Tennis

„In 40 Jahren Tennis noch nicht erlebt“

Jim Anwar (hier mit Marc-Julien Gelhaus) sorgt sich um den Zweitliga-Verbleib des TCI.

Jim Anwar (hier mit Marc-Julien Gelhaus) sorgt sich um den Zweitliga-Verbleib des TCI.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Jim Anwar, Cheftrainer des TC Iserlohn, im aktuellen Interview: „Es wäre billiger, den Abstieg zu vermeiden.“

Nach der unglücklichen 3:6-Niederlage gegen BW Berlin läuten beim Tennis-Zweitligisten TC Iserlohn die Alarmglocken. Nach vier Jahren in dieser Klasse droht erstmals der Abstieg in die Regionalliga. Wir sprachen mit Chefcoach Jim Anwar.

War das schon eine vorentscheidende Niederlage im Abstiegskampf?

Ja, es wird sehr eng. Aber wir haben noch gute Chancen. Ich glaube fest an einen Sieg gegen Bremen am Freitag. Allerdings liegt es bei drei Siegen, die wir dann hätten auch an den Resultaten untereinander. Da benötigen wir schon ein wenig Schützenhilfe. Fakt ist, dass die Mannschaft das Potenzial hat, jeden zu schlagen.

Wie viele Absteiger wird es in dieser Saison geben?

Seit Sonntagabend steht fest, dass es zwei Absteiger sein werden. Der Letzte der Bundesliga ist Aachen und kommt in die Nordstaffel. Köln hat im letzten Moment den Abstieg noch abgewendet, sonst hätten drei Clubs unsere Liga verlassen müssen. Was für uns die Sache nicht leichter macht, ist unser schlechtes Satzverhältnis.

Wie groß ist nach Ihrer Ansicht die Wahrscheinlichkeit, dass der TCI am Ende nicht zu den Absteigern in die Regionalliga gehören wird?

Aus meiner Sicht beträgt die 80 Prozent, dass wir drin bleiben. Es wird sich am Freitag gegen Bremen entscheiden. Wir können gegen diese Mannschaft gewinnen, auch wenn sie mit sechs Ausländern spielt. Unsere deutschen Spieler wie Lukas Ollert oder Jim und Jordi Walder haben bewiesen, dass sie ausländische Spieler, die in der Weltrangliste zu finden sind, schlagen können. Ich habe Vertrauen in ihre Fähigkeiten.

Wie beurteilen Sie die Situation am Sonntag, die zur Disqualifikation von Jordi Walder führte, mit einem Tag Abstand?

Nach meiner Meinung hätte schon früher etwas passieren müssen. Nach dem umstrittenen Ball zum 3:4 im Tiebreak hat der Berliner Velotti den Schiedsrichter beleidigt und ist deshalb von ihm verwarnt worden. Anschließend hat er an seinem Stuhl gerüttelt, dafür hätte er disqualifiziert werden müssen. Außerdem hätten die Berliner nach spätestens 20 Sekunden wieder aufschlagen müssen, haben aber stattdessen zehn Minuten diskutiert. Auch dies hätte eine Disqualifikation der Berliner gerechtfertigt. Darüber hinaus durfte es nach einer eindeutigen Entscheidung des Schiedsrichters für uns keine zwei neuen Bälle geben. All diese Dinge hat der Oberschiedsrichter gesehen. Es hätte also niemals weitergehen dürfen. Und dann hätte es letztlich auch keine Disqualifikation gegen Jordi Walder gegeben, die für sich alleine betrachtet den Regeln entsprechend war.

Haben Sie etwas Ähnliches in Ihrer langen Karriere schon einmal erlebt?

Nein, so etwas habe ich in 40 Jahren Tennis noch nicht erlebt. So etwas kannte ich bislang nur vom Hörensagen. In den 80er Jahren hat es wohl mal einen Tschechen gegeben, der den Schiedsrichter vom Stuhl gekippt hat. Dafür gab es obendrein drei Monate Sperre, weil sich der Schiri dabei den Arm gebrochen hat.

Gibt es die Möglichkeit, gegen diese Benachteiligung Protest einzulegen?

Das ist wohl innerhalb von 24 Stunden möglich. Wir müssen das intern klären, aber ich sehe keine Chance für uns. Der Oberschiedsrichter hat alles gesehen und hat eine regelgerechte Disqualifikation ausgesprochen. Was sonst war, blendet er offenbar aus. So würde der Verband am grünen Tisch auch keine andere Entscheidung fällen.

Sie hatten vor einigen Tagen erwähnt, der Ihr Budget für die Saison bereits aufgebraucht ist. Welche personellen Optionen bleiben dann noch für die beiden letzten Spiele?

Ich laufe mich schon warm – nein im Ernst, das ist eine gute Frage. Wir müssen sehen, was möglich ist. Ich werde in den nächsten Tagen mit einigen Leuten sprechen, und diese bitten, uns zu helfen, damit wir zwei oder vielleicht auch drei Ausländer einsetzen können. Wenn wir nur einen Topspieler haben, wird das nicht reichen.

Wie würde es beim TCI weitergehen, wenn es nicht reicht, die Klasse zu halten?

Es ist sicher schwieriger, wieder hoch zu kommen. Es hängt natürlich auch am Geld. Es wäre billiger, den Abstieg zu vermeiden. Wenn es dann doch passiert, gehe ich davon aus, dass die Mannschaft zusammenbleibt. Wir haben auch schon wieder Anfragen von Talenten für die kommende Saison.

Was wünschen Sie sich für die nächsten beiden Spiele?

Dass wir eine starke Mannschaft aufbieten können und dass es trocken bleibt. Unsere Halle wäre zwar wieder nutzbar, aber auf dem dortigen Granulatboden ist es besonders für unsere Sandplatz-Spezialisten eine Lotterie.

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