Fußball

Fußballerischer Ehrgeiz ist ungebrochen

Johannes Zottl (re.) kann wieder lachen. Mit BVB-Profi Julian Weigl verbindet ihn eine enge Freundschaft, links BVB-Keeper Roman Bürki.

Johannes Zottl (re.) kann wieder lachen. Mit BVB-Profi Julian Weigl verbindet ihn eine enge Freundschaft, links BVB-Keeper Roman Bürki.

Foto: Privat

Iserlohn.  Johannes Zottl ist nach seinem schweren Unfall fast wieder ganz der Alte, nur eine Operation steht noch bevor.

Zweieinhalb Monate liegt das Spiel in der Fußball-Westfalenliga zwischen dem FC Iserlohn und dem Lüner SV mittlerweile zurück. Der Partie wurde im Vorfeld besonders entgegen gefiebert, weil die Wechsel von Trainer Mario Plechaty, Kapitän Lars Rustige, Torwart Marvin Raab sowie Davut Denizci und Hikmet Konar von Lüner Seite zum FCI bereits feststanden. Umgekehrt war klar, dass Trainer Christian Hampel, Torwart Daniel Dreesen, Sascha Ernst, Dominik Deppe, Philip Herder und Johannes Zottl den Weg von Iserlohn nach Lünen einschlagen würden.

Das 3:0 des FCI interessierte niemanden mehr, nach dem Spiel gab es nur eine Frage: Wie geht es Zottl? Der 25-Jährige führte in der 67. Minute an der Grundlinie einen unglücklichen Zweikampf, in dessen Folge er mit dem Kopf in die mittlerweile entfernte Betonwand rauschte und sich dabei unter anderem einen Schädelbasisbruch, einen Bruch der Augenhöhle und einen Kieferbruch zuzog. Es kam zu Einblutungen im Gehirn. Auszuhalten waren diese Verletzungen zunächst nur mit Schmerzmitteln, sagte der Ex-Rosenheimer eine Woche später beim Gespräch im Krankenhaus. Dort besuchten ihn nach dem schlimmen Unfall viele Mitstreiter. Natürlich auch BVB-Profi Julian Weigl, mit dem ihn eine enge Freundschaft verbindet und mit dessen Familie er auch auf Mallorca Urlaub machte.

Die Erholung tat Johannes Zottl gut, und heute kann er richtig gute Neuigkeiten verkünden. „Mittlerweile fühle ich mich wieder ganz gut“ erzählt der Angreifer. „Sechs Wochen nach dem Unfall habe ich wieder damit begonnen, Sport zu treiben.“ Einer Operation wird er sich trotzdem noch unterziehen. Das Nasenbein wurde damals ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, durch das linke Nasenloch bekommt er kaum Luft. Ganz abgeschlossen ist der Heilungsprozess also noch nicht.

In Lünen schon wieder vollim Vorbereitungstraining

Durch die damaligen Einblutungen im Gehirn, zu denen es noch in der Nacht nach dem Unglück kam, besteht zudem ein Restrisiko, dass Folgeschäden auftreten können. Kopf und Gehirn werden daher weiter regelmäßig untersucht.

Offen spricht Johannes Zottl über die Auswirkungen dieses schicksalhaften Augenblicks, die auf Röntgenbildern nicht zu sehen sind. „Die Sache mental zu verarbeiten, war schwieriger als die Schmerzen auszuhalten. Ich habe viel darüber nachgedacht, was hätte passieren können. Es stand tatsächlich eine Querschnittslähmung im Raum. Davon habe ich zum Glück erst später erfahren. So etwas verändert die Sichtweise aufs Leben.“

Zurückgekehrt sind die Erinnerungen an den Unfall auf dem Platz oder an die Tage auf der Intensivstation nicht. Ungebrochen ist dafür sein fußballerischer Ehrgeiz. Am Vorbereitungsprogramm auf die in vier Wochen beginnende Westfalenliga-Saison nimmt er ohne Einschränkungen teil, und ganz persönliche Ziele hat er sich auch gesteckt – vor allem mit Blick auf den 1. September.

Dann sehen sich der FC Iserlohn und der Lüner SV am Hemberg wieder. „Sollte ich auf dem Platz stehen, werde ich alles dafür geben, um zu treffen.“ Und mit Lukas Lenz, zuletzt Spielführer des FCI und beim Verein geblieben, hat er eine Wette abgeschlossen: „Derjenige, der mehr Tore schießt, wird vom anderen zum Essen eingeladen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben