Sport im Strafvollzug

Lohn für Beharrlichkeit in der Vorreiterrolle

Auch Horst Eckel

Auch Horst Eckel

Foto: arsten Kobow

Iserlohn.  JVA Iserlohn bekommt den Hauptpreis der Sepp-Herberger-Stiftung in der Kategorie Resozialisierung

Es bedarf wohl des Blickes über die lokalen Grenzen hinaus, des Vergleiches mit der Arbeit in anderen Justizvollzugsanstalten, um das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass hinter den Gefängnismauern in Drüpplingsen gerade im Sportbereich Außergewöhnliches geleistet wird. Was vor Ort längst als Standardprogramm verbucht ist, weil es schon lange praktiziert wird, löst andernorts regelmäßiges Erstaunen aus. Dass erfuhren Joachim Güttler der Leiter der JVA, und Olaf Fiedler, der Leiter des Sportbereichs, bei ihrem Besuch in der Schweiz. Genauer gesagt in Spiez am Thunersee, wo die Sepp-Herberger-Stiftung Preise für besonderes soziales Engagement verlieh. In der Kategorie Resozialisierung wurde die JVA Iserlohn unter allen Bewerbern zum Sieger gekürt.

„Ich denke, dass damit vor allem die kontinuierliche Arbeit über Jahrzehnte gewürdigt werden sollte“, meinte Joachim Güttler, der von seinen Vorgängern in der Anstaltsleitung das Interesse an einem breit gefächerten Sportangebot übernommen hat. Olaf Fiedler arbeitet seit 25 Jahren in dieser Abteilung, und unter seiner Regie entstanden Projekte, die bis heute bundesweit einmalig sind. „Was wir bei uns als völlig normal ansehen, ist anderswo gar nicht umzusetzen.“

Gesetzlich vorgeschrieben sind drei Stunden Sport pro Woche für die Inhaftierten, aber damit haben es die Drüpplingser nie bewenden lassen. „Der Sport ist für uns eine Säule des Erziehungsprogramms“, versichert Fiedler. Für ihn als Fußballer war es naheliegend, gerade diese Sportart hinter den Gefängnismauern voranzutreiben. Dass Inhaftierte mit einer Mannschaft am Spielbetrieb der Fußball-Kreisliga C teilnehmen, ist ebenso einmalig wie der regelmäßige Auftritt einer aus Gefangenen und Bediensteten gebildeten Formation bei den Hallenstadtmeisterschaften.

Weshalb klappt in Iserlohn, was in anderen Städten überhaupt nicht funktioniert? „Wir hatten Glück mit den Anstaltsleitern, die den Sport immer gefördert haben“, sagt Fiedler, und sein Chef spielt den Ball zurück. „Wenn man sieht, mit welchem Engagement die Kollegen im Sportbereich ihre Arbeit machen, unterstützt man das gern.“

In Drüpplingsen hat sich neben dem Fußball ein breites Angebot entwickelt. Basketball, Tischtennis, Badminton und Fitnesstraining gehören dazu, ein weiterer Schwerpunkt ist das Laufen. Am 17. Mai richtet die JVA wieder das Finale des Wettbewerbs „Jugend bewegt sich über Grenzen“ aus und will dann ihren deutschen Meistertitel im Staffel-Halbmarathon verteidigen.

Ehrung in der Schweiz in Erinnerung an die WM 1954

Olaf Fiedler und seine vier Mitstreiter im Sportbereich haben keine Probleme, genügend Interessenten für die einzelnen Disziplinen zu finden. „Die Jungs spüren, dass wir unsere Arbeit gern machen. Wir sind nicht da, um sie zu bestrafen, sondern um ihnen zu helfen, nach dem Knast vernünftig klar zu kommen.“ Das gilt mittlerweile auch für viele weibliche Inhaftierte. Bis zu 80 der rund 200 Plätze in der JVA können von Mädchen und jungen Frauen zwischen 14 und 22 Jahren besetzt werden. Auch hier spielt der Strafvollzug in Iserlohn eine Sonderrolle.

Joachim Güttler und Olaf Fiedler wollen auch künftig diesen Weg beschreiten, denn die Preisverleihung in der Schweiz erfüllt sie nicht nur mit Stolz, sondern sie wird auch als kräftiger Motivationsschub verstanden, die Arbeit vor Ort konsequent fortzusetzen.

„Eine solche Auszeichnung in einem solchen Rahmen erlebt man vermutlich nur einmal in seiner Laufbahn“, meinte der Anstaltsleiter. 65 Jahre nach dem WM-Titel der deutschen Nationalelf hatte die Herberger-Stiftung die Ehrung in der Schweiz organisiert, und die Gäste waren im Hotel Belvédère untergebracht, dem damaligen Mannschaftsquartier. Und zur Preisverleihung war viel Prominenz angereist. Uwe Seeler, Otto Rehhagel oder Ottmar Hitzfeld sind Kuratoriumsmitglieder der Stiftung, und nicht zu vergessen Horst Eckel (87), der letzte noch lebende 54er Weltmeister. „Es war ein Geschenk, diese Leute in diesem Rahmen treffen zu dürfen“, sagte Olaf Fiedler.

Neben einer Urkunde brachten die Iserlohner auch einen Scheck über 5000 Euro mit nach Hause - der Preis für den Sieger. Das Geld wird natürlich zweckgebunden im Sportbereich investiert, und Fiedler kann sich eine bessere Ausstattung für den Fitnessraum vorstellen.

JVA-Umbau wird auch den Sportbetrieb einschränken

„Für uns ist das ein Ansporn, in unserem Engagement nicht nachzulassen“, versichern Güttler und Fiedler, die sich beizeiten aber auf eine Einschränkung des Betriebes einstellen müssen. Denn wenn die JVA umgebaut wird, halbiert sich nicht nur vorübergehend die Gefangenenzahl, auch die Außenanlagen werden nicht nutzbar sein. Der Fußball, mit dem in Drüpplingsen alles begann, muss dann pausieren.

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