Eishockey

Ein Kämpfertyp sieht wieder Land

Marko Friedrich ist es gewohnt, ordentlich zur Sache zu gehen, und dabei soll es bleiben.

Marko Friedrich ist es gewohnt, ordentlich zur Sache zu gehen, und dabei soll es bleiben.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Roosters-Stürmer Marko Friedrich muss sich nach seiner Gehirnerschütterung weiterhin schonen.

Die Zwangspause dauert fast seit einem Vierteljahr. Am 24. November, beim 0:5 der Roosters gegen die Adler Mannheim, erwischte es Marko Friedrich. Er hatte einen Gegenspieler nicht kommen sehen, der heftig mit ihm zusammenprallte. Mit langwierigen Folgen für den Iserlohner Stürmer. Er zog sich eine schwere Gehirnerschütterung zu, die bis heute nachwirkt. „Ich hatte schon ein paar Wochen zuvor gegen Berlin etwas abbekommen, und leider potenzieren sich die Symptome dann“, berichtet der 28-Jährige.

Nach dem Check im Mannheim-Spiel fehlen ihm 45 Minuten in seinem Erinnerungsvermögen, aber besonders belastend wirkten sich Kopfschmerzen aus, die ihn in den ersten Wochen plagten. „Wenn du etwas an der Schulter hast, kommt der Arm in die Schlinge und du kannst ziemlich normal leben. Aber mit dem Kopf ist das etwas ganz anderes“, gibt Friedrich Einblicke in eine auch psychisch sehr belastende Zeit. Mehrfach hat er seit Ende November versucht, ins Training einzusteigen, aber sobald die Belastung etwas höher wurde, stellten sich die Probleme ein.

„Ich habe alles nur noch verschwommen gesehen, das war schon ziemlich frustrierend.“ Weil die schnelle Besserung ausblieb, gingen dem gebürtigen Franken fast zwangsläufig düstere Gedanken durch den Kopf. Würde es für ihn als Eishockeyprofi überhaupt weitergehen? Marko Friedrich erreichte dann sehr bald den Punkt, an dem er die laufende Saison abhakte und konsequente Ruhe einhielt. Dabei ist es bis heute geblieben, und er ist heilfroh, dass ihm die Mediziner mittlerweile versichern, dass keinerlei Folgeschäden bleiben werden und er auch wieder aufs Eis zurückkehren kann.

Im nächsten Monat will er vorsichtig wieder trainieren, und bis dahin sind Spaziergänge seine einzige Bewegung. „Ich versuche aber, dem Ganzen eine positive Seite abzugewinnen“, sagt der Roosters-Stürmer. Er hat sich wieder seinem BWL-Studium gewidmet und genießt es, häufiger als üblich in die Heimat zu reisen. Das ist Nürnberg, wo seine Freundin und seine Eltern leben. Weil er bei Neurologen in Würzburg in Behandlung ist, bietet sich ein Abstecher regelmäßig an.

Jetzt mehr Zeit, um die Familie in Nürnberg zu besuchen

Die freie Zeit nutzt er aber auch, um möglichst viel Eishockey zu sehen. Und er macht sich natürlich Gedanken über die Roosters. „Wir hatten den großen Umbruch und dann wirklich viel Verletzungspech. Deshalb ist es keine so große Überraschung, dass die Saison nicht optimal läuft“. Vom guten Charakter der Mannschaft ist er aber überzeugt und daher sicher, dass seine Kollegen bis zuletzt um das bestmögliche Abschneiden kämpfen.

Und nach dem bisher schlimmsten Jahr seiner Karriere, das mit einer Verletzung in der Vorbereitung begann und wegen der Gehirnerschütterung vorzeitig endete, will er wieder angreifen. „Ich habe ja keine lebensbedrohliche Krankheit und bin sicher, dass ich gestärkt aus dieser Sache hervorgehe“, sagt der Stürmer. Er verweist auf den Sommer, in dem er seine konditionellen Defizite aufarbeiten will. „Wenn es im August am Seilersee los geht, bin ich wieder voll da“, kündigt er an. „Ich schaffe das, denn ich bin ein Kämpfertyp.“ Und den vermissen die Roosters seit jenem 24. November ziemlich schmerzlich.

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