Basketball

Michael Dahmen: „Wir werden den Bock umstoßen“

Michael Dahmen will an Trainer Milos Stankovic festhalten.

Michael Dahmen will an Trainer Milos Stankovic festhalten.

Foto: Privat

Iserlohn.  Der Kangaroos-Manager versichert im Interview, dass es keine Trainer-Diskussion gebe.

Basketball-ProB-Ligist Iserlohn Kangaroos befindet sich auf Talfahrt. Seit dem Wiederaufstieg 2014 ist das Team erstmals in einer ernsthaften sportlichen Krise. Wir sprachen mit Manager Michael Dahmen über die Situation.

Sie wirkten am Samstag nach dem 57:89 gegen Münster fassungslos. Welchen Blick haben Sie mit einigem Abstand auf das Geschehen?

Ich bin immer noch fassungslos. Einer Iserlohner Mannschaft hätte ich eine solche Vorstellung nicht zugetraut. Dabei mache ich niemandem einen Vorwurf, auch den Spielern nicht. Da sind viele Kleinigkeiten zusammengekommen. Wir kassieren beispielsweise durch zwei individuelle Fehler sechs Punkte in einem Angriff. Wenn das Selbstbewusstsein schon vorher am seidenen Faden hängt, ist das fatal. Man muss aber auch sagen, dass Münster an dem Tag besser war.

Vor der Saison hatten Sie das Ziel mit dem Erreichen der Play-offs bewusst niedrig angesetzt. Haben Sie erahnt, was jetzt eingetreten ist?

Nein, das sicher nicht. Aber ich habe gesehen, wie andere Vereine ihre Mannschaft geformt haben. Deshalb wusste ich, dass es eng wird. Wir haben viele Spiele knapp und dumm verloren. Hätten wir die gewonnen, wären wir jetzt Dritter. Grundsätzlich ist die Statik der Mannschaft nicht so, wie sie sein sollte. Es funktioniert auf dem Spielfeld nicht wie gewünscht. Vielleicht hatte ich als Verantwortlicher auch eine zu hohe Meinung von der Mannschaft. Letztlich geht es doch nur darum, was sie auf dem Feld zeigt.

Nachweislich trainiert die Mannschaft intensiv und viel. Warum kommt so wenig dabei heraus?

Ich bin der Überzeugung, dass weniger manchmal mehr ist. Bis vor dem Münster-Spiel waren wir ja jeweils im letzten Viertel mental nicht auf der Höhe, diesmal war es die ganze Partie. Unsere vermeintlichen Topspieler performen derzeit nicht.

Ist es denn das richtige Konzept, auf Niederlagen stets mit noch mehr Training zu reagieren?

Trainer Milos Stankovic hat die Verantwortung, daran wird er letztlich gemessen.

Aus der Mannschaft hört man, dass man gut miteinander harmoniert. Auch bei der Klatsche gegen Münster gab es keine Zersetzungserscheinungen. Befinden sich einige zu sehr in der Komfortzone?

Es gibt schon eine Grüppchenbildung innerhalb des Teams. Da ist zum Beispiel die Gießener Fraktion. Zu eng ist man nicht miteinander, aber wir müssen zusammen da rauskommen und bis Ende Dezember eine bessere Siegquote haben. Unter dem Strich bin ich mit unseren Topleuten unzufrieden. Einige Akteure, die bei uns Leistungsträger sein sollen, haben woanders vielleicht keine tragenden Rollen gespielt.

Sie haben unlängst gesagt, dass Sie besonders mit den Spielern auf den kleinen Position unzufrieden sind. Wie bekommt man das in den Griff, und wer gibt eigentlich die Impulse im Spielaufbau?

Die Flügelspieler bekommen ihre Würfe, treffen aber nicht. Wir haben ja keine schlechten Werfer. Für den Aufbau sind eigentlich nur Ruben Dahmen und Moritz Schneider vorgesehen, zuletzt hat aber auch Malte Schwarz dort häufiger gespielt.

Würde vielleicht die Nachverpflichtung eines erfahrenen Spielmachers helfen? Oder sehen Sie Handlungsbedarf auf anderen Positionen?

Was soll das bringen? Wir wollen keinen Spieler, der alles alleine macht. Wichtig ist, dass wir unsere Würfe treffen, sonst konzentriert sich die gegnerische Abwehr nur auf die Mittel- und Nahdistanz, und dann gibt es irgendwann kaum noch ein Durchkommen. Wenn wir noch einen Spieler holen würden, gerät auch die Statik der Mannschaft, die ohnehin noch nicht so ist, wie wir uns das wünschen, wieder in Bewegung.

Angesichts der vielen Trainingsstunden stellt sich die Frage, warum so viele Fouls durch einfache Fehler in der Beinarbeit und andere Details passieren und warum die Defensive nicht funktioniert?

Defensiv sehe ich derzeit ein echtes Problem auf den großen Positionen. Bei manchen Sachen bin ich auch sprachlos. Außerdem gibt es bei uns große Unterschiede zwischen Training und Spiel.

Am Samstag steht gegen Bochum ein sehr wichtiges Spiel auf dem Plan. Sitzt Trainer Milos Stankovic eine Woche später in Wedel noch auf der Bank, wenn gegen Bochum verloren wird?

Ich bin davon überzeugt, dass wir den Bock umstoßen werden. Die Konsequenz einer Trainerentlassung wird es nicht geben. Doch der Coach muss sich natürlich auch hinterfragen. Stutzig macht mich, dass wir gegen Münster ein anderes Problem hatten als in den Spielen davor. Das macht die Ursachenforschung sicher nicht leichter.

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