Eishockey

Der Reiz des Neuen hat überwogen

Er hat hier natürlich immer Zutritt: Co-Trainer Jim Midgley vor dem Kabinentrakt der Roosters in der Eissporthalle.

Er hat hier natürlich immer Zutritt: Co-Trainer Jim Midgley vor dem Kabinentrakt der Roosters in der Eissporthalle.

Foto: Willy Schweer

Iserlohn.  Roosters-Co-Trainer Jim Midgley über seine Heimat, seine Arbeit und sein neues Umfeld.

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An einem Montag gehört die angestammte Trainingszeit der Roosters den Hobby-Eisläufern, denn die Eishockeyprofis legen einen freien Tag ein. Für den Trainerstab ist ein solcher nicht vorgesehen, schließlich müssen die Wochenendspiele nachbereitet und die nächsten Aufgaben vorbereitet werden. Und somit trifft man auch Jim Midgley, den Co-Trainer, ziemlich sicher in der Eissporthalle an.

Natürlich stand die Analyse der Spiele in Bremerhaven und gegen Düsseldorf auf seinem Plan, und der Kanadier benannte in der ihm eigenen klaren Ansage die Stärken und Schwächen der Mannschaft. „In Bremerhaven haben wir nicht unser bestes Spiel gemacht, aber Anthony Peters hat uns in die Overtime gerettet.“ Und weiter: „Auswärts zu gewinnen, bedeutet für uns immer, dass wir big points machen.“ Gegen Düsseldorf störten ihn natürlich die unnötigen Strafen, dazu die fehlende Konstanz wenn die „Special Teams“ gefordert waren. „Aber die Mannschaft hat Charakter gezeigt, als sie nach dem 0:2 zurück gekommen ist. Und die Powerplaytore haben uns natürlich auch gut getan.“

Midgley wundert es nicht, dass das neu formierte Roosters-Ensemble noch ziemlich störanfällig ist. „Das wird sicher besser, wenn wir einmal über einen längeren Zeitraum in voller Besetzung spielen können. Dann werden wir auch einen Weg finden, um häufiger zu gewinnen.“

Der 41-Jährige ist jetzt seit zwei Monaten im Sauerland, und bei jemandem, der praktisch sein gesamtes Leben in Kanada zugebracht hat, drängt sich natürlich die Frage auf, wie es zu diesem großen Schritt kam. „Ich hatte schon Lust, eine neue Erfahrung zu machen, und Jason hat wirklich großes Interesse an dieser Zusammenarbeit gehabt.“ Chefcoach O’Leary kennt er, seit man sich auf dem Eis in Universitätsmannschaften gegenüberstand. Der Kontakt entwickelte sich, beide verfolgten die jeweilige Trainerlaufbahn des Kollegen, und in Iserlohn arbeiten sie nun erstmals zusammen.

„Ich musste mich ein wenig umstellen, denn in den letzten zehn Jahren habe ich praktisch nur mit Nachwuchsspielern zu tun gehabt,“ erläutert Midgley. „Da ist man manchmal auch als Babysitter gefordert und muss sich auch mit schulischen und familiären Problemen der Jungs beschäftigen.“ Aber mit Talenten kann er umgehen, und deshalb passt ihm die Neuausrichtung der Roosters sehr gut. In der täglichen Arbeit kümmert er sich um die Defensive und übt mit den Powerplayformartionen, aber zur Philosophie des Roosters-Stabes gehört es, dass Teamwork groß geschrieben wird und es keine strikte Hierarchie gibt.

Als sich Jim Midgley im Frühjahr ernsthaft mit dem Wechsel nach Deutschland beschäftigte, beredete er die Situation sehr intensiv mit seiner Frau Laura. Sie arbeitet im kanadischen Halifax als Polizistin, und ihren Job aufzugeben, um ihren Mann zu begleiten, war kein Thema. „Sie hat mich unterstützt und gemeint, ich solle diesen Schritt einmal wagen“, sagt Midgley, dem die Trennung natürlich zu schaffen macht - trotz Facetime und Skype. Aber in den letzten zwei Wochen war seine Frau in Iserlohn, und gemeinsam unternahm das Ehepaar Tagestrips zum Oktoberfest nach München und nach Amsterdam. Im November, während der Länderspielpause, fliegt der Co-Trainer für ein paar Tage in die Heimat, über Weihnachten wird seine Frau nach Iserlohn kommen. „Und im Frühjahr reisen wir zusammen nach Italien, denn das Land reizt mich“, sagt Midgley.

Baseball ist seine zweiteLieblingssportart

Auch für einen Eishockey-Enthusiasten wie ihn gibt es gelegentlich Freiraum. Wenn er sich dann mit seinem „Leidensgenossen“ Jason O’Leary, der in Iserlohn auch allein lebt, zum Essen trifft, dürfte das Gesprächsthema naheliegend sein, aber Midgley hat nicht nur Eishockey im Kopf. „Ich schaue mir sehr gern auch andere Sportarten im Fernsehen an.“ Baseball, und hier die Toronto Blue Jays, haben es ihm besonders angetan, schließlich war er früher selbst ein erstklassiger Spieler. Heute mag er es ruhiger und bevorzugt Golf, was ja auch in der Umgebung Iserlohns möglich ist. Stichwort Iserlohn: „Die Stadt ist zwar deutlich kleiner als Halifax, aber ich mag es etwas ländlich. Und über die Fans der Roosters muss man ja gar nichts sagen. Die sind einfach toll. Man spürt, wie sie Eishockey lieben.“ Jim Midgley will dazu beitragen, dass sie sehr bald auch am Seilersee einen Sieg feiern dürfen, Vielleicht ja schon gegen Berlin.

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