Fußball

Profi-Debüt unter Schalkes Jahrhunderttrainer

Schalkes Nassim Boujellab (li.) im Duell mit Stuttgarts Routinier Christian Gentner.

Schalkes Nassim Boujellab (li.) im Duell mit Stuttgarts Routinier Christian Gentner.

Foto: Rolf Vennenbernd/DPA

Schalke.   Vom FC Iserlohn in die blau-weiße Knappenschmiede: Nassim Boujellab ist auf Schalke angekommen.

Mit einem freundlichen „Hallo“ betritt Nassim Boujellab das Restaurant „Charly’s Schalker“ auf dem Vereinsgelände des FC Schalke 04. Das erste große Interview des 19-jährigen Jungprofis wird unserer Zeitung gewährt und zwar unmittelbar vor dem Saisonabschluss gegen den VfB Stuttgart.

Rückblende: 31. März, 17.04 Uhr, Hannover, HDI-Arena: Der FC Schalke 04 nimmt die zweite Auswechselung vor. Für den einzigen Torschützen Suat Serdar steht ein Debütant an der Seitenlinie, Nassim Boujellab mit der Rückennummer 41 („Die habe ich mir selbst ausgesucht.“) und wartet auf seinen Einsatz. „Natürlich ist man nervös, aber ich war einfach nur überglücklich. Und ich wollte in dieser kurzen Zeit alles raushauen.“ Zeit für Träumereien gab es nicht, Kapitän Benjamin Stambouli („Er ist der Leader auf dem Platz!“) gab die Kommandos für den vierzehnminütigen Part im Mittelfeld.

Im Training Vollgas geben und Ratschläge annehmen

Zuvor hatte Nassim Boujellab als torgefährlicher U23-Akteur auf sich aufmerksam gemacht. In der Länderspielpause flogen die Schalker nach Andalusien und traten am 23. März mit ihm in der Startformation beim FC Sevilla im Kampf um die „Trofeo Antonio Puerta“ an. Trotz der 0:2-Niederlage war der Deutsch-Marokkaner mitten drin und voll dabei.

Sein bisher bestes Bundesligaspiel lieferte Nassim Boujellab beim 1:1 in Leverkusen am 11. Mai. In der 48. Minute ließ er nach einer geschickten Drehung Sven Bender stehen und schickte den Torschützen Guido Burgstaller auf die Reise. „Im Unterbewusstsein habe ich seinen Laufweg wahrgenommen und den Ball dann zu ihm durchgesteckt“, versichert er glaubhaft. Teamkamerad Daniel Caligiuri brach nach dieser Partie eine Lanze für den stets bescheiden und zurückhaltend auftretenden Neuling, der im Training immer Vollgas gibt und versucht, die Ratschläge der älteren Spieler zu beherzigen. „Ich schaue mir oft Videos an, nicht nur von den Schalke-Spielen. Da sieht alles ganz anders aus. Man kann dabei viel lernen.“

Von Norbert Elgert, der als erfolgreichster Nachwuchstrainer Deutschlands gilt, erhielt Nassim Boujellab den Feinschliff. Der 62-Jährige bezeichnete ihn einst als fußballerischen Spätentwickler. „Ja, das stimmt. Ich habe viel von ihm gelernt, mir fehlten Torgefährlichkeit und Coolness, daran arbeite ich weiterhin“, gibt der Youngster zu.

Sein Vater Mohammed, 1992 Mitbegründer des B-Ligisten MSV Iserlohn und danach auch bei der SG Hemer aktiv, förderte das Talent seines Sohnes. Als Nassim drei Jahre alt war, kickte er ständig mit einem geschenkten Ball herum. Nach der Übungsstunde bei den Mini-Kickern des ASSV Letmathe war für den Fünfjährigen noch nicht Schluss. Sein Vater nahm ihn auch zu den FII-Junioren mit. „Und direkt danach bin ich mit ihm zum Training der FI-Junioren gegangen, Nassim hat es einfach viel Spaß gemacht, auch wenn wir bis in den Abend hinein unterwegs waren.“

„Für mich war es klar, dass er mal in der Bundesliga landet“

Bei SF Oestrich und dem Fusionsklub FC Iserlohn nahm ihn Oliver Ruhnert, damaliger Direktor der Schalker Knappenschmiede, unter die Fittiche und ebnete ihm später den Weg zu Königsblau. „Ich habe schon früh gesehen, welches Potenzial in ihm steckt. Er ist zum richtigen Zeitpunkt zum FC Schalke 04 gewechselt. Für mich war es klar, dass er mal in der Bundesliga landet. Er hat sich super entwickelt und lässt sich in keiner Weise von seinem Weg ablenken“, ließ der jetzige Geschäftsführer Sport von Union Berlin verlauten. Kurz nach dem Derby beim BVB (4:2) traf er Nassim Boujellab bei einer zusätzlichen Übungseinheit im Oestricher Willi-Vieler-Stadion.

Den in Hohenlimburg-Elsey geborenen Nassim Boujellab beschreibt Jochen Müller, der ihn von der 5. bis zur 9. Klasse an der Hauptschule in Letmathe in Erdkunde, Deutsch und Geschichte unterrichtete, kurz und knapp. „Er ist immer mit beiden Beinen auf dem Boden geblieben. Nassim war ein absoluter Teamplayer“, berichtet sein Lehrer und heutiger Trainer der LTV-Handballer.

„Ich bin ein absoluter Familienmensch, zu Hause fühle ich mich wohl. So einen Rückzugsraum braucht man einfach“, betont Nassim Boujellab, der sich gerne von seiner Mutter bekochen lässt und oft den Einkauf für den Haushalt (Eltern, drei Brüder und eine Schwester) übernimmt. Da kann er sich, wie in der Zeit seiner Oberliga-Einsätze auch, meist unerkannt in seiner Heimatstadt bewegen.

Ahmed Azirar kennt seinen besten Freund aus gemeinsamen Zeiten beim FC Iserlohn und der U16 und U17 des FC Schalke 04. „Nassim ist absolut vertrauenswürdig, ein bescheidener Typ, mit dem man viel lachen kann“, skizziert ihn der Akteur des Landesligisten Borussia Dröschede. Über das letzte Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart (0:0), wo Nassim Boujellab 90 Minuten durchspielte, sollte man jedoch den Mantel des Schweigens legen. Auf jeden Fall hat er unter Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens sowie Mike Büskens wichtige Erfahrungen gesammelt.

„Das war in jeder Hinsicht eine anstrengende Saison. Ahmed und ich fliegen jetzt erst mal in die Sonne und relaxen“, stellt der Letmather am Ende des Gesprächs klar. Anfang Juli beginnt die Vorbereitung für die Bundesliga-Saison 2019/20 unter Trainer David Wagner.

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