Eishockey

ECD-Legende bevorzugt die kritische Distanz

Jörg Schauhoff, ECD-Legende, verfolgt die Eishockeyszene aus kritischer Distanz.

Jörg Schauhoff, ECD-Legende, verfolgt die Eishockeyszene aus kritischer Distanz.

Foto: IKZ

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Hemer.  Die mannshohe, blau lackierte „5“ vor seinem Haus entzieht sich durch Zaun und Hecke mittlerweile dem Blickfeld. Und auch der Mann, der dieses spezielle, auf seine Trikotnummer verweisende Geschenk zum „50.“ erhielt, ist nicht mehr präsent in „seiner“ Sportart. Jörg Schauhoff, die ECD-Legende, verfolgt die Eishockeyszene zwar immer noch mit großem Interesse, aber das Live-Erlebnis am Seilersee besitzt für ihn schon lange keinen Reiz mehr.

Wer mit dem Deilinghofener, der an diesem Freitag seinen 70. Geburtstag feiert, ins Plaudern kommt, landet irgendwann unweigerlich beim Thema Eishockey. Das beschäftigt ihn noch immer, gern auch in der Rückblende. In seinem Büro gibt es viele Erinnerungsstücke an seine lange Karriere - von Zeitungsausschnitten, alten Spielplakaten bis hin zu einer beachtlichen Sammlung von Fan-Caps mit einem ledernen Exemplar der Toronto Maple Leafs als Schmuckstück.

Schauhoff leistete als Mitbegründer des EC Deilinghofen wichtige Aufbauarbeit, als Mannschaftskapitän und Rekordtorschütze mit 346 Treffern prägte er den Erfolgsweg der Sauerländer noch in den 1970er Jahren. In offizieller Mission erlebte man ihn zuletzt 1993 als sportlichen Berater des ECD Sauerland. Es war ein kurzes Intermezzo. „Ich durfte nur getroffene Entscheidungen abnicken, und so etwas ist nichts für mich“, sagt Schauhoff.

Wenn er irgendwo mitmischt, muss er etwas bewegen können. Das galt auch für seine zehnjährige Tätigkeit in der Hemeraner Kommunalpolitik. Dort war ebenso wie in der Eishockeyszene bekannt für sein offenes Wort. Er hat nie den Weg des geringsten Widerstandes gewählt, und scheut nicht davor zurück, anzuecken und zur Not auch zu polarisieren. „Mir geht es immer um Offenheit und Ehrlichkeit. Und mit dieser Art bin ich eigentlich ganz gut gefahren“.

Für einen Plausch wie für eine ernsthafte Diskussion ist der Deilinghofener stets zu haben. Vielfältige Kontakte sind ihm wichtig, und nicht von ungefähr ist er auch noch mit jetzt 70 Jahren als Immobilienmakler voll im Geschäft. „Mir macht das Spaß, und ich fühle mich fit. Und man muss ja was zu tun haben. Rasenmähen reicht nicht“.

Mit der Fitness stand es nicht immer zum besten, denn vor sechs Jahren musste sich Schauhoff einer Herzoperation unterziehen. Doch der begeisterte Wanderer hat sich wieder in Form gebracht. Zuweilen schnürt er auch noch die Inlineskates und rollt entlang der Sorpe. Er achtet auf die Gesundheit, lebt bewusster. Der frühe Tod einstiger ECD-Mitstreiter (wie der seines Schulfreundes Ekke Lindermann) hat ihn nachdenklich gestimmt.

Selbstverständlich steht „die Nummer 5“ auch noch auf Schlittschuhen. Mit den beiden Enkelinnen zum Eislaufen zu fahren, gehört zu den geschätzten Freizeitbeschäftigungen. „Das macht mir jedenfalls mehr Spaß, als mir ein Spiel der Roosters anzusehen“. Das liegt nicht daran, dass ihm der Name nicht passt („die müssten Iserlohn Canadians heißen, um an die Wurzeln zu erinnern“), sondern am fehlenden Bezug zu Verein und an fehlenden Identifikationsfiguren. Eine hohe Meinung von den Verantwortlichen hat er auch nicht („viel hat Herr Brück in den letzten Jahren ja nicht bewegt“). Da ist wieder der kritische Beobachter Jörg Schauhoff. Er liest jeden Zeitungsbericht über die Roosters, diskutiert intensiv mit Fans und Kennern der Szene und ist erstaunlich gut im Thema. Auch ohne Tribünenplatz in der Eissporthalle. Zuletzt sah er dort vor vier Jahren ein DEL-Spiel.

Dass am Seilersee bis heute das „Hej, Deilinghofen“ von der Ränge erklingt, freut ihn aber ungemein. „Ich finde es toll, dass auf diese Weise noch an unsere ECD-Zeit erinnert wird“. Und er denkt sogar über eine Anerkennung für die „Traditionalisten“ nach. „Vielleicht stifte ich denen mal ein Fass Bier“.

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