Basketball

Großer Coup liegt Vierteljahrhundert zurück

Bei Ronald Feisel steht 25 Jahre nach dem Aufstieg der Kangaroos der Sport nicht mehr im Fokus.

Bei Ronald Feisel steht 25 Jahre nach dem Aufstieg der Kangaroos der Sport nicht mehr im Fokus.

Foto: Björn Braun

Iserlohn.   Kai Beutler und Ronald Feisel waren 1992 die Architekten des ersten Zweitliga-Aufstieges der Kangaroos.

Kai Beutler und Ronald Feisel wirken sehr entspannt in diesem Gespräch, in dem es mit den Architekten des ersten großen Erfolges einer Iserlohner Basketballmannschaft um einen Rückblick auf den Zweitliga-Aufstieg der Kangaroos gehen soll, der am 28. März 1992 nach einem 105:89-Erfolg gegen den BSV Wulfen perfekt war.

Zwei Spielzeiten hatte Feisel die Mannschaft damals in der Regionalliga bereits trainiert, als dieser Coup gelang. Einige Jahre länger zog Beutler als Vorsitzender und Teammanager die Fäden. Für ihn steht auch heute noch fest: „Das war damals schon etwas Besonderes, dass ein Verein so schnell nach oben gekommen ist. Letztlich war es der erste Schritt zur Professionalisierung. Dennoch ist es mit der heutigen Situation nicht vergleichbar, die Kangaroos sind jetzt auf einem ganz anderen Stand.“

Sport und Beruf für den Trainer nicht mehr vereinbar

„Rückblickend würde ich sagen, dass der Aufstieg super war, die größere sportliche Leistung stellt aber der anschließende Klassenerhalt in der zweiten Liga dar, den wir souverän geschafft haben. Unter dem Strich ist es aber bemerkenswert, was wir mit Bodenständigkeit erreicht haben“, resümiert Ronald Feisel. Seine Mission war damit im Frühjahr 1993 auch erfüllt. Danach vollzog sich der bereits frühzeitig angekündigte Trainerwechsel zu Jürgen Boffen, der eine Spielzeit später mit den Kangaroos zurück in die Regionalliga musste. Zu diesem Zeitpunkt stieg auch Kai Beutler als Vorsitzender aus, er ist aber bis heute dem Verein eng verbunden geblieben.

Das ist bei Ronald Feisel anders. Als Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk war für ihn Beruf und Sport nicht mehr unter einen Hut zu bekommen. Beim WDR ist Feisel heute noch. Der 58-Jährige leitet dort die Redaktion „Zeitzeichen“, hat also beruflich ein Faible für geschichtliche Rückblicke. Sport treibt er privat nur noch beim Nordic Walking, doch dem Trainerjob ist er gewissermaßen treu geblieben und zwar als Kommunikationscoach für Sportgrößen wie Mario Götze, Kati Wilhelm oder Handball-Weltmeister Christian Schwarzer. Regelmäßig ist er in dieser Funktion auch für den Deutschen Handball- und Basketball-Bund im Einsatz, vermittelt dort Sportlern, wie sie mit den Medien umgehen können.

Auf einer ganz anderen Schiene ist der ein Jahr jüngere Kai Beutler unterwegs. Der Unternehmer ist neben der Tätigkeit in seiner Firma auf dem wirtschaftspolitischen Feld aktiv und Sektionsleiter beim Wirtschaftsrat Deutschland. Hier hält er Kontakte in die Bundeshauptstadt Berlin. Und genau in dieser Stadt verbringt Beutler wie Feisel eine Menge Zeit. Beide haben dort einen Wohnsitz und lassen sich gerne von der pulsierenden Metropole inspirieren.

Ronald Feisel, der in Berlin auch viele Autoren betreut, die für das Zeitzeichen schreiben und dort leben, nutzt seine häufigen Aufenthalte dort, um seiner Theater-Leidenschaft zu frönen. Als Mitglied im Förderkreis Deutsches Theater könnte er sich auch sehr gut noch stärkere kulturelle Aktivitäten vorstellen.

Dass sich Beutler und Feisel in Berlin zufällig getroffen haben, zeigt, dass Kontakte nach der erfolgreichen sportlichen Periode eher selten waren. Doch die Chemie zwischen den beiden stimmt auch noch heute und die Erinnerung an Vergangenes scheint frisch. „Du hast mich damals gefragt, als ich während meiner Studienzeit bei Marathon Münster Basketball gespielt habe, ob ich nicht zum TuS kommen wollte. In der zweiten Mannschaft hätte ich immer einen Platz sicher“, sagt Kai Beutler. Da war es später fast logisch, dass der Vorsitzende Ronald Feisel vom SV Derne zu den Kangaroos zurückholte, als dort nach dem Ausscheiden von Klaus Preller ein Trainer für den frisch gebackenen Regionalligisten gesucht wurde.

Weitsicht der Vorsitzenden zahlte sich am Ende aus

„Er war unsere erste Option“, macht Beutler deutlich, und Feisel ergänzt: „Für mich war das eine gute Sache, weil es ja in der Nähe meines Arbeitsplatzes war.“ Und dass es letztlich nach zwei Jahren mit dem Zweitliga-Aufstieg klappte, dafür hatte der Trainer auch noch ein Sonderlob für die Weitsicht des Vorsitzenden parat. Denn der hatte mit Frank „Zappa“ Schachtsiek einen Akteur gemeldet, der eigentlich nicht mehr spielen wollte, aber in den letzten beiden Spielen aushalf, als sich der eigentlich unverzichtbare Stammcenter Elmar Grof einen Bänderriss zugezogen hatte. Dass „Zappa“ schließlich die entscheidende Rolle in den letzten beiden Partien zukam, die unbedingt gewonnen werden mussten, bedarf kaum noch einer Erwähnung.

Trotz seiner starken Orientierung zur Kultur ist Ronald Feisel aber immer noch am Sportgeschehen in Iserlohninteressiert. „Ich schaue regelmäßig, wie die Roosters und die Kangaroos gespielt haben. Und hatte bis kurz vor dessen Tod noch Kontakt zu Heinz Weifenbach. Eng befreundet ist er auch mit Wasserballer Darko Pavljak, dessen bei den Kangaroos spielender Sohn David er großes Basketball-Talent attestiert. Dennoch bleibt es auch künftig bei seltenen Besuchen der Kangaroos-Heimspiele. Da dürfte wohl nach „Wie Dracula den Kopf und Sissi die Lust verlor“ eher noch die Veröffentlichung eines zweiten Buches folgen.

Stammgast in der Hemberghalle bleibt dagegen Kai Beutler, der sich als sportaffin beschreibt. Er engagiert sich auch beim TC Iserlohn, wo sein Sohn Tim erfolgreich Tennis in der zweiten Liga spielt. „Sport ist das Verbindende“, sagt er. Wenn man ihn im Gespräch mit Ronald Feisel erlebt hat, ist diese Aussage nur zu unterstreichen.

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