Eishockey

Dauerstress für den Karrieresprung

Lean Bergmann fiebert dem NHL-Trainingscamp entgegen.

Lean Bergmann fiebert dem NHL-Trainingscamp entgegen.

Foto: Max Winkler

Iserlohn.  Lean Bergmann ist jetzt für Mannheim im Einsatz und fiebert Camp in San Jose entgegen

Die Roosters steigen am Freitag gegen die Düsseldorfer EG in die Testspielserie ein, aber die DEL-Konkurrenz hat die ersten Bewährungsproben schon hinter sich. Auch Meister Mannheim, der in Wil in der Schweiz beim Turnier „Weltklasse-Eishockey“ an den Start ging. Mit dabei der Ex-Iserlohner Lean Bergmann, der zwischen seinen Trainingscamps in San Jose bei seinem Noch-Arbeitgeber Dienst tut.

Nach den Siegen gegen den EHC Biel (5:4 nach Verlängerung) und die Züricher Lions (5:1), die den Adlern den Turniersieg bescherten, gab es viel Lob für den Stürmer, der nach dem Zürich-Spiel zum besten Mannheimer gewählt wurde. „Ich fühle mich richtig gut“, versichert der 20-Jährige im Gespräch mit der Heimatzeitung. Ermüdungserscheinungen verspürt er nicht, obwohl diese eigentlich naheliegend wären. Denn nach der DEL-Saison mit den Roosters und dem folgenden Nationalmannschaftseinsatz bei der WM hatte er insgesamt im Sommer gerade eineinhalb Wochen Urlaub. „Da war ich in Iserlohn und habe absolut gar nichts gemacht“, berichtet Bergmann, der in diesem Zusammenhang an ein Leitmotiv denkt, das man ihm während seiner Zeit im schwedischen Göteborg vermittelte. „Die haben immer betont, dass der Körper eigentlich keine Pause brauche und es nur für den Kopf hin und wieder ganz gut sei. Aber so ganz überzeugt bin ich davon nicht.“

Doch in diesem Sommer war eben keine Zeit zum Verschnaufen. Das erste Camp in San Jose stand an, und nach einer kurzen Stippvisite in der Heimat ging es in Mannheim mit dem Sommertraining weiter. „Alle deutschen Spieler waren schon im Juli vor Ort, und wir haben auch einige Einheiten auf dem Eis absolviert.“ Beim Meister beginnt die Eiszeit eben einen Monat früher als am Seilersee. Die ersten Spiele im Adler-Dress bestritt er dann in der Schweiz, und in dieser Woche wird er richtig gefordert. Denn die Mannheimer richten selbst ein Turnier aus und spielen an diesem Mittwoch gegen den schwedischen Spitzenklub HV 71 Jönköping, am Freitag gegen Genf und am Sonntag gegen Sparta Prag mit Trainer Uwe Krupp.

Bergmanns vorerst letzte Einsätze für die Adler sind in den ersten beiden Gruppenspielen der Champions Hockey League geplant – am 30. August gegen die Vienna Capitals und am 1. September gegen den polnischen Vertreter GKS Tychy. Am 3. September fliegt er wieder nach Nordamerika, und dann wird es endgültig ernst im Kampf um einen Platz im NHL-Kader der San Jose Sharks, bei denen er ja einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat.

Dort will er sich im Rookie-Camp empfehlen, in dem alle Top-Nachwuchsspieler der Organisation vorspielen. Es wird Testspiele gegen Los Angeles, Arizona und Las Vegas geben, und am Ende will Lean Bergmann natürlich zu jenen Auserwählten gehören, die am NHL-Camp teilnehmen. Dort sind 50 bis 55 Spieler versammelt – Stammkräfte, Perspektivspieler und eben Talente wie der Stürmer aus dem Sauerland.

Führungsrolle im AHL-Team wäre eine Alternative

„Ich werde natürlich mein Bestes geben, aber auch wenn man gut genug ist heißt das ja nicht automatisch, dass man die Chance bekommt.“ Bergmann wäre aber auch zufrieden, wenn man ihm nach dem Camp die Perspektive aufzeigen würde, als Führungsspieler im AHL-Team der Sharks-Organisation aktiv zu werden – verbunden mit der Option, im Laufe der Saison zum NHL-Kader zu stoßen. „Aber wenn man mir in der AHL nur eine untergeordnete Rolle zuweisen würde, wäre es wohl besser, noch ein Jahr in Mannheim zu bleiben.“

Heute blickt er jedoch mit großer Vorfreude auf die nächste Etappe in Nordamerika. Auf die Frage, was ihn besonders reizen wird, kommt die Antwort postwendend. „Das gute Eishockey! Bestimmt nicht das schöne Wetter. Und wenn es nur darum ginge, sich wohl zu fühlen, hätte ich auch in Iserlohn bleiben können.“ Nach seinen Erfahrungen vom Frühsommer weiß er schon jetzt, dass ihm im nächsten Monat wieder das deutsche Essen fehlen wird, aber Widrigkeiten dieser Art wird er auf dem Weg zu seinem großen Ziel wegstecken. „Ich weiß, dass man mehr als andere arbeiten muss, um viel zu erreichen. Und ich bin bereit.“

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