Fußball

Fußballer haben noch keine Lösung parat

Vollen Körpereinsatz legen hier Spieler des FC Iserlohn und der Hammer SpVgg an den Tag. Kontakte wie diese sind derzeit höchst bedenklich. Als man sich in der Winterpause zu einem Testspiel traf, dachte niemand an die Übertragung irgendwelcher Krankheiten nach.

Vollen Körpereinsatz legen hier Spieler des FC Iserlohn und der Hammer SpVgg an den Tag. Kontakte wie diese sind derzeit höchst bedenklich. Als man sich in der Winterpause zu einem Testspiel traf, dachte niemand an die Übertragung irgendwelcher Krankheiten nach.

Foto: maximilian karacic

Iserlohn.  In der Corona-Pause drehen sich die Gedanken über eine Annullierung der Saison oder dauerhafte „englische Wochen“.

Die heimischen Fußballer haben jetzt zwei spielfreie Wochenenden als Folge der Corona-Pandemie hinter sich, und vorerst ist der Spielbetrieb bis zum 19. April ausgesetzt. Aber niemand kann abschätzen, ob und wenn ja in welcher Form danach wieder Fußball gespielt wird. Vieles ist denkbar. Abbruch und Annullierung der laufenden Spielzeit, das Aussetzen von Abstieg und Aufstieg – oder fallen die Entscheidungen durch Turniere? Die Vertreter verschiedener Vereine stellen sich auf verschiedene Szenarien ein, aber im Vordergrund steht – das zeigen die Reaktionen – die Gesundheit.

Große Skepsis lässt Ernst Greve, der Geschäftsführer des FC Iserlohn anklingen, wenn man ihn auf eine reguläre Beendigung der Saison anspricht. „Wenn es irgendwann im Mai wieder losgehen sollte, weiß ich nicht, wie man das bis Ende Juni alles schaffen soll. Hier geht es um Amateure, die nicht alle drei Tage spielen können.“ Er hält es am ehesten für praktikabel, die laufende Spielzeit zu beenden, alles auf Null zu setzen und diese Meisterschaftsserie als nicht gespielt anzusehen. „Man würde dann in der kommenden Saison in genau diesen Feldern wieder beginnen.“

Greve räumt ein, dass jene Mannschaften, die jetzt ganz oben stehen und auf den Aufstieg hoffen dürfen, zu den Verlierern zählen würden, Kellerkinder und potenzielle Abstiegskandidaten zu den Gewinnern. „Aber was ist in dieser Situation schon die absolut gerechte Lösung?“

Auf der Emst werden bald Gespräche mit Spielern geführt

Borussia Dröschedes Vorsitzender Uwe Ginsberg vermeidet es, die Entscheidungsträger unter Druck zu setzen, zumal für ihn die Gesundheit an erster Stelle steht. „Wenn es irgendwann im Mai weitergeht, sollte man die Saison auch zu Ende spielen.“ Das wäre vor allem für die eigene erste Mannschaft wichtig, die derzeit hinter Hagen 11 auf Platz zwei der Landesliga steht, allerdings mit einem Spiel weniger. „Wir werden an der Entscheidung, wie immer sie aussehen wird, nichts ändern können. Man muss jetzt einfach abwarten. Wenn jetzt sogar die Olympischen Spiele verschoben werden, dann kann man sich vorstellen, dass die Pause noch etwas länger dauert.“ So lange generiert der Verein auch keine Einnahmen. „Das trifft uns hart. Auch wir werden mit unseren Spielern sprechen müssen.“

Die Situation der vier Iserlohner Bezirksligisten ist im weitesten Sinne zweigeteilt. Der SSV Kalthof wird ganz sicher auch in der kommenden Saison dieser Liga angehören, unabhängig davon, auf welche Weise die laufende Spielzeit zu Ende geht. Beim SC Hennen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch er 2020/21 dabei ist. Aber mit dem ASSV Letmathe und Sinopspor Iserlohn stehen zwei heimische Teams auf Abstiegsplätzen. Wahrscheinlich würde nur eine Aussetzung des Abstiegs beide Mannschaften noch retten. „Aber darüber haben wir uns noch keine Gedanken. Mit der höchsten Priorität sind momentan ganz anderen Dinge belegt“, sagt Eckhard Hoffmann, Sportlicher Leiter des ASSV. Vom Durchspielen verschiedener Szenarien hält er nichts. „Irgendeine Entscheidung wird schon kommen, wie auch immer sie aussehen mag. Noch nicht einmal die Profis wissen wie es weitergeht. Und die beschäftigen sich jeden Tag mit dieser Frage.“ Egal ob direkt nach dem 19. April oder später: Wenn der Spielbetrieb fortgesetzt werden sollte, müssen noch zehn Spiele ausgetragen werden. „Aber wie soll das gehen?“, fragt Hoffmann. Er denkt an die vielen Vereine, die sich einen Sportplatz mit anderen Klubs teilen, und stellt etwas Grundsätzliches in den Mittelpunkt. „Zunächst müssen wir gucken, dass die gesamte Gesellschaft wieder geerdet wird, und dass uns die aktuelle Situation alle etwas ruhiger werden lässt, ist auch ganz wichtig. Letztendlich kommt es sowieso, wie es kommen soll.“

Reimann bezeichnet Abbruch der Saison als „Super GAU“

Ab der Kreisliga A besitzt der Fußball- und Leichtathletikkreis Iserlohn weitgehend die Hoheit über den Spielbetrieb. Die Vereine sind gespannt, welche Lösung ihnen der Vorsitzende Horst Reimann präsentiert. Die hat er aber – verständlicherweise – noch nicht parat. „Wenn bis Ende April wieder gespielt werden kann, müssten wir es hinbekommen, die Saison bis Ende Juni zu beenden. Und dann sehe ich auch keine Bedenken, was den Auf- und Abstieg angeht. Ich denke, dass wir in 14 Tagen schlauer sind.“

Das betrifft auch die besondere Situation in den beiden Staffeln der Kreisliga B, die eingleisig werden soll. Einen Saisonabbruch bezeichnet er als „Super GAU“, den es zu verhindern gelte. „Mit dieser Entscheidung machst du dir nur Feinde.“ Eng wird der Terminkalender jetzt schon, weil ja auch noch der Kreispokalwettbewerb läuft. Reimann hält es aber nicht für die sinnvollste Lösung, den erstbesten Termin nach Ablauf der Unterbrechung für die Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebes zu nutzen. Lieber würde er den Mannschaften eine Übergangsphase gestatten, in der sie trainieren und testen können.

Auch die Betroffenen üben sich in Geduld. „Ich habe ehrlich gesagt keine Lösung parat“, gibt Frank Schulte, Vorstandsmitglied des SV Deilinghofen/Sundwig, unumwunden zu. Seine erste Mannschaft führt derzeit mit vier Punkten Vorsprung die Tabelle der Kreisliga A an und hat sich ganz klar den Aufstieg zum Ziel gesetzt. Eine Annullierung der Saison würde er als empfindlichen Rückschlag ansehen. „Ich glaube nicht, dass wir dann unseren Kader halten können, denn viele Spieler wollen nicht noch ein Jahr Kreisliga spielen.“ Dass man in dieser Situation ohnehin nicht für die kommende Serie planen kann, liegt für ihn auf der Hand. Schulte hat aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass weitergespielt wird. „Warum sollen wir nicht alle drei Tage spielen? Als Ersatz für die Trainingseinheiten ist das doch denkbar.“

Vergleichsweise entspannt geht der VfK Iserlohn mit der Situation um. Unter Berücksichtigung der noch gar nicht so sehr lange zurückliegenden Zeit als Bezirksligist, gehört er zu den namhaftesten Klubs der Kreisliga B. Der Aufstieg ist in dieser Saison kein Thema mehr, und als Fünfter beträgt der Vorsprung auf Platz acht, der den Abstieg in die Kreisliga C bedeuten würde, fünf Punkte. „Von mir aus kann die Saison auf Null gesetzt werden, und zur neuen Runde treten wir alle wieder in der jetzigen Besetzung an. Warum nicht?“, fragt Jörg Hafner, Vorsitzender der Fußballabteilung. „Meine Wunschlösung ist, dass alle gesund bleiben.“

Natürlich verfolgt er trotzdem die Entwicklungen, Tendenzen und Optionen rund um den weiteren Verlauf dieser Saison, aber mit einer gewissen Gelassenheit. Schließlich verliert der Verein durch die Unterbrechung kein überlebenswichtiges Geld. „Wir zahlen unseren Spielern nichts, und mehr als 20 bis 40 Zuschauer kommen auch nicht zu unseren Heimspielen.“ Die könnten ein Problem werden, falls die Saison bis Ende Juni dauern sollte, denn: „Am 15. Juni rücken bei uns die Bagger an, weil wir einen neuen Kunstrasen bekommen.“ Davon wäre wiederum auch Sinopspor Iserlohn betroffen. Beide Klubs sind auf der Anlage am Seilersee zuhause und müssten ausweichen.

Kreispokalwettbewerb gerät noch stärker zur Nebensache

Hafner ist neben seinem Engagement für den VfK Iserlohn auch noch Pokalspielleiter des Fußballkreises. Welche Auswirkungen die Zwangspause auf den bei Spielern und Trainern nicht besonders beliebten Wettbewerb hat, vermag er noch nicht zu beurteilen. „Im Moment liegt alles auf Eis. Ich muss dazu aber auch sagen, dass der Pokal nicht überlebenswichtig ist.“ Die vier Viertelfinalpartien fallen ganz sicher erst einmal aus, denn sie sollten in der kommenden Woche, am 1. und 2. April, ausgetragen werden. Im Rennen sind noch unter anderem die SG Hemer, sowie der SV Deilinghofen/Sundwig und Borussia Dröschede, die in der Runde der letzten Acht aufeinandertreffen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben