Sportlertreff

Enthusiasmus und Stehvermögen sind Pflicht

Für den Sportlerstammtisch fehlt der EGI in der Halle ein eigener Raum, man trifft sich also am Rande der Bande. Hier im Bild (v.li.): Ralph Meister (Kassenwart), Willy Schweer (IKZ-Sportredaktion), Sandra Becker (Trainerin), Cathérine Ricken-Lefor (2. Vorsitzende und Trainerin), Sandra Pérel-Meyer (Pressewartin) und Verena Stobbe (1. Vorsitzende).

Foto: Alexander Barth

Für den Sportlerstammtisch fehlt der EGI in der Halle ein eigener Raum, man trifft sich also am Rande der Bande. Hier im Bild (v.li.): Ralph Meister (Kassenwart), Willy Schweer (IKZ-Sportredaktion), Sandra Becker (Trainerin), Cathérine Ricken-Lefor (2. Vorsitzende und Trainerin), Sandra Pérel-Meyer (Pressewartin) und Verena Stobbe (1. Vorsitzende).

Iserlohn.   Die Eissportgemeinschaft Iserlohn arbeitet mit viel Einsatz und hofft, dass einige Wünsche in Erfüllung gehen.

Eissporthalle Iserlohn. Heimat der Roosters, Schauplatz unzähliger Eishockey-Dramen. Aber hier geht es nicht immer hart zur Sache, im Kampf Mann gegen Mann. Hier geht es auch um Eleganz und Ästhetik, um die Harmonie von Musik und Bewegung – um Eiskunstlaufen. Dreimal in der Woche gehört der Eissportgemeinschaft Iserlohn die große Fläche, dann üben 15 bis 20 junge Damen ihre Schrittfolgen und Sprünge.

Jetzt haben sie ihre Sommerpause eingeläutet, die auf der Vereinshomepage (www.eg-iserlohn.de) passenderweise ein mit Softeis gefülltes Hörnchen symbolisiert. Zeit zum Bilanzieren und auch zum Pläne schmieden. Wie lebt es sich im langen Schatten des Eishockeys?

Individuelle Betreuung in heterogen besetzten Gruppen

Wer sich mit den Verantwortlichen des seit 2010 eigenständigen Vereins unterhält, der bis dahin unter dem Dach der ERGI agierte, hört einerseits die Leidenschaft für genau diese Sportart heraus, andererseits aber auch die Sorge, ob der reibungslose Betrieb dauerhaft zu gewährleisten ist. „Wir hatten mal über hundert Mitglieder, jetzt stehen wir bei fünfundsechzig“, berichtet die Vorsitzende Verena Stobbe. Und zu Spitzenzeiten waren zehn Trainer für den Verein im Einsatz, heute sind es noch sechs.

Dabei ist die intensive und individuelle Betreuung während der Übungszeiten wichtig, denn die Gruppen sind heterogen besetzt – von absoluten Neulingen bis hin zu wettkampferfahrenen Läuferinnen. „Früher hatten wir bei jedem Training vier Trainer auf dem Eis, aber die Zeiten sich vorbei,“ sagt Ralph Meister, der Kassenwart. Für eine Trainerausbildung muss man Kosten von rund 1000 Euro veranschlagen, und natürlich auch genügend Zeit mitbringen, um kontinuierliche Übungsarbeit zu gewährleisten.

Das Umfeld für die EGI ist schwieriger geworden, durch G8 an Gymnasien ebenso wie durch den Ganztagsunterricht. Aber auch durch die Probleme vieler Eltern, den Fahrdienst für ihre Kinder zuverlässig zu leisten. Denn die kommen aus dem gesamten Märkischen Kreis zum Seilersee. Und das seit Jahrzehnten.

„Dennoch wundern sich hier vor Ort immer noch manche Leute, dass es uns überhaupt gibt,“ schildert Trainerin Cathérine Ricken-Lefor ein Problem, das sie mit ihren Mitstreitern gern beseitigen würde. Aber einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt vor Ort gibt es nur einmal im Jahr: mit dem Waldstadt-Pokal im Januar. Also wird das Werben um neue Mitglieder breiter angelegt, und längst ist man vom früher empfohlenen Einstiegsalter acht Jahre abgerückt und hat sich auch Neulingen im Teenageralter geöffnet. „Wir sind ein Breitensportverein“, betont Verena Stobbe. Wettkampfteilnahmen sind kein Muss.

Die Eismiete bleibt ein enormer Kostenfaktor

Aber wie motiviert man Jugendliche, genau diesen Sport zu betreiben? Cathérine Ricken-Lefor muss nicht lange überlegen. „Man trainiert so viele Fertigkeiten und beansprucht viele verschiedene Muskeln. Und dazu sind die Bewegungen ausgesprochen ästhetisch. Es ist einfach ein ganz besonderer Sport.“

Wer sich vom Eiskunstlaufen in den Bann ziehen lässt, wer durch fleißiges Üben seine Kür immer anspruchsvoller und perfekter gestaltet, denkt sicher nicht mehr an die Einstiegshürden, die es zu meistern gilt. Der Mitgliedbeitrag liegt bei 20 Euro monatlich, wenn nur eine Trainingseinheit pro Woche besucht wird und bei 50 Euro bei Nutzung des vollen Programms. Zu zahlen während der Eis-Saison am Seilersee, in der der Verein rund 30 000 Euro an Eismiete aufbringen muss. Knapp zwei Drittel werden durch den städtischen Zuschuss abgedeckt. Ohne die Umlage auf die Mitglieder ist das nicht zu stemmen, die überdies die Kosten für Kleidung, Schlittschuhe und das Erstellen einer Kür zu tragen haben. Ein preiswerter Sport ist Eiskunstlaufen also nicht, aber das trifft ja auch auf andere Sportarten zu.

Im Werben um Zuwachs auf dem Eis empfinden es die EGI-Verantwortlichen als überaus hinderlich, dass das öffentliche Laufen am Seilersee weiter zurückgefahren wurde. „Wenn immer weniger Familien mit Kindern zum Eislaufen gehen, bekommen wir das auch zu spüren“, sagt Verena Stobbe. Deshalb bietet der Verein eine Eislaufschule an, und es bleiben auch immer wieder Mädchen bei der EGI hängen, weil sie dort genau ihren Sport entdeckt haben. Bei Jungen ist es schwieriger. Die tendieren zum Eishockey, doch das ist kein Iserlohner Problem. „Eiskunstlauf wird zu neunzig Prozent von Mädchen betrieben, womit man sich ausmalen kann, wie begehrt die Jungen sind, wenn es ums Paarlaufen geht,“ sagt Cathérine Ricken-Lefor. Für sie gibt es keinen schöneren Sport, und das will sie ihren Schützlingen Tag für Tag aufs Neue vermitteln. „Aber wir sind schon kleine Überlebenskünstler“, verweist die 2. Vorsitzende und Trainerin auf die permanenten Widrigkeiten, mit denen man im Alltagsgeschäft zu kämpfen hat.

Kein eigener Raum für die EGI in der Eissporthalle

„Wenn wir nach zwei Stunden Eishockeytraining aufs Eis gehen, ist der Zustand oft nur noch schlecht.“ Und das ist besonders ärgerlich, weil der teure Schliff der oftmals über 500 Euro teuren Spezialschlittschuhe schnell dahin ist. Etwas mehr Eiszeit – eine Viertelstunde am Donnerstag musste einst an die Young Roosters abgetreten werden, damit diese die Anforderungen im Fünf-Sterne-Programm des Verbandes erfüllen konnten – und bessere Eisqualität stehen auf der Dauerwunschliste des Vereins, wo auch ein besonderes Anliegen einen festen Platz behält.

„Wir haben in der Halle keinen eigenen Raum und können zu Besprechungen nur den Personalraum nutzen,“ verweist Verena Stobbe auf ein Manko, mit dem ihr von Zusammenhalt und enger Kommunikation lebender Verein fertig werden muss. Weil man mit solchen Schwierigkeiten genug zu tun hat, hoffen die EGI-Verantwortlichen, dass das Damoklesschwert „Parkhaus vor der Eishalle“ nicht auf sie herabstürzt. „Was passiert hier eigentlich mit unserem Betrieb, wenn dort eine Baustelle eingerichtet ist? Wie sollen wir Eltern dazu bringen, ihre Kinder zur Halle zu bringen und während des Trainings vor Ort zu bleiben, wenn sie Parkgebühren zahlen müssen“, bringt Ralph Meister die Sorgen der Vereinsführung zum Ausdruck.

Denn eigentlich möchte man sich im August, wenn die neue Eiszeit beginnt, ganz auf den Sport, auf die motivierten Aktiven und die Weiterentwicklung des Vereins konzentrieren. Und nicht um die Lösung neuer Probleme. Denn davon hatte man in den letzten Jahren eigentlich genug.

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