meister liegt zweifelsfrei eine Durststrecke.

Nach dem Spanier Joan Salarich hat sich auch dessen Landsmann Marc Rue verabschiedet, weil er sich ein lukratives Jobangebot in der Heimat nicht entgehen lassen wollte. Und an adäquaten Ersatz ist nicht zu denken. „Wir müssen den Gürtel enger schnallen und auch in Kauf nehmen, dass wir sportlich nicht mehr ganz oben mithalten“, sagt Klubchef Ralf Henke. Die beiden Spanien waren zur qualitativen Aufwertung verpflichtet worden, und sie garantierten, dass Engpässe beim Training, die keinen geordneten Betrieb zuließen, der Vergangenheit angehörten. Drohen diese aufs Neue?

Die ERGI setzt künftig auf die Jugend. Nachdem Torhüter Fabio Silva und auch Leandro Silva bereits in der letzten Saison mittrainierten, sollen jetzt die U17-Nationalspieler Marco Aleixo und Finn Iwanowski zum Bundesligakader stoßen. „Sie sind ehrgeizig und wollen den Schritt tun. Aber jeder muss wissen, dass es zwei Jahre dauern kann, bis man sich an dieses Niveau gewöhnt hat“, betont Trainer Alfredo Meier. Im nächsten Jahr soll mit Cristiano Neves ein weiteres Talent aus den eigene Reihen folgen.

Für den erfahrenen Coach ist klar, dass hier der einzig gangbare Weg liegt. „Wenn wir einen Spanier holen wollen, verlangt der tausend Euro plus Auto und Wohnung. Das ist völlig utopisch. Und deutsche Spieler verlassen kaum einmal ihren Verein, wenn sie sich dort wohl fühlen“, weiß Meier aus Erfahrung. Dennoch wird sich die ERGI verschärft auch bei der Konkurrenz umsehen müssen, denn Kai Milewski und Nils Hilbertz haben angekündigt, dass sie vor ihrer letzten Saison stehen. Und dann wären von den sieben bundesligaerprobten Feldspielern, die jetzt im Aufgebot stehen, nur fünf übrig.

Ralf Henke hat kein Problem damit, in den nächsten Jahren die Ziele herunten zu schrauben. „Wir wollen den eigenen Jugendlichen eine Perspektive bieten.“ In der U13 sind nur noch zwei Spieler übrig, die in einer Spielgemeinschaft mit Schwerte aktiv sind. Die U15 hat Alfredo Meier (nebenbei Bundestrainer in dieser Altersstufe) übernommen, weil sich kein Coach fand. „Es tat mir in der Seele weh, als die Jungs ohne Trainer da standen. Also mache ich das.“

Im Regionalligateam sollen auch die Frauen mitwirken

Für die U17 und die U19 wird Adrian Börkei zuständig sein, darüber hinaus soll eine zweite Mannschaft in der Regionalliga an den Start gehen. Hier können die Youngster Spielpraxis sammeln, aber eingeplant ist auch das Mitwirken einiger Frauen. „Natürlich können nicht alle den Sprung in die Bundesliga schaffen, aber wenn aus jedem Jahrgang ein oder zwei Leute die Qualität besitzen, ist alles gut“, sagt Meier.

Wenn er ab August seine Mannschaft dreimal wöchentlich auf die Saison vorbereitet, baut er auf Ehrgeiz und Gewissenhaftigkeit der Spieler. Ein Fixpunkt ist die Teilnahme an einem Turnier in Thun in der Schweiz vom 6 bis 8. September. Eine Woche später beginnt die durch den Aufstieg der Blue Lions aus Gera neun Mannschaften zählende Bundesliga mit der Partie in Düsseldorf. Ob es auch einen Auftritt auf europäischer Bühne geben wird, ist ungewiss. Die ERGI ist für den CERS-Cup qualifiziert, aber auch hier steht die Kostenfrage im Raum. Die Durststrecke hat begonnen, und sie könnte länger dauern.

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