Handball

Die Lösung in zweiter Versammlung?

Eine unsanfte Landung wie hier Philip Trattner, droht nach dem JHV-Eklat jetzt auch dem HTV Hemer.

Eine unsanfte Landung wie hier Philip Trattner, droht nach dem JHV-Eklat jetzt auch dem HTV Hemer.

Foto: Michael May

Hemer.  Nach dem Vorstandsrücktritt sucht der HTV nach Auswegen aus der prekären Lage.

Der Knall vom Dienstagabend hallt noch nach. Handball-Marktführer HTV Hemer steht nach der Rücktrittserklärung des geschäftsführenden Vorstandes vor einer ungewissen Zukunft. Der nach der gescheiterten Wiederwahl des 2. Vorsitzenden Rüdiger Vorhoff erfolgte Schritt von Olaf Klein & Co. entbindet jedoch nicht von der Verantwortung, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Mitglieder die Weichen möglicherweise neu stellen. Denn im Vereinsregister stehen die bisherigen Amtsinhaber, und es ist nach Auffassung von Rechtsexperten nicht denkbar, dass sich das Amtsgericht mit den Führungsproblemen des Vereins beschäftigt. Der HTV muss also selbst eine Lösung finden.

Wie die aussehen könnte, ist am Tag nach der Jahreshauptversammlung nicht absehbar. Wird sich der gerade zurückgetretene Vorstand noch einmal dem Mitgliedervotum stellen? Schlägt jetzt die Stunde früherer Vorstandsmitglieder? Ist sogar ein Comeback von Klaus Hennecke denkbar, in welcher Funktion auch immer? Dazu der langjährige HTV-Chef: „Ich sage im Moment gar nichts.“

Dem zurückgetretenen Vorsitzenden Olaf Klein ist bewusst, dass er mit seinem Team weiter in der Pflicht steht. „Wir werden möglichst bald, wahrscheinlich in drei Wochen, zu einer weiteren Versammlung einladen, denn es muss ja weitergehen.“ Die Abfuhr vom Dienstag liegt ihm noch schwer im Magen, und er nimmt vor allem die A-Jugendlichen aufs Korn. „Was haben die gegen uns? Da wird auf Geheiß des Trainers mit Nein gestimmt, und die Jungs wissen vermutlich gar nicht, weshalb sie das tun.“ Und er erneuert seine Kritik, dass nur abgelehnt, aber kein Alternativkandidat präsentiert wurde. Wäre der Vorstand heute noch im Amt, wenn eine andere Person Vorhoffs Position übernommen hätte? „Das hängt davon ab, wen man vorgeschlagen hätte“, sagt der Klubchef. Er will nun mit seinen Mitstreitern das weitere Vorgehen beraten und schließt nicht aus, dass man sich bei der kommenden Versammlung erneut zur Wahl stellt. „Bisher habe ich noch von keinem das Signal bekommen, aber wir stehen alle zu diesem Konzept.“

Olaf Klein will kein Taktieren im Hintergrund

Klein vermag nicht einzuschätzen, ob die Spieler, die beim HTV für die kommende Oberligasaison zugesagt haben, nach den jüngsten Ereignissen zu ihrem Wort stehen. Gleiches gilt für Sponsoren. „Und deshalb darf jetzt nicht im Hintergrund taktiert werden. Wenn Leute Verantwortung im Verein übernehmen und sich zur Wahl stellen wollen, dann müssen sie auch den Mumm haben, das jetzt zu sagen.“

Der HTV-Ehrenvorsitzende Lutz Tieck strebt keine Rückkehr in ein Vorstandsamt an. „Ich habe mich in der Vergangenheit oft genug geärgert. Mir reicht es.“ Er wirkt auch am Tag nach der Versammlung ziemlich ratlos. „Ich verstehe nicht, weshalb so viele Leute, die sich für den Verein engagieren, nicht gekommen sind.“ Dem Vorsitzenden Olaf Klein hält er eine lustlose Berichterstattung vor. „Man muss doch im Ausblick auf die neue Saison Begeisterung entfachen und die Leute mitnehmen. Aber davon war nichts zu spüren.“ Für Tieck wäre jetzt die Stunde der besonnenen und ausgeglichenen Kräfte. „Aber die haben sich ja nach und nach alle zurückgezogen.“

Bedeckt hält sich der bisherige sportliche Leiter Alfred Klein. Er sah sich ebenso wie sein Bruder Walter vom Vorstand ins Abseits gedrängt, und beide verabschiedeten sich zum Saisonende. Seine Kritik richtet sich an die Adresse des abgewählten 2. Vorsitzenden Rüdiger Vorhoff. „Letztlich bestimmt doch er, wo es lang geht. Von den anderen stellt sich keiner gegen ihn.“ Klein ist skeptisch, ob beim bisherigen Vorstand das letzte Wort schon gesprochen ist und ob nicht doch eine Fortsetzung der Arbeit angestrebt wird. Angesprochen auf eine mögliche neue Führungscrew, will er nicht die treibende Kraft sein. „Ich glaube schon, dass in dieser Situation auch Leute, die sich vom Verein abgewandt haben, wieder einsteigen.“ Und er selbst? „Natürlich würde ich helfen, wenn die richtigen Leute am Ruder sind. Schließlich haben wir über Jahre hier etwas aufgebaut.“ Dass es noch möglich ist, eine konkurrenzfähige Oberligamannschaft zu stellen, hält er allerdings für eher unwahrscheinlich.

Knez hat Verständnis, wenn sich Spieler umorientieren

Trainer Tihomir Knez beklagt, sich nach der jüngsten Entwicklung im luftleeren Raum zu befinden. „Ich weiß nicht, in welche Richtung es geht.“ Viele Spieler hatten sich nach der Versammlung bei ihm gemeldet, um zu erfahren, wie die Zukunft des HTV aussieht, aber eine Antwort konnte er nicht liefern. Der Coach hätte Verständnis, wenn sich in der aktuellen Situation jemand nach einem anderen Verein umschaut. Für ihn kommt das nicht in Frage. „Was wäre das für ein Vorbild? Ich werde das sinkende Schiff nicht verlassen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben