Schach

Die „stärkste Liga der Welt“ ist erreicht

Der SV Hemer hat den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga geschafft.

Der SV Hemer hat den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga geschafft.

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Hemer.  Frauenteam des Schachvereins Hemer hat den Aufstieg in die erste Bundesliga geschafft. Triumph in Lübeck.

Der Schachverein Hemer hat den Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga geschafft. Beim entscheidenden letzten Spieltag in Lübeck gelang zunächst ein Sieg gegen den letztjährigen Zweitligameister Kiel, bevor tags darauf der unmittelbare Verfolger Lübeck 5:1 geschlagen wurde.

Bereits ein Remis aus den sechs Partien des letzten Mannschaftskampfes hätte zum Aufstieg gereicht, da Hemer bereits deutlich vor Lübeck lag. Als Kathrin Sewald ihre Gegnerin matt setzte, war die Entscheidung gefallen. Die Dritte der Deutschen U18-Meisterschaften 2018 hatte bereits am Vortag einen Sieg errungen. Alle Spielerinnen registrierten, dass der Aufstieg damit sicher war, spielten aber konzentriert weiter. Und die jungen Hemeranerinnen zeigten den sympathischen Hanseatinnen deutlich auf, dass man zurecht vorne lag.

Präsident des Schachbundeswar der erste Gratulant

Erster Gratulant war der Präsident des Deutschen Schachbundes, Ullrich Krause, der im heimischen Lübeck vor allem seiner Mannschaft die Daumen drückte. Glückwünsche aus der Heimat gingen zahlreich bei Hemers Mannschaftsführer Andreas Jagodzinsky ein, bei dem sich auch Hemers Bürgermeister Michael Heilmann und Vorgänger Michael Esken meldeten.

Carmen Voicu-Jagodzinsky erhöhte auf 2:0. Die ehemalige Jugendweltmeisterin steht wie keine zweite für den Aufschwung des Hemeraner Schachsports, trainiert sie doch einen Großteil der Mannschaft. Catriona Dartmann Aubanell (15 Jahre) spielt kurz darauf Remis, ehe Alessia Ciolacu (15) den Kampf auch offiziell zugunsten der Hemeraner entschied. Die rumänische Nachwuchsnationalspielerin hatte tags zuvor für die Vorentscheidung gegen Kiel gesorgt, als der Kampf kurzzeitig kritisch stand. Lisa-Marie Möller gewann als nächste, ehe die kurz zuvor zum 13. Mal für die Schacholympiade nominierte Luminita Cosma mit einem Remis für den 5:1-Endstand sorgte.

Der Jubel über den größten Erfolg der Vereinsgeschichte kannte keine Grenzen. Abgesehen von den oben genannten Spielerinnen trugen auch Linda Becker mit 4,5 Punkten aus fünf Partien, Valerija Naumenko (4/4), Julia Manus (0,5/1) und Iulia Ionica (1/1) ihren Teil zum Aufstieg bei. Das gleiche gilt für die vielen Helfer aus dem Verein, die die Mannschaft unterstützen.

Ein großer Dank geht auch an den aktuellen Schulleiter des Woeste-Gymnasiums und seinen Vorgänger, die durch das intensive Schach-Angebot Spielerinnen wie Naumenko und Manus ermöglichten, in wenigen Jahren Zweitliganiveau zu erreichen. Am Gymnasium lernen rund 100 Kinder pro Jahr die Schachregeln. Das Konzept, mit eigenen Nachwuchsspielerinnen bis in die höchste deutsche Spielklasse aufzusteigen und dort zu bestehen, wurde seit mehreren Jahren nachdrücklich verfolgt.

Hemers Vorsitzender Andreas Jagodzinsky dämpfte jedoch die Euphorie: „Für die Reisekosten in der Bundesliga wird ein mittlerer vierstelliger Betrag benötigt. Solange die Finanzierung nicht gesichert ist, können wir keine Entscheidung über die Wahrnehmung des Aufstiegsrechts treffen.“ Für die jungen Hemeraner Spielerinnen, die die jüngste Mannschaft in der stärksten Liga der Welt stellen würden, in der mehrere Schachweltmeisterinnen aktiv sind, und bereits jetzt von der zentralen Endrunde in Berlin 2021 träumen, wäre das eine herbe Enttäuschung. Hemer wäre seit 2014 der erste Frauenbundesligist aus Nordrhein-Westfalen.

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