Fußball

Die Pfingstturniere und noch viel mehr

Der Landesliga-Aufstieg 2014 war der letzte große Erfolg der Frauen des TSV Ihmert.

Der Landesliga-Aufstieg 2014 war der letzte große Erfolg der Frauen des TSV Ihmert.

Foto: Foto: Michael May

Ihmert.  Die Fußballerinnen des TSV Ihmert erlebten eine wechselvolle Geschichte. Arnold Humpert als treibende Kraft.

In der ersten Reihe standen sie nicht, als Anfang der 1970er Jahre der Frauenfußball in der Region kontinuierlich an Popularität gewann. In Ihmert ertönte erst im Mai 1978 der Startschuss, und weil die fußballbegeisterten Frauen des Dorfes bereits im Herbst des Jahres den Anschluss an den TSV suchten, waren die Voraussetzungen geschaffen, um in der Saison 1979/80 um Kreisligapunkte zu spielen.

Dass die Premiere bei der SG Hemer mit 0:4 verloren ging, ist ebenso in den Annalen der Abteilung vermerkt wie die erste Torschützin des Vereins: Das war Monika Peddinghaus, die beim 1:1 gegen GW Schwelm ins Schwarze traf. Dass es in Ihmert in den folgenden Jahren stetig aufwärts ging, hängt ganz eng mit Arnold Humperts Engagement zusammen. Der im Juni 2016 verstorbene Motor der Abteilung, der 2012 zum Ehrenmitglied des TSV ernannt wurde, war Trainer, Betreuer und Vorstandsmitglied und stets dort aktiv, wo Not am Mann war. Unter seiner Regie gelang der Frauenmannschaft in der Saison 84/85 ungeschlagen der Aufstieg in die Bezirksliga, aber bis dahin hatte der TSV schon durch weitere Aktivitäten auf sich aufmerksam gemacht.

Von 1982 an mischte auch eine Mädchenmannschaft im Spielbetrieb mit, und zwei Jahre später organisierte der Verein die viel beachtete Premiere des Pfingstturniers auf dem Ihmerter Sportplatz. Die Veranstaltung lockte bis 2013 zahlreiche Frauen- und Mädchenmannschaften an, und zum obligatorischen Rahmen der Zusammenkunft gehörten das Zeltlager auf der angrenzenden Wiese und die Party in der Gemeindehalle. Gut besuchte Turniere richteten die Ihmerter zudem regelmäßig in der Halle aus, aber sie reisten auch gern. Im Mai 1987 etwa weilten sie zu einem Turnier in Südfrankreich.

Als die Fußballerinnen in Ihmert in ihr zweites Jahrzehnt starteten, häuften sich jedoch die personellen Probleme, und die Bezirksliga-Zugehörigkeit geriet in Gefahr. In der Saison 90/91 gelang erst am letzten Spieltag die Rettung - durch ein 4:2 in Breckerfeld. Alle Tore erzielte damals Silke Ehlers, die langjährige Torjägerin. Einige Monate zuvor war der TSV an einem echten Highlight beteiligt. Im Rahmen der Jugend-Hallenstadtmeisterschaft bildete der TSV zusammen mit der SG Hemer eine Auswahlmannschaft, die gegen den deutschen Serienmeister TSV Siegen antrat.

Anfang der 1990er Jahre steigerten sich die TSV-Fußballerinnen jedoch zu einem neuen Leistungshoch, und am Ende der Saison 91/92 gelang erstmals der Aufstieg in die Landesliga. Damals prägte der Name Böhle die Abteilung. Wilfried war deren Chef, Jürgen der Trainer, Claudia stand im Tor, und Simone spielte im Sturm. Zum Meisterteam gehörte auch Nicole Schulz, die langjährige Spielführerin, die ihrem Verein über 25 Jahre lang die Treue hielt.

Drei Jahre mischte der TSV in dieser Spielklasse mit, danach ging es wieder zurück in die Bezirksliga. Dieses Wechselspiel sollte sich noch einige Male wiederholen. 1999 erhielt der unermüdliche Arnold Humpert Verstärkung auf der organisatorischen Ebene. Volker Bohlen kam vom ASSV Letmathe - zunächst allerdings nur als Zuschauer, nachdem zwei Spielerinnen von den 98ern zum TSV gewechselt waren. Es folgten für ihn Aufgaben als Betreuer und schließlich im Vorstand.

Der 60-Jährige hat die letzte Blütezeit ebenso miterlebt wie den Niedergang. „Wie die Frauen Fußball gespielt haben, hat mich immer begeistert. Und in der Landesliga kam man ganz schön weit rum, das waren interessante Erfahrungen,“ denkt er gern an die erfolgreichen Jahre zurück. Eine prägende Figur war damals Martina Kröhnert, die 2006 verabschiedet wurde - nach 550 Spielen für den TSV.

Landesliga-Aufstieg 2014war der letzte große Erfolg

Der feierte unter der Regie von Trainer Stefan Reiffenrath seine letzten Erfolge. Im Mai 2014 gelang noch einmal der Aufstieg in Landesliga, die man aber ein Jahr später als abgeschlagenes Schlusslicht wieder verlassen musste. Das Ende war schon vorgezeichnet, als Trainer Andreas Kunz Probleme mit dem Vorstand hatte. „Das übertrug sich auf die Mannschaft, die dann irgendwann beschloss, ihr eigenes Ding zu machen. Und das hat nicht funktioniert“, erinnert sich Bohlen.

Im Sommer 2015, als es kein Potenzial für eine überkreisliche Mannschaft mehr gab, deutete sich das endgültige Aus für das Frauenteam schon an. Und als Arnold Humpert ein Jahr später starb, war ein Neubeginn erst recht nicht mehr zu realisieren.

Geblieben ist über all die Jahre die Mädchenmannschaft. In der letzten Saison spielte eine U13 außerhalb der Wertung mit, in der laufenden Serie pausiert sie Corona bedingt in diesem Wettbewerb. Volker Bohlen will dafür sorgen, dass diese Aktivitäten im TSV erhalten bleiben. „So viele sportliche Alternativen im Dorf gibt es für die Kinder und Jugendlichen ja nicht, und andere Vereine sind oft zu weit weg.“ Die Kehrseite der Medaille: Auswärtige Spielerinnen nach Ihmert zu locken, ist schwierig, weil der zeitliche Aufwand gescheut wird. Und einen Fahrdienst kann man nun beim besten Willen nicht organisieren. Bohlen wird sich aber konsequent für die Vielfalt des Sportangebotes im Ort einsetzen. Und Fußball im TSV wird es dank der Mädchen weiter geben. Die Männer wollen ja demnächst zusammen mit den Bredenbruchern einen neuen Verein bilden.

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