Basketball

Die Großen der Zunft waren in Iserlohn zu Gast

Einige hochklassige Basketballspiele hat Iserlohn Paris Konstantinidis’ Engagement zu verdanken.

Einige hochklassige Basketballspiele hat Iserlohn Paris Konstantinidis’ Engagement zu verdanken.

Foto: IKZ Archiv

Iserlohn.   Paris Konstantinidis holte Europas Stars in die Waldstadt und pflegte enge Kontakte zu UdSSR-Spielern

Auch mit bald 65 Jahren ist Paris Konstantinidis noch nicht müde, jungen Leute die Freude am Basketball zu vermitteln. Inzwischen ist er Opa geworden und kümmert sich bei den Iserlohn Kangaroos um die Basisarbeit. Als er vor ziemlich genau 40 Jahren nach Iserlohn kam, da ließ sich noch nicht erahnen, welch wichtige Rolle er einmal für die Entwicklung des Basketballs in der Waldstadt spielen würde.

1972 war der Grieche aufgrund der Verhältnisse in der Militärdiktatur in seinem Heimatland zum Studium nach Deutschland gegangen. In Aachen standen die Fächer Chemie und Mathematik auf seinem Stundenplan, zudem war er politisch sehr aktiv. „Als ich eines Tages in der Botschaft in Düsseldorf meinen Pass verlängern lassen wollte, zeigte man mir Fotos, auf denen ich bei Protesten gegen das griechische Militär in vorderster Linie zu sehen war“, erinnert sich Konstantinidis.

Im „Portofino“ erste Kontakte zum Basketball geknüpft

Dennoch gelang es ihm, seinen Wehrdienst in der Heimat erst im Alter von 30 Jahren ableisten zu müssen, da war Griechenland wieder eine Demokratie. Kurz zuvor war er in Iserlohn, wo er mit seinem mittlerweile verstorbenen Bruder Lazarus die Gaststätte „Portofino“ führte, mit den Basketballern in Berührung gekommen. Ronald Feisel, Klaus Holke, Thomas Keienburg oder Michael Dahmen gehörten zu den Gästen. „Die haben mich irgendwann zu einer Grillparty eingeladen, die sich aber als Jahreshauptversammlung entpuppte. Dort bin ich dann gleich in den Vorstand gewählt worden. Da habe ich dann das Wort Beisitzer kennengelernt, und damit alles korrekt war, haben die mich auch gleich noch meinen Vereinseintritt unterschreiben lassen“, erzählt der Grieche.

Als Förderer der Abteilung trat er fortan in Erscheinung und entwickelte Ehrgeiz. Er holte Uli Risse aus der zweiten Liga als Spielertrainer nach Iserlohn, leistete seinen Wehrdienst in Athen ab und knüpfte dort Kontakte zum Erstligisten Panionios, dessen Trainer Makis Dendrinos sein Trauzeuge wurde und legte nach seiner Rückkehr in die Waldstadt richtig los. Mehrfach absolvierte Panionios in der Waldstadt Trainingslager, bestritt in der Ortlohnhalle Spiele gegen Gießen, Oldenburg und Hagen. Das brachte internationale Aufmerksamkeit.

1987 bei der Basketball-Europameisterschaft in Griechenland, wo die Hellenen sensationell den Titel gewannen, lernte Paris Konstantinidis auch einige Spieler aus der Sowjetunion kennen. Die spielten ein Jahr später in den Niederlanden die Olympia-Qualifikation für Seoul und bezwangen dort überraschend die Jugoslawen im Finale. Das veranlasste auch den sowjetischen Sportminister zum Besuch. Konstantinidis wohnte im gleichen Hotel wie die UdSSR-Delegation, fungierte bei den Russen als Betreuer. „Das waren sehr herzliche Verbindungen, und beim Bankett wurde ich mit dem Minister bekannt gemacht. Nur was ich wirklich von ihm wollte, habe ich ihm erst gesagt, als er am Flughafen war und er mich gefragt hat, was er für mich tun könne?“

Der basketballverrückte Grieche wurde, wie es sein Wunsch war, nach Moskau eingeladen, zusammen mit dem Hagener Charles Bretz. Neben einem Freundschaftsspiel in Iserlohn zwischen einer US-College-Auswahl und Zhalgiris Kaunas, das Weihnachten 1988 stattfand (allerdings spielte für die verspätet eingetroffenen US-Boys ein Team aus Vilnius mit Superstar Sarunas Marciulonis), wurde ausgehandelt, dass der SSV Hagen die Stars Rimas Kurtinaitis und Sergius Jovaisa verpflichten durfte, während Iserlohn Gintaras Krapikas unter Vertrag nehmen konnte.

„Das war eine Sensation und das Spiel in Iserlohn wäre der erste russisch-amerikanische Sportvergleich auf freundschaftlicher Basis überhaupt gewesen“, ordnet Paris Konstantinidis die Partie in der Waldstadt ein. In seine damalige Kneipe „Pfänder im Sack“ hatte er das Team aus Kaunas um den 2,23 m großen Ausnahmespieler Arvidas Sabonis eingeladen. Es wurde ein unvergesslicher Abend, der Ouzo floss in Strömen. „Am nächsten Tag haben wir die Mannschaft nach Frankfurt gebracht. Von dort ging es für das Team nach Buenos Aires zum Weltcup. Es hat ihnen nicht geschadet, sie haben das Turnier locker gewonnen“, so der Grieche.

In den Zeiten des politischen Umbruchs war einiges möglich. Mit dem Eintreffen von Gintaras Krapikas in Iserlohn begann der steile Aufstieg der Basketballer, der ebenfalls mit fremder Hilfe begonnen hatte. Dank seiner guten Kontakte zu Panionios Athen hatte Konstantinidis zuvor auch Cunnie Williams aus Griechenland zu den Kangaroos gelotst. „Da der Verein damals aus dem Europacup ausgeschieden war, hatte man keine Verwendung mehr für den Amerikaner. Da habe ich zugegriffen“, erzählt er. Kurz zuvor war aus Hagen Trainer Klaus Preller gekommen, der die Spieler Michael Kwast und Martin Grof mitgebracht hatte.

Neben der Förderung des eigenen Vereins lagen Paris Konstantinidis aber auch stets die internationalen Basketballvergleiche am Herzen. So holte er mit Panathinaikos Athen ein griechisches Spitzenteam in die Waldstadt, das mit Nikos Galis, Panagiotis Giannakis, Stojan Vrankovic und Zarko Paspalj einige der besten europäischen Spieler jener Zeit verpflichtet hatte. Diese Akteure zeigten ihr Können im Spiel gegen Gießen.

Außerdem hielt sich auch das griechische Nationalteam, Konstantinidis war eng mit dem damaligen Sportminister George Vasilakopoulos befreundet, während des Supercups in Dortmund in Iserlohn auf. Und später kam mit Bayer Leverkusen noch der amtierende Deutsche Meister mit seinem Startrainer Dirk Bauermann zum Freundschaftsspiel nach Iserlohn.

Ein Autodidakt, der nie einen Trainerschein besessen hat

Schließlich schlüpfte Paris Konstantinidis immer mehr in die Trainerrolle, bis vor etwas mehr als zehn Jahren endgültig Schluss war im höherklassigen Sport. Den Spaß hat der Basketball-Autodidakt, der nie einen Trainerschein besaß, an seinem Sport aber bis heute nicht verloren. Mit seiner dritten Frau Eleni lebt er seit einigen Jahren zurückgezogen in der Waldstadt, kümmert sich stets um eine Mannschaft der Kangaroos und freut sich nicht nur über den eineinhalbjährigen Enkel Alexander, sondern auch über die Aktivitäten seiner Kinder. Jannis, ehemaliger Zweitligaspieler der Kangaroos, der ihn zum Opa gemacht hat, lebt und arbeitet in Düsseldorf, wird bald 40 Jahre, 28 ist seine Tochter Lisa. Komplett macht das Trio der 21-jährige Nico, der als Spieler der dritten Mannschaft die verlängerte Hand von Trainer Paris auf dem Feld ist.

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