Eishockey

Die Roosters-Talfahrt und die offenen Fragen

Eine klassische Bauchlandung legten die Roosters, hier Michel Clarke, nach der Länderspielpause hin.

Eine klassische Bauchlandung legten die Roosters, hier Michel Clarke, nach der Länderspielpause hin.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Manager Christian Hommel will mit Trainerteam und Spielern im bisherigen Tiefpunkt Ursachenforschung betreiben.

Der Manager widmete sich zuletzt intensiv der Roosters-Zukunft und sichtete während seiner Scouting-Tor in Nordamerika etliche Spieler, die für die nächste Saison in Frage kommen könnten. Doch die triste Gegenwart zwang Christian Hommel zur vorzeitigen Rückkehr, denn am Seilersee brennt kurz vor Beginn der Adventszeit der Baum. Vier Niederlagen in Folge, die letzten drei ohne eigenen Torerfolg: Die neuformierte Mannschaft ist auf einem Tiefpunkt angelangt.

„Wir müssen Antworten finden“, sagt der Manager und kündigt in den nächsten Tagen zahlreiche Gespräche mit den Spielern und dem Trainerstab an. Und dabei geht es um Klartext. „Man kann nichts schön reden. Wir haben die wenigsten Tore geschossen und eine Powerplayquote so schwach wie nie. Und ich muss ehrlich sagen, dass ich das so nicht erwarte habe. Denn in der Anfangsphase der Saison gab es ja eine Entwicklung.“ Und Hommel räumt unumwunden auch die eigene Verantwortung ein, schließlich hat er die Spieler geholt.

Während sich schwach gestartete Konkurrenten allmählich steigern, entwickeln sich die Roosters eher zurück. Der Manager ist aber überzeugt, dass der Charakter der Mannschaft in Ordnung ist, dass die Misserfolge jedoch das Selbstvertrauen beeinträchtigen und die Verunsicherung fördern. „Es kann ja nicht sein, dass Leute, die schon zehn Jahre in der DEL spielen, keinen Pass über zwei Meter hinbekommen.“

In den Gesprächen will er Antworten auf die Frage finden, was in den Köpfen der Spieler los ist. „Ich gehe nicht jeden Tag in die Kabine und spreche Drohungen aus. Aber allen muss klar sein, dass es auch um Verträge geht,“ stellt der Manager klar. Dass so wenig geschossen wird, dass im Powerplay nichts Produktives gelingt, ist für ihn nicht nachvollziehbar, und er erwartet auch in der Diskussion mit dem Trainerstab Erklärungen und Lösungsmöglichkeiten. „In dieser Situation müssen sich einfach alle hinterfragen.“

Also auch Chefcoach Jason O’Leary, dem die jüngsten Misserfolge spürbar zugesetzt haben. „Vieles ist Kopfsache. Die Spieler haben kein Selbstvertrauen, wir verlieren unglaublich oft die Scheibe und bekommen dann Probleme.“ Er hatte sich mit der neuformierten Mannschaft auf eine schwierige Arbeit eingestellt, räumt aber ein, dass er das Ausmaß des aktuellen Dilemmas so nicht erwartet hatte. „Ich weiß, dass man Geduld braucht, aber ich verstehe, wenn manche Leute die nicht haben.“ Kritik an seiner Person überrascht ihn in dieser Situation nicht – aber fürchtet er um seinen Arbeitsplatz? „Ich habe nichts in dieser Richtung vernommen, aber das müssen sowie andere Leute beantworten.“ Dass beim Heimspiel gegen Mannheim Niklas Sundblad, früherer Trainer der Kölner Haie, auf der Tribüne gesichtet wurde, heizte jedenfalls die Spekulationen an.

Müssen jetzt etablierte Spieler auf die Tribüne?

Christian Hommel versichert, dass der Coach weiter das Vertrauen genieße, aber auch er räumt ein, dass es letztlich immer um Ergebnisse gehe. Welche Konsequenzen die Talfahrt haben wird, wollen die Verantwortlichen nach diversen Konferenzen in dieser Woche entscheiden. O’Leary hatte die chronisch ungefährlichen Sturmreihen zuletzt umgebaut, aber der Erfolg blieb aus. Wenn er jetzt von weiterreichenden Maßnahmen spricht, dann könnte das darauf hinweisen, dass der eine oder andere etablierte Spieler, der aktuell außer Form ist, im Heimspiel am kommenden Freitag gegen Bremerhaven auf der Tribüne sitzt.

Der Manager fordert jedenfalls eine umgehende Steigerung, auch wenn er immer wieder betont, dass man den größten Umbruch der Roosters in der DEL-Historie zu bewerkstelligen habe. „Leistungen, wie wir sie zuletzt gesehen haben, sind nicht unser Anspruch. Das muss ganz schnell besser werden.“ Und weiter: „Ich wollte, dass die Zuschauer nicht mit Bauchschmerzen nach Hause gehen müssen. Und jetzt sind auch noch Kopfschmerzen dazu gekommen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben