Eishockey

Liebesbekundungen an den IEC

Generationentreffen in der Talkrunde: Mirko Heintz (am Mikrofon) moderierte die Veranstaltung.

Generationentreffen in der Talkrunde: Mirko Heintz (am Mikrofon) moderierte die Veranstaltung.

Foto: Max Winkler

Iserlohn.   Im Parktheater wurde das 25-jährige Bestehen des Eishockeyclubs gefeiert. 200 Gäste folgten der Einladung des Vereins.

Detlef Seidel, der stellvertretende Landrat, sprach von einem „Aushängeschild des Sports im Märkischen Kreis“, der Hemeraner Bürgermeister Michael Heilmann von der „Geschichte einer Euphorie“ und Michael Scheffler, der stellvertretende Bürgermeisters Iserlohns, sagte vor den rund 200 geladenen Gästen im Parktheater: „Dieser Verein wird niemals Normalität sein. Dafür hat er zu viel erlebt.“

Egal wer am Rednerpult stand oder sich im Sessel sitzend an den kurzen Gesprächsrunden beteiligte – als es am Samstagmorgen anlässlich einer offiziellen Feierstunde galt, dem Iserlohner EC zum 25. Geburtstag zu gratulieren, griff niemand in die Kiste der abgedroschenen Floskeln, sondern wählte Worte, die aus tiefstem Herzen stammten. Der Begriff „Feierstunde“ beschrieb lediglich die Dimension der Veranstaltung, deren offizieller Teil sich in Wahrheit auf 90 Minuten erstreckte. Es war eben nicht die großspurige Gala, wie sie andernorts vielleicht aufgezogen worden wäre. Der Verein setzte auf das, wofür er geliebt wird: Bodenständigkeit, Leidenschaft und etwas Nostalgie, wodurch die Angelegenheit authentisch wurde.

Und so sah das ganze aus: Vereinspressesprecher Mirko Heintz moderierte auf der Bühne die Festredner an, oder entlockte seinen Gesprächspartnern, dem früheren Deilinghofener Pfarrer Dr. Friedhelm Groth und Rainer Tüttelmann, der aktuell vor allem als Kurator des Eishockeymuseums „Puck“ in Erscheinung tritt, amüsante Anekdoten. Das galt auch für die Gespräche mit den Mitgliedern der Eishockeyfamilien Brüggemann, Kopitz-Böhm sowie den Edelfans Uwe Behrendt und Peter Herentrey, deren Statements jetzt noch nachhallen. Behrendt zum Beispiel, der seit 1984 dabei ist, sprach Freundschaften an, die ihren Ursprung in der Eissporthalle haben. Und einen Traum: „Einmal Meister werden – diesen Ausnahmezustand würde ich gerne mal erleben.“ Damit sprach er garantiert vielen Anwesenden aus der Seele. Und mit dem folgenden Satz brachte er sie zum Lachen. „Wenn das passiert, hätte ich 14 Tage frei und bräuchte noch nicht einmal in der Firma anzurufen.“

Auch die Fans und die Eissporthalle werden gefeiert

Zwischendurch wurden kurze Filmchen zu den Themen „Die Historie“, „Die Eishockeyfamilien“ und „Die Fans“ gezeigt. Daran gab es auch keinen Zweifel: Dem Publikum ist es zu verdanken, dass die Eissporthalle als „Eishölle“ gilt, in der Gastmannschaften traditionell nur äußerst ungern antreten. Michael Scheffler erinnerte sich daran, dass sie jemand mal mit dem früheren Gelsenkirchener Parkstadion verglich, wo eine Stimmung „wie auf einem Friedhof“ geherrscht haben soll.

Die ganz großen Titel und Trophäen werden zwar weiterhin andernorts gefeiert, aber trotzdem stehen der IEC und die Roosters für das erfolgreichste, stabilste und seriöseste Kapitel des Eishockeysports in der Region, dessen Geschichte bekanntlich auch schon stolze 60 Jahre zurückreicht. Deilinghofen, die Kanadier und die neugierige Dorfjugend der 50er Jahre wurden als Keimzelle und Wiege des Klubs immer wieder in Erinnerung gerufen.

Dass die momentane Situation kein Selbstläufer ist, machte Wolfgang Brück deutlich. Der IEC-Vorsitzende und geschäftsführende Gesellschafter der Roosters sagte wörtlich: „Wollen wir erstklassig bleiben, wird das ein Kraftakt für die Zukunft. Wir können nur dann erfolgreich sein, wenn wir die Einnahmeseite erhöhen.“ Die Deutsche Eishockeyliga ohne Iserlohn? Das können sich die Jüngeren, die um die Jahrtausendwende geboren wurden, gar nicht mehr vorstellen, und Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL, will sich das gar nicht ausmalen. 19 Spielzeiten ununterbrochener Zugehörigkeit zur Liga haben Spuren hinterlassen. „Die Roosters haben einen festen und unverwechselbaren Platz in der Liga, Ihr habt die Blaupause für andere Profiklubs geliefert.“ Einmalig sei der Businessclub des Vereins, dem 700 Mitglieder angehören. Er eröffnete sein Grußwort mit der Feststellung, dass der IEC-Geburtstag ein Anlass sei, mit Stolz zurückschauen zu dürfen und er rechnete es den Verantwortlichen hoch an, „dass ich hier noch nie Gejammer gehört habe“. Immer wieder ernteten die Redner Szenenapplaus, aber als Tripcke anmerkte, wie wichtig eine zweite Eisfläche wäre, brandete der Beifall besonders stark auf.

Gerne hörte das Publikum auch hin, wenn von Lean Bergmanns möglichem Wechsel in die NHL die Rede war. Der Vertrag des Hemeraner Jungen bei den San Jose Sharks ist bekanntlich schon unterschrieben. Ob er in der stärksten Liga der Welt tatsächlich schon zur neuen Saison zum Einsatz kommt, werden die kommenden Wochen zeigen.

Erster heimischer Spieleran der Schwelle zur NHL

Am nächsten Sonntag fliegt er nach Amerika, um zunächst an einem Trainingscamp teilzunehmen. Selbst wenn es nicht auf Anhieb klappen sollte: Höher als der 20-Jährige hat noch nie ein Eishockeyspieler aus der Region auf der Karriereleiter gestanden – darin sind sich die Kenner des Klubs einig. Das Top-Talent wurde gegen Ende der Feierstunde nochmals verabschiedet. Dabei hat er gezeigt, dass ihm der Erfolg des vergangenen Jahres keineswegs zu Kopf gestiegen ist: „Natürlich ist man aufgeregt. Auf die Chance, in der NHL zu spielen, arbeitet man sein Leben lang hin. Aber ich weiß, dass ich gut daran beraten bin, immer an die Sachen zu denken, die mich hierhin gebracht haben.“

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