Eishockey

Entfesselte Roosters deklassieren den Meister

Jon Matsumoto auf dem Weg zum 3:1.

Jon Matsumoto auf dem Weg zum 3:1.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Nach frühem Rückstand zeigen Iserlohner große Moral.

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„Das hat Spaß gemacht“, grinste Torhüter Sebastian Dahm. Doch das war stark untertrieben. Was die Roosters gestern Nachmittag gegen Meister München boten, begeisterte die knapp 3900 Fans. Mit 8:3 deklassierten sie den mit drei Siegen gestarteten Tabellenführer. Die Geschichte des Spiels schrieb das Team als Kollektiv, aber auch einzelne Spieler steuerten besondere Kapitel bei.

Iserlohn Roosters – EHC RB München 8:3 (3:1, 1:1, 4:1). Dahm gehörte mit seinem Paraden dazu. Ebenso sein Gegenüber Kevin Reich. Der gebürtige Iserlohner in Diensten des Meisters hatte nicht seinen besten Tag erwischt. Aber nicht nur er.

Dieter Orendorz steuerte auch einen wichtigen Beitrag bei. Denn nach dem frühen 0:1 durch NHL-Routinier Stajan (6.) gelang Orendorz der schnelle Ausgleich, als er in den Winkel traf (9.). „Dieter! Dieter! Dieter!“, bejubelten die Fans „ihr“ Eigengewächs. „Ich hatte gezittert, ob ich überhaupt spielen durfte“, ging er bei „Telekom Sport“ auf seine Strafe in Krefeld ein. Es sollte nicht seine letzte Tat gewesen sein.

Nach dem Ausgleichstor leitet Orendorz auch das 2:1 ein

Denn knapp zehn Minuten später sah Orendorz den in der neutralen Zone gestarteten Anthony Camara. Der stets gefährliche Stürmer mit dem roten Helm des IEC-Topscorers ersprintete sich die Scheibe, ließ sich nicht aufhalten und tunnelte Reich (19.). Der Außenseiter führte und legte vor der Pause nach.

Und hier setzte sich ein weiterer Protagonist in Szene: Jon Matsumoto. Der Neuzugang aus München zeigte eine überragende Leistung mit zwei Toren und einer Beihilfe. Bärenstark war seine Energieleistung, als er sich entschlossen durchsetzte und 9,9 Sekunden vor der Pause zum 3:1 einnetzte. Fast hätte der amtierende Meisterspieler sogar direkt nach Wiederbeginn auf 4:1 erhöht. Doch nach klasse Vorlage von Marko Friedrich verzog er (24.).

Längst waren die Roosters dem Spitzenreiter ebenbürtig und überstanden auch jene Phasen, als die Bayern, nicht nur in Überzahl, enormen Druck aufbauten und sich immer wieder festsetzten. Aber die Iserlohner agierten leidenschaftlich und geschickt. Sie hielten dem Druck stand und lösten sich dann immer wieder mit gefährlichen Vorstößen aus dieser Umklammerung. Allerdings: Unmittelbar nach überstandener Hinausstellung gegen Dylan Yeo schlug es doch hinter Dahm ein, Joslins Bogenlampe fand ihr Ziel (31.). Die Gäste erhöhten den Druck, die Roosters kamen ins Schwitzen, gerieten aber nicht ins Schwimmen. Vielmehr suchten sie ihre Chance. Friedrich hätte das 4:2 erzielen müssen, niemand ärgerte sich mehr über diese vergebene Riesenmöglichkeit (37.).

In Überzahl stellten die Hausherren dann doch noch vor der zweiten Pause den alten Abstand wieder her. Nach einem druckvollen Powerplay mit guten Möglichkeiten des starken Lean Bergmann zirkelte schließlich Yeo mit der Rückhand die Scheibe in den Winkel (39.).

Spätverpflichtung Ellerby macht das halbe Dutzend voll

Und es kam noch besser. Ein weiteres Mal ließ Matsumoto seine Klasse aufblitzen – 5:2 (44.). „Das ist natürlich etwas Besonderes“, kommentierte der Ex-Münchener seine Tore. Aber das sei auch sein Job, bemühte er sich um Sachlichkeit.

Das halbe Dutzend machte Verteidiger Keaton Ellerby voll mit einem Schlenzer von der blauen Linie (49.). Damit schrieb der Spätverpflichtete ebenfalls ein Kapitel. „Ein großes Gefühl“, freute sich die „33“ über sein Premierentor. Damit war der Meister geschlagen, doch er wurde noch gedemütigt. Denn die Sauerländer hatten ihr Pulver noch nicht verschossen.

Eingeleitet durch einen Klassevorstoß von Camara erhöhte Michael Clarke am Pfosten stehend auf 7:2 (52.) 100 Sekunden später hieß es erneut: „Tor für die Roosters!“ Sasa Martinovic hatte per Schlagschuss seinen Anteil zum Schützenfest beigetragen. „Nur noch zwei“, jubelten die Fans. Doch es reichte auch so. Das Unterzahltor von Michael Wolf nach einer Unaufmerksamkeit von Dahm ging im Jubel über den Triumph unter.

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