Basketball

Ein Siegtreffer mit befreiender Wirkung?

Chris Frazier (hier mit einem jungen Fan) zeigte zuletzt stark ansteigende Form.

Chris Frazier (hier mit einem jungen Fan) zeigte zuletzt stark ansteigende Form.

Foto: Foto: Max Winkler

Iserlohn.  Chris Frazier zeigt bei den Iserlohn Kangaroos stark ansteigende Form und hat weiter die Play-offs im Visier.

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Diesen Moment dürfte er herbeigesehnt haben. 15 Sekunden vor Ende der Partie in Sandersdorf sicherte Chris Frazier am letzten Sonntag mit seinem Dreier zum 89:88 den hauchdünnen Überraschungssieg der ProB-Basketballer der Iserlohn Kangaroos beim Tabellenzweiten.

„Wenn Du als Königstransfer bezeichnet wirst und dann selbst die offenen Würfe nicht triffst, ist so etwas schon wichtig“, sagt Chris Frazier. Der 29-jährige Flügelspieler war im Sommer vom ProA-Klub Rostock Seawolves gekommen und wollte bei den Kangaroos noch einmal durchstarten. Mit Erstligaerfahrung (Crailsheim) ausgestattet und mit den guten Dreierquoten der letzten Jahre sollte er das Spiel der Iserlohner beleben. Das schien zunächst auch zu funktionieren, doch dann folgten eine Verletzung am Wurfarm und ein paar Niederlagen mehr, als sich das die Verantwortlichen in der Waldstadt im Vorfeld der Saison vorgestellt hatten.

„Wir müssen uns als Mannschaft erst finden, da kann es auch sein, dass wir mal das ein oder andere Spiel verlieren“, warnte Frazier schon vor Saisonbeginn vor zu hohen Erwartungen. Dass es allerdings so schlecht laufen würde wie in den ersten Monaten, damit hatte der 1,82 Meter große Akteur nicht gerechnet. „Richtig schlecht waren wir allerdings nur gegen Münster. Bei den anderen Niederlagen hatten wir auch Pech. Es sind halt immer fünf bis acht Minuten gewesen, in denen wir die Spiele aus der Hand gegeben haben“, schätzt der gebürtige Mannheimer die Leistungen ein. Seit Ende November sei die Mannschaft aber eindeutig im Aufwind und jetzt habe sich das auch endlich im Resultat widergespiegelt.

33 Dreier bei einer Wurfquotevon knapp 40 Prozent

Dazu trug auch die Steigerung von Chris Frazier bei, der in den letzten drei Partien 57 seiner bislang 166 Punkte „einstreute“. 99 Zähler dieser Ausbeute kamen durch Drei-Punkte-Würfe zustande. Mit einer Quote von fast 40 Prozent weist er eine aus dieser Distanz gute Ausbeute auf, doch unter dem Strich glaubt er, dass weder er noch sein Team das vorhandene Potenzial schon voll ausgeschöpft haben.

Schärfster Kritiker seiner Auftritte im Kangaroos-Dress ist sein Vater Lamont, ein Soldat der US-Army, der die Partien in den Staaten im Internet verfolgt. „Wie mein Trainer Milos Stankovic und unser Manager Michael Dahmen gehört er zu den wenigen Personen, die alles kritisieren dürfen“, macht Frazier deutlich. Zuletzt habe sein Vater, der ihn auch zum Basketball gebracht hat, gesagt, dass er sich nicht so viel Druck machen solle - ein Ansatz, der ihm geholfen habe.

In Iserlohn fühlt sich Chris Frazier sehr wohl. Zusammen mit Teamkollege Moritz Schneider bildet er eine Wohngemeinschaft. Die Verwandtschaft, die noch in Mannheim lebt, ist gute drei Auto-Stunden entfernt, in Köln hat er einige Freunde. Seine Freundin Skady wohnt weiter in Rostock, kommt aber im Monat möglichst eine Woche nach Iserlohn, was den Wohlfühlfaktor weiter erhöht.

Interessiert zeigt sich Chris Frazier, der gerne Golf spielt, am Eishockey in der Waldstadt. „Als Mannheimer möchte ich mir natürlich gerne das Spiel anschauen, wenn es gegen die Adler geht“, erläutert er. Das wird am 6. März der Fall sein, einen Tag vor dem letzten Vorrundenspiel der Kangaroos gegen Rist Wedel in eigener Halle. Dann möchte der Scharfschütze mit seiner Mannschaft die Play-offs natürlich schon erreicht haben. „Wir sind im Augenblick nur zwei Siege entfernt, es ist alles sehr eng beisammen und damit alles möglich“, sagt er. Darüber hinaus hält er es für wichtig, dass die Mannschaft in der entscheidenden Saisonphase ihren besten Basketball spielt. „Dann kann man auch in den Play-offs weit kommen.“ Erlebt hat er schon beide Extreme. Mit Crailsheim ist er aus der ersten Liga abgestiegen, mit Rostock schaffte er den Sprung in die ProA.

„Der Aufstieg würde Iserlohn auch gut tun. Vielleicht nicht in diesem Jahr, aber vielleicht danach“, erklärt Frazier. Als eine der besten Mannschaften der Liga sieht er sein Team noch immer, und ab sofort soll das auch vermehrt gezeigt werden.

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