Trailrunning

Der Reiz des vielfältigen Ausdauersports

Beim Vogelsberger Vulkantrail bestritt Miriam Mandt-Böckelmann die 70,3-km-Distanz.

Beim Vogelsberger Vulkantrail bestritt Miriam Mandt-Böckelmann die 70,3-km-Distanz.

Foto: Erwin Mengel

Iserlohn.  Wenn die Iserlohnerin Miriam Mandt-Böckelmann für Ultradistanzen trainiert, ist Tochter Edda oft mit dabei.

Das Hintergrundsummen während des Telefonats hatte nichts mit einer schlechten Verbindung zu tun. So klingt es, wenn man daheim per Handy kommuniziert und gleichzeitig im Rennradsattel auf dem Rollentrainer sitzt. Laufen wäre Miriam Mandt-Böckelmann ein paar Tage nach ihrem Einsatz beim Vogelsberger Vulkantrail in Schotten doch etwas schwer gefallen, denn die 70,3 km inklusive der 1952 Höhenmeter im Gelände hatten an den Füßen Spuren hinterlassen. Aber Radfahren funktionierte schon wieder ganz gut.

Für die 42-jährige Iserlohnerin ist Ausdauersport zur großen Leidenschaft geworden. Sie hat bereits 15 Langdistanz-Triathlons bewältigt, war beim Ötztaler Radmarathon und bei 24-Stunden-Radrennen am Start. In diesem Jahr hat sie ihr Spektrum um das Trailrunning erweitert. Sehr erfolgreich, denn beim Ultratrail am letzten Wochenende war sie drittbeste Frau im gut 50-köpfigen Teilnehmerfeld und bestritt die 70 km in 9:51 Stunden.

Wenn sie heute über ihr übliches Trainings- und Wettkampfpensum spricht, kann eine Rückblende kaum ausbleiben. „Als Teenager war ich total unsportlich. Meine Schwester hat mich dann dazu gebracht, es zumindest mit dem Walking zu versuchen, und ich wollte auch etwas für die Figur tun.“ Was eher zaghaft und ohne ausgeprägten Ehrgeiz begann, führte schon zwei Jahre später zum ersten Marathonlauf. Das ist 20 Jahre her, und beim Laufen ist es nicht geblieben.

„Ich bin eher der Radfahrertyp, habe mir ein Rennrad gekauft und schon einige schöne Wettkämpfe bestritten.“ Mit beachtlichem Erfolg, denn als sie nach ihrem Jurastudium als Redakteurin arbeitete, gewann sie schon dreimal eine Medaille bei den Rad-Weltmeisterschaften der Journalisten.

Studiert hat sie in Bayreuth - eine Stadt, aus der viele gute Triathleten kommen. Womit es auf der Hand liegt, wie sie den Zugang zu dieser Sportart fand. Zu den Highlights gehörte vor zwei Jahren die Teilnahme am Klassiker in Roth über die Langdistanz mit 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und dem Marathon. „Die letzten Meter im Stadion bin ich zusammen mit meinem Mann und meiner Tochter gelaufen, das war ein wunderschöner Moment.“ Edda ist jetzt fünf Jahre alt und findet es sehr unterhaltsam, die Mama bei ihren Trainingseinheiten zu begleiten. Im Anhänger für das Rad oder im Laufwagen.

„Im Straßenverkehr fahre ich aber nicht mit ihr, das ist mir zu gefährlich“, sagt Miriam Mandt-Böckelmann. Deshalb wird daheim der Rollentrainer genutzt, was dank virtueller Trainingsprogramme viel Abwechslung bringen kann. Und darauf legt die Iserlohnerin auch beim Laufen wert. Ultradistanzen auf der Straße kann sie sich eher nicht vorstellen. „Ich liebe die Laufstrecken im Wald, die kleinen Trails und bin erstaunt, dass ich immer wieder neue entdecke.“

Das große Ziel ist jetzt der Ultra Trail du Mont Blanc

Nachdem sie mit Ehemann Martin und Tochter Edda vor zwei Jahren aus dem Schwarzwald nach Iserlohn übersiedelte, fand sie als Mitarbeiterin der Heimatzeitung zwar schnell in ein bekanntes Metier zurück, doch in sportlicher Hinsicht begegnete sie der Trainingsregion zunächst mit Skepsis. Aber die erwies sich als unbegründet, sie genießt das Laufen in den heimischen Wäldern. Und so entwickelte sich allmählich das Interesse am Trailrunning. „Der Trend wird immer stärker, denn die Leute lieben die Nähe zur Natur. Die wollen gar nicht mehr auf diesen Waldautobahnen unterwegs sein.“ In der Zeit des Lockdowns ist sie fast täglich mit ihrer Tochter gelaufen, manchmal drei Stunden und mehr. „Ich sage mir: Wo ich zu Fuß durch komme, da komme ich auch mit dem Laufwagen durch. Zur Not muss Edda für ein Stück aussteigen.“

In einem Jahr, das reichlich Wettkampfabsagen bescherte, schmiedete die Iserlohnerin Pläne für 2021. Dann will sie beim Ultra Trail du Mont Blanc in Chamonix an den Start gehen, doch dazu bedarf es einiger Qualifikationspunkte. Gelegenheit dazu gab es beim Vulkan-Trail. Dass sie nur eine Woche zuvor beim Traildorado in Arnsberg am Start war und 74 km mit 2400 Höhenmetern in 12:30 Stunden bewältigte, wirkte im mittelhessischen Vogelsbergkreis allerdings noch nach.

„Ich hatte Probleme mit meinem Ischiasnerv und dachte zwischenzeitlich sogar ans Aufgeben“, berichtet Miriam Mandt-Böckelmann. Zumal die Bedingungen ausgesprochen schwierig waren. Denn der Schottener Trail glich zeitweise einem Orientierungslauf. „Die Sprühmarkierungen auf den Wegen waren durch Matsch und Blätter nicht sichtbar, und die Fähnchen von Wanderern entfernt worden. Daher haben sich viele auch verlaufen.“ Dass die Strecke wegen vorherigen Regenfälle sehr schlammig war, kam erschwerend hinzu. Aber die Iserlohnerin hielt durch, sammelte als Dritte viele Punkte und braucht in diesem Jahr noch einen weiteren, um ihr Ziel am Mont Blanc nicht aus den Augen zu verlieren. Das soll beim Rheinsteiglauf im November erledigt werden.

Gelegentlich macht sie es bei ihren Wettkämpfen aber auch ganz volkstümlich. So ist der Iserlohner Silvesterlauf fest eingeplant, dann natürlich im Duett mit Tochter Ebba im Laufwagen. „Die Zeit spielt ja keine Rolle. So lange wir nicht Letzte werden, ist alles in Ordnung.“ Und Laufen im Stadtwald ist für sie ja längst ein Vergnügen.

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