Billard

Billard-Leidenschaft seit 60 Jahren

Bernd Terbeck, Karl-Heinz Venner und Horst von Calle sind seit 60 Jahren beim BC Ostend aktiv.

Bernd Terbeck, Karl-Heinz Venner und Horst von Calle sind seit 60 Jahren beim BC Ostend aktiv.

Foto: Markus WASSMUTH

Iserlohn.  Karl-Heinz Venner, Bernd Terbeck und Horst von Calle stehen vor besonderem Jubiläum.

Diesem Trio steht ein großer Tag ins Haus. Wenn Karl-Heinz Venner, Bernd Terbeck und Horst von Calle am 7. Dezember die Spielstätte des Billardclubs Ostend in der ehemaligen Gaststätte „Zur Sonne“ betreten, dann werden sie für 60-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Alle drei sind noch in Mannschaften des BCO im Einsatz und halten zusammen mit acht weiteren aktiven Spielern den letzten klassischen Billardverein der Waldstadt am Leben.

Das war anders, als sie am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn standen. Venner, Terbeck und von Calle waren in der Gaststätte Binz am Ohl als Kegeljungen aktiv, stellten die „Pinne“ wieder auf und gründeten später selbst einen Kegelclub. 1958 erhielt der zehn Jahre zuvor gegründete und ebenfalls bei Binz beheimatete BC Ostend einen neuen Tisch. Die alte Spielfläche wurde in ein Nebenzimmer gestellt und weckte das Interesse der drei Jugendlichen. „Beim BCO war man begeistert, dass wir Billard spielen wollten und gründete 1959 eine Jugendmannschaft, die dann auch am Spielbetrieb teilnahm“, erinnert sich der 76-jährige Horst von Calle an die Anfänge.

Ein solcher Mitgliederzuwachs war schon damals etwas Besonderes, auch wenn Konkurrenz und Rivalität mit dem BC von 1934 sowie dem 1955 gegründeten BC Die Füchse in der Waldstadt damals groß waren. „Die anderen waren schon ziemlich sauer, dass wir damals eine Truppe mit jungen Leuten hatten“, weiß Bernd Terbeck (75) noch ganz genau.

Heute gibt es nur noch den BC Ostend, der seit mehr als 35 Jahren vom dritten Jubilar, Karl-Heinz Venner (76) geführt wird. Gespielt wird im Clubraum überwiegend „technisches Billard“ in der Freien Partie. Mehr im Trend liegt aber die Disziplin Dreiband, der man sich an der Elisabethstraße ebenfalls nicht verschließt. Grundsätzlich sind die Iserlohner heute auf dem kleinen Tisch aktiv, und das aus nahe liegenden Gründen. „Ein großer Tisch passt in unser Spiellokal überhaupt nicht hinein“, sagt Venner, der früher auch als Fußballer aktiv war und heute noch in der Betriebssportgruppe der Feuerwehr Tischtennis spielt.

Das eigentlich viel zu kleine Spiellokal treibt auch Bernd Terbeck um, und nicht nur sein Blick geht dabei ein wenig neidvoll in Richtung Ruhrgebiet, wo die in viel größerer Zahl vorhandenen Vereine deutlich mehr städtische Unterstützung erfahren, indem Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Terbeck, früher ebenfalls Fußballer, rechnet vor, dass der Jahresbeitrag von rund 250 Euro fast ausschließlich von Miete, Strom und Heizkosten aufgezehrt wird. Auswärtsfahrten ins Ruhrgebiet, ins Münsterland und nach Ostwestfalen sind dagegen „Privatvergnügen“. Die jährliche Neubespannung der Tische, neue Bälle und viele andere Extras gehen trotz einiger Zuschüsse ebenso ans eigene Budget.

Das viel zu kleine Spiellokal bereitet dem BC Ostend Sorgen

„Ich glaube, dass das auch ein Grund ist, warum wir uns so schwer tun, neue und vor allem jüngere Mitglieder hinzuzugewinnen“, so Bernd Terbeck. Aktuell ist das jüngste Mitglied des BC Ostend 55 Jahre alt, Geschäftsführer Erwin Steinfeld gehört mit seinen 64 Jahren ebenfalls noch zur „jungen Garde“ und teilt die Sorgen seines 180-Jahre-Trios. Welche Ehrungen am 7. Dezember geplant sind, ließ er sich noch nicht entlocken. Vielmehr geht es auch ihm um den Fortbestand des Vereins, der mittlerweile eine Insellage einnimmt, weil rundherum, etwa in Hohenlimburg oder Menden, nicht mehr aktiv gespielt wird.

Bei Interessenten, die zum BC Ostend kommen, stellt sich häufig heraus, dass diese lieber Poolbillard spielen möchten, doch das kann und will man nicht anbieten. Lieber würde man die Trainingsintensität erhöhen, um das technisch anspruchsvollere klassische Billard zu vermitteln. Sportlich ist man da durchaus erfolgreich. Seit längerer Zeit hat der BCO wieder eine zweite Mannschaft ins Rennen geschickt, die den Aufstieg von der Kreisklasse in die Kreisliga im Visier hat

„Es steht und fällt aber alles mit den Räumlichkeiten“, betont Horst von Calle noch einmal. Und er macht deutlich, dass der BC Ostend auch einen weiteren Umzug nicht scheuen würde, sofern geeignetere und kostengünstigere Räume gefunden würden. Denn umgezogen ist der BCO schon häufig genug - von Binz im Ohl ins Bahnhofshotel, vom Rauchfang an den Kurt-Schumacher-Ring und vom Ostcasino in die Gaststätte „Zur Sonne“, nach deren Schließung man die Räume heute vom aktuellen Besitzer angemietet hat. Zu seiner besten Zeit hatte der Verein 40 Mitglieder, heute sind es nicht einmal mehr 20. Aufgeben will der harte Kern aber auf keinen Fall. „Und wenn Minister Scholz seinen Plan realisiert, reine Männervereine nicht mehr zu fördern, dann werden wir unsere Satzung ändern und auch Frauen zulassen“, kündigt Bernd Terbeck an.

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