Handball

Frederik Hölers großer Schritt

An Frederik Hölers außergewöhnlichem Talent erfreuen sich in Zukunft die Füchse Berlin.

An Frederik Hölers außergewöhnlichem Talent erfreuen sich in Zukunft die Füchse Berlin.

Foto: Oliver Bergmann

Hemer.   Der B-Jugend-Torwart des HTV wechselt in Kürze zu den Füchsen Berlin.

Beim HTV Hemer wissen sie nicht so recht, ob sie weinen oder lachen sollen. Einerseits verlieren sie in Kürze mit Frederik Höler ihr größtes Torwart-Talent, anderseits sind sie stolz auf den 15-Jährigen, denn der wechselt in wenigen Wochen ins Sportinternat des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin.

Im Grunde ging die Sache ziemlich schnell über die Bühne. Vor etwa einem Monat, schildert Höler, habe sein Vater den Anruf aus der Hauptstadt erhalten. Am anderen Ende der Leitung war kein Geringerer als Füchse-Sportkoordinator Volker Zerbe, der während seiner Karriere zu den besten Spielern der Welt gehörte. Er selbst konnte kaum glauben, was sich da anbahnte. „Erstmal haben sich meine Eltern darüber unterhalten.“ Und offenbar gab es von ihrer Seite grünes Licht. Er durfte zu einem Probetraining, das sich über drei Tage erstreckte und ihm vor Augen führte, was die Stunde geschlagen hatte. Plötzlich war da der hautnahe Kontakt zu weiteren Größen wie Nationaltorwart Silvio Heinevetter, Paul Drux oder Fabian Wiede, die ebenfalls beide neben den Füchsen für Deutschland auflaufen. Ergebnis: Höler überzeugte bei den Konditions-, Ausdauer- und Krafttests und wurde für stark genug befunden, die sportliche Herausforderung zu meistern. In der Charité stand noch eine sprichwörtliche Überprüfung auf Herz und Nieren an, die er ebenfalls bestand.

„An einem Mittwoch erhielt ich die Zusage und musste mich dann bis zum darauffolgenden Wochenende entscheiden.“ Das war gar nicht so einfach. „Man gibt ja schon viel auf, das ganze Umfeld verändert sich.“ Den Menschen im Freundes- und Verwandtenkreis geht es nicht anders als seinen Trainern und Kameraden beim HTV. „Die haben schon gesagt, dass sie stolz auf mich sind, aber meine Mutter ist auch sehr traurig.“ Trotz allem ist er überzeugt, den richtigen Schritt zu gehen. „Die Füchse Berlin haben mit die beste Jugendarbeit überhaupt.“

Hohenschönhausen statt Hohenlimburg

Heute in genau einem Monat beginnen in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien. Dann werden die Koffer gepackt und der Umzug vollzogen. Frederik Hölers neue Heimat wird dann das Internat am legendären Sportforum Hohenschönhausen sein, das schon zu DDR-Zeiten Kaderschmiede war und heute Olympiastützpunkt ist. Dort wird Höler ein Zweierzimmer beziehen. Momentan besucht er noch das städtische Gymnasium Hohenlimburg im neunten Schuljahr. Den Weg zum Abitur setzt er nach dem Umzug fort, der wird allerdings ein Jahr länger dauern als in der bisherigen Heimat, schließlich wird künftig noch mehr trainiert. Aber auch diese Fragen wurden am Rande des dreitägigen Probetrainings geklärt. „Manchmal wird um 7.45 Uhr trainiert, danach geht es in die Schule, im Anschluss ist Freizeit und abends geht es dann nochmal zum Training.“ So werden einige Tage aussehen, wenn auch nicht alle.

Auch hierzulande ist das Talent des Hohenlimburgers, der vor seinem Wechsel nach Hemer im Jahr 2015 für die örtliche HSG das Tor hütete, den Talentsichtern nicht verborgen geblieben. In die Kreisauswahl wurde er bereits mehrfach berufen, ein erster Sichtungslehrgang zur Westfalenauswahl verlief für ihn erfolgreich. Doch als Berliner darf er für sie nicht mehr auflaufen.

Bei den Füchsen arbeitete er mit Peter Stochl zusammen. Der frühere tschechische Nationaltorwart, der selbst von 2006 an bis zu seinem Karriereende im vergangenen Jahr für die Hauptstädter zwischen den Pfosten stand, kümmert sich hauptsächlich um die Torhüter der zweiten Mannschaft. Zurzeit arbeitet Frederik Höler beim HTV noch mit Thorsten Gerhold zusammen, der seinem Schützling den Sprung nach oben ohne Einschränkung zutraut. „Fredi ist bärenstark, er hat eine schnelle Auffassungsgabe und setzt Dinge unglaublich zügig um. Ohne ihn wären wir in der abgelaufenen Oberliga-Saison nicht Dritter geworden.“ Das war in der C-Jugend, aus dieser Altersklasse ist Höler nun herausgewachsen. Mit dem HTV qualifizierte er sich zuletzt noch als B-Jugend-Jungjahrgang für die Verbandsliga, womit sie beim HTV hochzufrieden sind. Ihr großes Torwart-Talent wird demnächst aus der Ferne die Daumen drücken.

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