Basketball

Der Basketball fehlt Kris Schwarz

An seine Zeit bei den Kangaroos denkt Kristof Schwarz gern zurück.

An seine Zeit bei den Kangaroos denkt Kristof Schwarz gern zurück.

Foto: Max Winkler

Iserlohn/Atlanta.  Ex-Kangaroos-Kapitän lebt seit fast einem Jahr in den USA und ist Vater geworden.

Bei den Iserlohn Kangaroos ist Kristof Schwarz Ehrenmitglied auf Lebenszeit, in seiner neuen Heimat, den USA, musste er dagegen mit seiner Frau Nathalie viele Klippen umschiffen, um den Einstieg in das Leben nach dem Basketball zu schaffen. Seit knapp einem Jahr ist das Paar nun vor allem aus beruflichen Gründen in den Vereinigten Staaten und hat eine turbulente Phase hinter sich.

Die fand ihren Höhepunkt im August, als Töchterchen Mila geboren wurde. Seither ist der Nachwuchs der Dreh- und Angelpunkt in der Familie. Vor der Geburt ging es in erster Linie darum, in einem Land Fuß zu fassen, in dem man keinerlei Wurzeln hatte. „Der Start war nicht leicht, weil wir hier keine Historie haben. Ganz gleich, ob man eine Kreditkarte, ein Handy, oder einen Gasanschluss haben möchte, bei allen Dingen schlägt einem erst einmal das größte Misstrauen entgegen“, berichtet Kris Schwarz.

Der langjährige Kapitän der Kangaroos meisterte aber zusammen mit seiner Frau alle Hürden. Inzwischen lebt die Familie im Großraum Atlanta in einem Haus, das nach dem pünktlichen Eintreffen des Überseecontainers mit den Möbeln auch nach den eigenen Vorstellungen gestaltet werden konnte. „Immerhin haben wir vier Wochen lang auf dem Fußboden geschlafen, aber jetzt ist es sehr schön“, erzählt der einstige Dauerbrenner der heimischen Korbjäger.

Sein Arbeitsplatz in einem Tochterunternehmen eines hiesigen Herstellers für Fliesen-Zubehörsysteme befindet sich am anderen Ende der Stadt, ist aber in 25 Autominuten zu erreichen. „Normal benötige ich 40 Minuten, aber aufgrund von Corona ist derzeit wenig los auf den Straßen“, gewährt er Einblicke. Darüber hinaus habe sich die Pandemie, die auch in den USA das beherrschende Thema sei, aber durchweg negativ auf das tägliche Leben ausgewirkt.

Corona-Situation erschwert soziale Kontaktaufnahme

„Es ist sehr schwierig, gerade in unserer Situation als junge, unerfahrene Familie mit dem ersten Kind, wichtige soziale Kontakte zu knüpfen“, schildert der 33-Jährige, auf den in den letzten Monaten viel eingeprasselt ist. „Natürlich gab es auch viel Neues auf der Arbeit, aber inzwischen habe ich einen Lebensrhythmus gefunden“, macht er deutlich. Morgens um Viertel nach fünf startet sein Tag dreimal pro Woche beim CrossFit. „Das ist der einzige Zeitpunkt, an dem ich etwas machen kann, um mich in Form zu halten. Danach geht es zur Arbeit, und anschließend möchte ich schließlich meine Frau und meine Tochter sehen“, so Schwarz weiter.

Dass er den Mannschaftssport vermisst, räumt er ein. „Es war schon immer toll, sich mit dem Team auf eine Saison vorzubereiten. Ich habe hier ein paar mal den Ball in die Hand genommen. Dann haben meine Augen begonnen, zu leuchten“, gibt er unumwunden zu. Einmal pro Woche hat er mittels elektronischer Medien Kontakt zu Joshua Dahmen von den Kangaroos. Auch mit Ex-Teamkollege Orlan Jackmann, der ebenfalls im August Vater geworden ist, gibt es einen regelmäßigen Austausch.

Aufgrund der vielen Corona-Einschränkungen mussten Kris und Nathalie gleich zwei geplante Reisen im Frühjahr und im Sommer in die Heimat absagen. „Wir hätten nach Deutschland einreisen dürfen, nicht aber zurück in die USA, denn wir haben weder die US-Staatsbürgerschaft noch eine Greencard, sondern nur ein Arbeitsvisum für fünf Jahre“, erläutert Kris Schwarz. Mit der Geburt von Töchterchen Mila ist das alles anders, denn sie erhält automatisch neben ihrem deutschen Ausweis einen amerikanischen Pass, was auch den Eltern die Reisetätigkeit erleichtert.

Im Dezember ist ein längerer Trip nach Deutschland geplant

Dementsprechend ist jetzt für den Dezember ein längerer Trip in die Heimat geplant. Vor allem die Großeltern fiebern der Ankunft entgegen. Sie wollten schon kurz nach der Geburt des ersten Enkelkindes in die USA kommen, doch das war nicht möglich. Jetzt soll es endlich zu den ersehnten Begegnungen kommen. Erst im Januar geht es wieder zurück in die Staaten. Dort dürfte auch dann noch die Präsidentschaftswahl das beherrschende Thema sein, das auch Kris Schwarz mit Interesse verfolgt. „Das Land ist so gespalten wie noch nie. Das ist ein Problem, denn es ist ein patriotisches Land, das von der Einheit lebt“, sagt er.

Zunächst einmal freut sich die Familie Schwarz auf den Heimaturlaub, der aber schön entspannt ablaufen und nicht zu einer Tournee mit dem Nachwuchs ausarten soll. Das eigentlich schon vor knapp einem Jahr geplante „Leben nach dem Basketball“ mit vielen Reisen in den USA will Kris Schwarz mit seiner Familie im kommenden Jahr, hoffentlich unter besseren Rahmenbedingungen Stück für Stück nachholen. Wenn dann auch noch die Eltern nach Herzenslust in die Staaten fliegen können, wäre das Glück perfekt.

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