Eishockey

Fokus auf junge deutsche Spieler lohnt sich für die Roosters

Tim Fleischer kommt bei den Roosters immer besser in Schwung.

Tim Fleischer kommt bei den Roosters immer besser in Schwung.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die Roosters-Ausrichtung passt in die Zeit, denn der DEB macht Druck bei der Reduzierung der Kontingentstellen.

Die Bilanz beim Deutschland-Cup konnte sich für die DEB-Auswahl mit dem Sieg gegen Russland und den Niederlagen in der Verlängerung gegen die Slowakei und die Schweiz sehen lassen, doch die Verbandsverantwortlichen nutzten die Länderspielbühne, um die DEL an ein Kernproblem zu erinnern, dessen Lösung man sich bereits 2014 verschrieben hatte: Die Reduzierung der Ausländerstellen.

Sportdirektor Stefan Schaidnagel verwies auf das Konzept „Powerplay 26“. Das sieht vor, dass bis 2026 nur noch acht Kontingentstellen vergeben und pro Spiel nur noch sechs Ausländer eingesetzt werden dürfen. „Die Hausaufgaben sind gemacht, jetzt muss der letzte Schritt in die richtige Richtung getan werden, um nachhaltig konkurrenzfähig zu sein.“ Dieses Thema brachte er auch bei der Tagung der DEL-Manager am Montag zur Sprache, wo die Sichtweise erwartungsgemäß eine andere war. Es wird befürchtet, dass das Gehaltsniveau steigt, wenn man die Importstellen reduziert.

Christian Hommel, der sportliche Leiter der Roosters, will das nicht ausschließen, aktuell aber keinen Blick in die Zukunft werfen. Er widmet sich lieber den Errungenschaften der Gegenwart. „Die aktuelle Ausländerregelung und die U23-Vorgabe haben uns in diesem Jahr gut getan. Nur so sind unsere Talente in den Fokus gerückt.“ Für ihn ist klar, dass diese Entwicklung weiter geht, dass mehr deutsche Spieler unter Vertrag genommen werden müssen. Was den Topklubs leichter fällt. „Wenn ich sehe, wie viele junge deutsche Spieler Mannheim oder München im Portfolio haben, dann ist das eine andere Welt. Wir könnten uns das finanziell nicht erlauben.“

Aber in Iserlohn spielen sie. Erik Buschmann zum Beispiel, der zunächst gar nicht voll eingeplant war. „Wir haben ihm den roten Teppich ausgerollt, und er ist drüber gegangen“, sagt Hommel und lobt die Zielstrebigkeit und Konsequenz des jungen Verteidigers, der im Schnitt 16 Minuten Eiszeit bekommt. „Jeder muss seine Rolle verstehen und Geduld haben.“ Einen anderen Weg nahm Tim Fleischer, der Anpassungsschwierigkeiten hatte, zum Kooperationspartner Bietigheim ging, nach seiner Rückkehr nach Iserlohn aber den nächsten Schritt machte.

„Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden, aber ich könnte besser scoren, wenn ich mit zwei erfahrenen Leuten in einer Reihe spielte“, sagt der U20-Nationalspieler. Und weiter: „Die Hauptsache ist aber, dass ich viel Eiszeit bekomme, und um die will ich kämpfen, auch wenn sich jetzt der Kader wieder füllt.“

Solche Ansagen gefallen dem Manager. „Wir haben keine Scheu, auch etablierte Spieler draußen zu lassen, wenn sich die jungen Burschen aufdrängen. Es geht immer nur um Leistung.“ Neal Samanski und Julian Lautenschlager sind die weiteren Youngster, die pro Spiel auf sechs bis sieben Minuten Einsatzzeit kommen. Und es gibt auch noch die Talente außerhalb Iserlohns. Tobias Schmitz spielt derzeit in Herne in der Oberliga Nord, und Christian Hommel bescheinigt ihm einen Top-Job. Jonas Neffin hütet bei den Blue Devils Weiden in der Südgruppe das Tor - zur allgemeinen Zufriedenheit. „Unser Torwarttrainer Anders Palm war vor Ort und hat sich davon überzeugt, dass er auf einem guten Weg ist,“ betont der Manager.

Beim Scouten gilt der Blick torgefährlichen Stürmern

Man merkt ihm die Genugtuung an, dass der neue Roosters-Kurs offenkundig Früchte trägt an. Aber Hommel weiß natürlich auch, dass Sichtung und Förderung von Talenten nur ein Teil des Jobs ist. Mit Blick auf die nächste Saison muss er jetzt auch gestandene Akteure scouten. Und er räumt gerne ein, dass schon jemand darunter sein dürfte, der absolute Torgefahr ausstrahlt. Denn den Goalgetter haben die Roosters in ihrer aktuellen Mannschaft nicht. Sie müssen sich nach Überzeugung ihres sportlichen Leiters allerdings ihrer Rolle bewusst sein. „Wir werden immer auch für andere Vereine ausbilden. Wenn wir einen richtig guten jungen Burschen haben, der woanders einen großen Vertrag bekommen kann, dann ist es einfach schwer für uns.“

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