Eishockey

Der Traum von der weltbesten Eishockey-Liga

Zu Besuch in Iserlohn: Nikita Alexandrov (li.) und Tim Fleischer.

Zu Besuch in Iserlohn: Nikita Alexandrov (li.) und Tim Fleischer.

Foto: Michael Topp

Iserlohn.   Nikita Alexandrov spielt schon in Kanadas bester Nachwuchsliga, Tim Fleischer will auch dort Fuß fassen.

In den vergangenen Tagen machten sie wieder einmal Station bei ihrem Stammverein und trafen viele Bekannte. Und sie gehörten gleich zur Trainingsgruppe der Roosters. Doch das war nur ein Intermezzo für Tim Fleischer und Nikita Alexandrov, weil es die ehemaligen Spieler der Young Roosters nach Kanada zieht. Denn beide Iserlohner, die im September ihren 18. Geburtstag feiern, haben einen Traum - die NHL. Sie möchten den Sprung in die bedeutendste Eishockey-Liga der Welt zu schaffen.

„Natürlich träume ich davon“, sagt Tim Fleischer. Und sein ehemaliger Vereinskollege Nikita Alexandrov sieht das genauso. Er hat schon eine Saison in Nordamerika gespielt, während Fleischer nun vor dem Sprung über den großen Teich steht. „Ich habe Nikita schon sehr viele Fragen gestellt, und weiß ungefähr, auf was ich mich einrichten muss“, berichtet Fleischer von einem intensiven Gedankenaustausch mit seinem früheren Stürmerkollegen, mit dem er 2016 im Young-Roosters-Team die deutsche Schülermeisterschaft gewann.

Schon im Jugendbereich professionelle Bedingungen

Alexandrov hat bei den Charlottetown Islanders (vor der Ostküste Kanadas) bereits eine Saison in der Quebec-Major-Junior-Hockey-League (QMJHL) absolviert, und das erfolgreich. Denn im Kampf um den Memorial Cup, die bedeutendste Nachwuchstrophäe im kanadischen Eishockey, erreichte er mit seinem Team das Play-off-Halbfinale der QMJHL, die eine der drei höchsten Nachwuchsligen ist. Im siebten Spiel kam dann zwar das Aus, aber Alexandrov war bester Scorer seines Teams und bis zum Aus auch bester Newcomer (Rookie) der Play-offs. Er schied als letzter der sieben deutschen Spieler aus, die in einer der drei kanadischen Topligen aktiv waren, wie auch Roosters-Neuzugang Tom-Eric Bappert (Saginaw).

„Das war eine sehr erfolgreiche Saison“, bilanziert Alexandrov. „Nach einem nicht so guten Start habe ich mich eingespielt, das hat sich in den Play-offs ausgezahlt“, berichtet er, und man spürt, dass er zuletzt wenig Deutsch gesprochen hat. „Das ist seit langem mein erstes Interview in deutscher Sprache. Ich träume in Englisch, Deutsch und Russisch“, erzählt der in Burgwedel geborene Sohn des Ex-Iserlohners Igor Alexandrov weiter.

In Kanada musste er sich auf eine ganz andere (Eishockey-)Welt einstellen: „Es läuft alles unter Profibedingungen. Und die Fläche ist kleiner, da hat man viel weniger Zeit. Das Hockey ist viel schneller, aber man gewöhnt sich daran.“ Auch an den Erwartungsdruck, den es im schon professionell ausgerichteten Nachwuchshockey gibt. „Aber den Druck vergesse ich, weil mir dieser Sport Spaß macht.“

Alexandrov lebt in einer Gastfamilie und ist dort, aber auch im Verein, gut aufgenommen worden. „Alle sind sehr freundlich. Und die Sache wird sehr ernst genommen.“ Der Tagesablauf sieht in der Regel nach dem Aufstehen Trockentraining vor, dann geht es auf das Eis, anschließend in die Schule, danach ist Freizeit angesagt, die der Stürmer in seiner Gastfamilie oder mit den Teamkollegen verbringt. Dennoch räumt er ein: „Meine Familie habe ich sehr vermisst.“ Aber es gibt natürlich gegenseitige Besuche. So war der angehende Profi auch zu Weihnachten in der Waldstadt.

Mit Young Roosters und Jungadlern Deutscher Meister

Ein für einen derartigen Schritt unerlässliches Qualitätsmerkmal ist die individuelle Stärke. Alexandrov: „Man muss in Deutschland schon einer der Stärksten sein, um überhaupt drüben mitmischen zu können.“ Diese Qualität besitzt sicherlich auch Tim Fleischer, der nun vor dem großen Sprung steht und zu den Hamilton Bulldogs (bei Toronto) in die Ontario-Hockey-League (OHL) wechselt, ebenfalls eine der drei großen Nachwuchsligen. Mit dem IEC wurde er deutscher Schülermeister. 2017 veränderte sich der Iserlohner zu den Jungadlern Mannheim, dort gewann er in diesem Jahr die DNL-Meisterschaft.

Obwohl sich Fleischer in Iserlohn wohlgefühlt hat und immer wieder gerne an seinen Geburtsort zurückkehrt, war der Wechsel zu den Jungadlern aus seiner Sicht richtig. Dort wird auf höchstem Niveau und unter professionellen Rahmenbedingungen gearbeitet, weil ausreichend Geld zur Verfügung steht. Denn auch im Nachwuchs besitzen die kleinen Klubs Standortnachteile. „Als Nachwuchsspieler konnten wir in bestimmten Restaurants gratis essen“, nennt Fleischer ein Beispiel. Über die Profimannschaft gab es in Mannheim auch die ersten intensiveren Kontakte in die DEL.

„Weiter hart arbeiten, und dann geht es richtig los“

Hoch ist der von den Organisationen betriebene Aufwand in Nordamerika. Alexandrov: „Es wird viel mehr in den Nachwuchs investiert. Es gibt sogar Taschengeld, das hat mich überrascht.“ Dass beide Talente schon einen professionellen Vertrag besitzen, ist aus Fleischers Sicht die logische Konsequenz und „echt cool.“ Kontakte entstanden über eigene Berater. „Mein Agent ist schon von einem NHL-Scout angesprochen worden“, berichtet Alexandrov von der reizvollen Perspektive, gedraftet zu werden. „Deshalb werde ich jetzt weiter hart dafür arbeiten, und dann geht es richtig los!“ So plant es auch Fleischer, der sich auch eine Karriere in der DEL vorstellen kann. Sein Nahziel: „Ich will mich nun etablieren und zunächst das schaffen, was Nikita erreicht hat.“ Und dann soll der nächste Schritt auf dem Weg zum Eishockey-Profi folgen. Zwei Iserlohner auf dem Weg in die NHL?

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