Radsport

Die Mountainbiker starten durch

Thilo Koesling ist der Chef der Mountainbike-Abteilung des TuS Iserlohn.

Thilo Koesling ist der Chef der Mountainbike-Abteilung des TuS Iserlohn.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die neue TuS-Abteilung arbeitet intensiv am Trailpark im Stadtwald und will kräftig wachsen.

Natürlich könnte man sich einfach als „Abteilung Mountainbike“ bezeichnen, doch das erschien Thilo Koesling etwas zu einfallslos. Er hat die 21. Sparte im Großverein TuS Iserlohn „Dead Pedals Society“ genannt und führt diese Kreation auf den Film „Club der toten Dichter“ zurück“, der im Original „Dead Poets Society“heißt. Dem führenden Kopf der Biker kam es darauf an, der Gruppe keinen aggressiven Anstrich zu geben, die nun erstmals in organisierter Form ihren Sport betreibt.

Koesling (43) ist seit 30 Jahren begeisterter Mountainbiker und suchte einen starken Partner. „Selbst einen Verein zu gründen, war mir zu aufwändig. Beim TuS können wir die Infrastruktur nutzen und kommen in Kontakt mit vielen sportinteressierten Mitgliedern. Das passt perfekt.“ Und perfekt passt die Mountainbikeabteilung, in der Gudrun Geißler als stellvertretende Vorsitzende fungiert, auch in die lokale Sportlandschaft. Schließlich hat die Sportentwicklungsplanung ergeben, dass ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung am liebsten im freien Sport treibt.

Unter dem TuS-Dach sind aktuell 15 Mountainbiker aktiv, die sich an jedem ersten Sonntag im Monat am Bahnhofsvorplatz zu einer vier- bis fünfstündigen Tour treffen. „Einfach mitzufahren, hat allerdings keinen Sinn. Man muss schon etwas drauf haben“, will Koesling vorerst keine Einsteiger ansprechen. Denen wird man sich im Anschlussprogramm widmen, in dem auch die Kinder- und Jugendarbeit einen festen Platz haben soll. So wird es die Kooperation mit der Bikestation Letmathe geben, geplant sind BMX-Wettbewerbe oder Aktivitäten beim Dirt Contest an der Lenne.

„Und naturverbundene Jugendliche sind auch eingeladen, mit uns an den Strecken zu bauen“, bringt Thilo Koesling einen aktuellen Schwerpunkt des Alltagsgeschäfts zur Sprache. Mountainbiker sind schließlich nicht nur auf breiten Waldwegen unterwegs, sondern auch auf speziell präparierten Trails. Iserlohn hat sich das Projekt „Trailpark“ im Stadtwald auf die Fahnen geschrieben, und daran wird derzeit gebaut. Fördermittel stehen bereit, aber das Präparieren der Abfahrten müssen die Biker selbst erledigen. „Wir stecken viel Arbeitszeit hinein, doch die Strecken können natürlich von der Allgemeinheit genutzt werden. Ich wünsche mir deshalb eine angemessene Wertschätzung“, sagt Koesling. Dazu gehört auch, dass man im Bau befindliche Strecken nicht befährt.

Bis April will man zwei abgenommene Trails anbieten können. Weil es sich um Passagen im öffentlichen Raum handelt, müssen sie von Sachverständigen unter die Lupe genommen werden. Geplant sind im Park fünf bis sieben Strecken von unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. „Wir werden sehr anspruchsvolle mit Sprüngen und Holzrampen anbieten aber auch etwas für Einsteiger.“ Damit man sich zurecht findet, ist eine umfassende Beschilderung geplant, und die kann auch schon einmal den Hinweis „Betreten verboten - Befahren erlaubt“, enthalten.

Thilo Koesling weiß, dass eine Ausweitung des Angebots mehr Mountainbiker in den Wald lockt, was Konfliktpotenzial in sich birgt. Deshalb wünscht er sich Rücksichtnahme - nicht zuletzt auch von den Radfahrern. „Für Leute, die mit hohem Tempo durch eine nicht einsehbare Kurve brettern und dann möglicherweise Spaziergänger gefährden habe ich kein Verständnis.“

Ein Tourennetz von Iserlohn bis Finnentrop als Ziel

Der Iserlohner kennt die Szene, er weiß, wie viele Mountainbiker in kleinen Gruppen regelmäßig unterwegs sind und sieht große Entwicklungschancen in dieser Sportart. Ein Tourennetz, das sich von Iserlohn aus bis nach Finnentrop erstreckt, hält er für realisierbar, wenn die jeweiligen Kommunen mitmachen.

Die Wachstumsmöglichkeiten der jüngsten TuS-Sparte sind nach seiner Überzeugung vorgezeichnet. Und auch wenn die Mitglieder der Gründungsphase überzeugte Puristen sind und ganz auf Muskelkraft setzen, will man E-Biker nicht ausschließen. „Problematisch ist nur, wenn die jetzt zu schwierigen Trails vordringen, die sie früher nie erreicht haben und dann ihr Können überschätzen.“ Aber dafür gibt es ja die „Death Pedals Society“, die künftig mit einem umfassenden Angebot vielfältige Mountainbikeaktivitäten organisieren und dem TuS eine weitere sehr lebendige Abteilung bescheren will.

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