Westernreiten

Ein Stückchen „Wilder Westen“ in Letmathe

Foto: IKZ/Michael May

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Letmathe.  „Im Trab reiten ist wie Fahrradfahren rückwärts“, ruft Claudia Laatz über den Reitplatz. Daniela wirkt konzentriert und bewegt sich mit dem Rhythmus der trabenden Fuchsstute auf und ab, während die beiden ihre Runden durch den Sand drehen. Dann geht es in den Galopp. Ein Sprung, zwei Sprünge - und plötzlich bleibt das Pferd vollkommen ruhig stehen. „Ja, das war schon besser, hast du es auch gemerkt?“, lobt Claudia Laatz die junge Frau, die daraufhin nickt und der Stute anerkennend auf den Hals klopft. „Ich glaube, April und ich brauchen jetzt erst einmal eine Pause.“

Claudia Laatz ist mobile Westerntrainerin und kommt ein- bis zweimal wöchentlich auf den Hof „Rainbow Hill“ in Letmathe. Auf der einsamen Ranch, die hoch oben auf den Hügeln von Letmathe liegt, leben die zwei Quarter Horses April und Cody, die schon seit mehr als 20 Jahren für die Reitschüler da sind, um mit und von ihnen zu lernen.

Im hinteren Teil des Sandplatzes steht die dunkelbraune Stute Cody, die gerade von einer anderen Reitschülerin „startklar“ gemacht wird. Noch einmal nachgegurtet, Helm auf, und dann kann es für Hanna losgehen. Es dauert nur einige Sekunden, bis die zierliche junge Frau im Sattel sitzt. In fünf Minuten beginnt ihr Westerntraining.

Claudia Laatz ritt schon in ihrer Kindheit, damals aber klassisch. Zum Westernreiten kam sie erst 1999 durch Freunde, welche die Reitweise der Cowboys schon länger für sich entdeckt hatten. „Der größte Unterschied zur klassischen Weise ist, dass das Pferd schon auf kleinste Hilfen des Reiters reagiert“, so die hauptberufliche Trainerin. Das Westernreiten hat seinen Ursprung in Amerika. Für die Cowboys gehörte es zum Alltag, viele Stunden am Tag im Sattel zu sitzen. Deshalb brauchten sie ein ausdauerndes Pferd mit bequemen Gängen, damit sie es auch den ganzen Tag im Sattel aushielten. Die Hilfen sind so ausgelegt, dass man mit wenig Anstrengung alles vom Pferd verlangen kann.

Cody trabt mit tief gesenkten Kopf gemächlich am Zaun entlang. „Komm mehr mit dem Bein, Hanna, damit sie sich rund macht“, appelliert Laatz an ihre Schülerin. Die Quarter-Horse-Stute ist sichtlich entspannt und schnaubt hin und wieder genüsslich. „Mir ist es wichtig, dass meine Schüler lernen, warum sie welche Hilfen geben. Sie sollen lernen, weshalb das Pferd dementsprechend reagiert“, erklärt Claudia Laatz. Sie legt bei ihrem Training besonderen Wert darauf, eine vielseitige und solide Grundausbildung von Reiter und Pferd zu gewährleisten, bevor sich beide auf bestimmte Disziplinen spezialisieren. Denn: „Je besser die Basis, desto problemloser ist die Weiterbildung.“

Auch im Westernreiten gibt es viele verschiedene Sparten. Claudia Laatz hat sich auf die bekanntesten spezialisiert: Reining, Pleasure, Horsemanship, Westernriding und Trail. Sie war selbst auf vielen Turnieren unterwegs, momentan überlässt sie das Turnierreiten aber eher ihrem Mann, da sie selbst noch ein passendes Pferd für sich sucht. „Es soll auf jeden Fall ein Quarter Horse sein, soviel steht fest“, verrät die Trainerin lächelnd. Man kann zwar jedes Pferd zum Westernpferd machen, dennoch wurden die American Quarter Horses speziell für die Anforderungen in dieser Sparte gezüchtet und sind somit gerade im Turniersport auch sehr beliebt. Das Quarter Horse zeichnet durch seine meist ruhige und freundliche Art aus. Darüber hinaus ist es sensibel, aber überaus nervenstark, leicht trainierbar und sehr lernfähig.

Cody steht in der Mitte des Reitplatzes. Langsam bewegt sie sich mit den Vorderbeinen und dreht sich um ihre Hinterhand, wobei sich die Hinterbeine aber nur minimal bewegen. „Das ist jetzt ein Spin, also eine Hinterhandwendung“, erklärt Claudia Laatz. Durch das gezielte Einsetzen der Zügel und der Beine, kann Hanna das Pferd beinahe mühelos um sich selbst drehen lassen. In der Disziplin Reining werden solche Spins in Windeseile durchgeführt.

Hanna lässt sich erschöpft aus dem Sattel gleiten. „Schluss für heute“, sagt sie zufrieden und tätschelt Cody noch einmal den Hals. Jetzt geht es für die Stute auf die Weide, wo sie ihren wohlverdienten Feierabend in Ruhe genießen kann.

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