Skaterhockey

Heute Samurai, morgen Eisadler

Waldemar Banaszak und seine Jungs: Mit Constantin Wichern, Nils Hoffmann, Tim Linke, Maximilian Jung und Nico Bongard arbeitet der Trainer in zwei Sportarten zusammen 

Waldemar Banaszak und seine Jungs: Mit Constantin Wichern, Nils Hoffmann, Tim Linke, Maximilian Jung und Nico Bongard arbeitet der Trainer in zwei Sportarten zusammen 

Foto: Oliver Bergmann

Iserlohn.  Für zahlreiche Skaterhockey-Spieler beginnt in diesen Tagen die Eishockey-Saison.

Sportler, die in mehreren Disziplinen aktiv sind, hat es immer schon gegeben. Stefan Reuter war so jemand. Der heutige Manager des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg, der als Aktiver 1990 Weltmeister wurde, sowie davor und danach zahlreiche Deutsche Meisterschaften und weitere Titel gewann, feierte in ganz jungen Jahren auch als Leichtathlet einige Erfolge. Oder Trainerlegende Peter Neururer: Er war ein talentierter Tennisspieler.

Beide kamen irgendwann an den Punkt, an dem sie sich entscheiden mussten, auf welche Karte sie setzen wollen – entweder, oder. Doch es gibt auch Sportarten, die prima zusammenpassen. Skaterhockey und Eishockey zum Beispiel. Namen wie Constantin Wichern, Maximilian Jung, Nico Bongard, Tim Linke, Nils Hoffmann oder David Tsakalidis sorgen für Jubel, wenn ihnen in der Heidehalle ein Tor für Bundesligist Samurai Iserlohn gelingt. Gefeiert werden sie aber auch vom Publikum im Eissportzentrum Westfalen, der sportlichen Heimat des Eishockey-Landesligisten Eisadler Dortmund. Dort wurde am Sonntag die Saison eröffnet.

Nach der Pause müssen dieSpieler ihren Rhythmus finden

„Und ich kam gar nicht klar“, gestand Maximilian Jung, der monatelang nicht mehr auf dem Eis stand. „Auf Inlinern ist es deutlich einfacher, das Gleichgewicht zu halten“, schildert der 19-Jährige. Als gravierende Unterschiede zwischen den beiden Sportarten nennt er die Größe der Spielfläche, wobei das Skaterhockey-Feld wesentlich kleiner ist, auf der zudem mit einem Kunststoffball statt mit einem Puck gespielt wird. „Ich brauche die Bewegung“, begründet er, weshalb er sich die Doppelbelastung zumutet. Trotz seines Alters ist Jung schon lange dabei, er spielt seit 14 Jahren mit einigen Unterbrechungen Skaterhockey, und er steht auf dem Eis, seit er sechs Jahre alt ist. Auch Nico Bongard (19) fährt seit seiner Kindheit zweigleisig.

„Aber in erster Linie bin ich Inlinehockeyspieler, Eishockey spiele ich nebenbei“, sagt er. „So hat man wenigstens das ganze Jahr über etwas zu tun.“ Er stellt in diesen Tagen ebenfalls fest, dass die ersten Runden auf dem Eis gewöhnungsbedürftig sind. „Aber beides macht verdammt viel Spaß, allein schon wegen der Freunde.“ Sie sind auch ein wichtiger Faktor für Constantin Wichern. Der aktuelle Top-Torschütze der Samurai (21 Tore) sieht sich von Haus aus als Eishockeyspieler, zu den Samurai kam er als Schüler. Obwohl er ganze zehn Jahre älter ist als Jung und Bongard, braucht auch er seine Umgewöhnungszeit. „Manche Regeln sind anders, natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Inlinern und Schlittschuhen, und beim Skaterhockey wird Vier gegen Vier gespielt, beim Eishockey heißt es Fünf gegen Fünf.“

Seinem Mitspieler Tim Linke fällt es schwer, beide Sportarten voneinander zu trennen. Er ist jetzt 35, spielt seit 1987 Eishockey und seit 1999 Skaterhockey. Die verschiedenen Laufstile oder Schusstechniken habe er nach ein, zwei Wochen wieder drauf, die Umgewöhnung gehört dazu. „Das mache ich aus Liebe zum Sport. Hockey ist mein Leben“, sagt er. So gesehen stehen für ihn jetzt wieder die schönsten Wochen des Jahres an, denn es wird parallel gespielt.

Auch Waldemar Banaszakpendelt zwischen den Welten

Am Freitag testen die Eisadler erstmals, während die Samurai im Idealfall noch bis Dezember in Einsatz sind – dann steigen die Play-off-Finalspiele. In die Quere kommen sich beide Sportarten eher nicht. Während freitags und sonntags Eishockey gespielt wird, rollt samstags der Ball auf dem Skaterhockeyfeld.

Terminkollisionen gibt es theoretisch nur an den Trainingstagen, aber diesbezüglich profitieren Samurai und Eisadler von einer besonderen Konstellation: Waldemar Banaszak trainiert sie beide – die Eishockey-Cracks schon seit einigen Jahren, erstmals hören in dieser Saison auch die Samurai-Spieler auf sein Kommando. „Ausprobieren wollte ich das immer schon einmal, es wurde mir auch immer wieder angeboten. Letztendlich bin ich von den Jungs überredet worden, mir das Geschehen in der Heidehalle mal anzugucken. Und was soll ich sagen? Das war geil.“ In diesen Wochen merkt Banaszak aber auch, wie stressig es ist, beide Sportarten unter einen Hut zu bekommen.

Das gilt auch für seine doppelt belasteten Skaterhockey-Spieler, die am Mittwoch einen trainingsfreien Tag erhielten. „Wir spielen ja am Wochenende nicht, deswegen geht das“, sagt der Trainer. Mit der Umstellung und dem erhöhten Pensum ist er zufriedener als die Spieler selbst. „Die machen das super“, betont er. Schließlich sei die Umstellung von Skater- auf Eishockey schwieriger als umgekehrt.

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