Iserlohn Roosters

Roosters-Gesellschafter Brück: "Kleine Klubs eher gefährdet"

Wolfgang Brück (li. mit IEC-Vize Josef Jost) hoffen, dass den Roosters Abstiegskampf erspart bleibt.

Wolfgang Brück (li. mit IEC-Vize Josef Jost) hoffen, dass den Roosters Abstiegskampf erspart bleibt.

Foto: Max Winkler

Iserlohn.   Von vielen Fans gewünscht: Ab der Saison 2020/2021 erfolgt die Verzahnung zwischen DEL und DEL2. Das sagen die Iserlohn Roosters.

Darauf haben viele Eishockey-Fans gewartet, aber vermutlich nicht alle Klubs der Deutschen Eishockey-Liga: Ab 2020/2021 wird es erstmals nach 2005/2006 wieder eine Verzahnung zwischen DEL und 2. Liga geben. Es werden ein DEL-Absteiger und ein Aufsteiger aus der DEL2 ermittelt.

Entscheidungsspiele gibt es nicht. Das DEL-Schlusslicht steigt nach Abschluss der Hauptrunde ab, der DEL2-Meister steigt auf, sofern er auch die schon bei den bisherigen Verhandlungen genannten wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt. Diesen Beschluss fassten gestern die Gesellschafter beider Ligen.

Brück befürchtet ein Wettrüsten im Abstiegskampf

Wolfgang Brück, Mitglied des DEL-Aufsichtsrates und geschäftsführender Gesellschafter der Roosters, hält sich mit einer Bewertung des Mehrheitsbeschlusses zurück. Er hofft, „dass die Sache nun auch klar abläuft.“ Soll heißen: „Die Zweitligisten müssen jetzt auch ihre Hausaufgaben machen.“ Er weiß, „dass kleine Klubs wie wir eher gefährdet sind. Allerdings würden auch bei einem Abstieg hier nicht die Lichter ausgehen.“ Aber er sagt entschlossen: „Dieser Druck ist eine Herausforderung.“ Brück verweist auf die bislang gute Arbeit: „Wir sind noch nie Letzter geworden.“ Nervenflattern müsse man nicht bekommen: „Wir sind stark genug und trauen uns zu, dem Abstieg zu entgehen.“

Allerdings sieht er die Gefahr des Wettrüstens, dass Klubs große wirtschaftliche Risiken eingehen. Brück denkt daher perspektivisch. Der Niedrig-Etat-Klub will sich längerfristig vorbereiten und schon jetzt ein Team bauen, das in drei Jahren, wenn es spannend wird, die Reife für jene Herausforderung besitzt.

„Für die Fans ist das sicherlich eine tolle Sache und für den Sport auch sehr reizvoll“, kommentiert Karsten Mende den Beschluss. Der Roosters-Manager sagt aber auch: „Ich habe nicht gut geschlafen.“ Seine Begründung: „Für kleinere Vereine birgt das ein hohes wirtschaftliches Risiko.“ Er befürchtet, dass sich Klubs im Abstiegskampf übernehmen könnten, während oder schon vor der Saison: „Vielleicht wird ja mit Blick auf mögliche Verletzungen dann schon eine zehnte Ausländerlizenz vergeben.“ Die Konsequenz: „Dieses Geld fehlt dann in der kommenden Saison.“ Das treffe Vereine mit kleinem Etat besonders. Ob die DEL2-Klubs die Konkurrenzfähigkeit besitzen, lässt Mende offen, ebenso, ob es ausreichend Kandidaten gibt.

Wichtige Impulse für den Eishockeysport

„Wir freuen uns, dass es wieder zu einer Verzahnung zwischen den beiden Ligen kommt und erhoffen uns davon natürlich einen wichtigen Impuls für unseren Sport“, erklärt Jürgen Arnold, der DEL-Aufsichtsratsvorsitzende aus Ingolstadt, in einer Presseerklärung. Auch Dr. Peter Merten (Heppenheim), Aufsichtsratsvorsitzende der DEL2, ist zufrieden: „Wir sind froh, am Ende von nicht einfachen, aber stets konstruktiven Verhandlungen ein gemeinsames Ergebnis präsentieren zu können. Gewinner dieser Vereinbarung ist der Eishockeysport in Deutschland, denn wie in allen anderen Sportarten wird Auf- und Abstieg auch in unserem Sport für zusätzliche Spannung sorgen. Den Klubs der DEL2 bietet sich damit zugleich nicht nur eine wichtige sportliche, sondern auch wirtschaftliche Perspektive.“ DEL2-Geschäftsführer René Rudorisch glaubt, dass alle Beteiligten nun ausreichend Zeit hätten, sich vorzubereiten. Denn für den Aufsteiger sei „der Schritt aktuell schon ein Großer und bedarf einer guten und professionellen Planung.“

DEB-Präsident Franz Reindl begrüßt die Entwicklung ebenfalls: „Ich bin überglücklich, dass die beiden unabhängigen Profiligen einen Weg gefunden haben. Dass die berühmte Kuh jetzt vom Eis ist, ist absolut überragend für unseren Sport. Alle Eishockey-Fans können sich auf die sportliche Durchlässigkeit aller Ligen freuen. Das wird auch große sportliche und infrastrukturelle Impulse verstärken.“

Matthias „Alf“ Schlüter, Fan-Beauftragter der Roosters, verweist auf die Stellungnahme der DEL-Fanbeauftragten: „Jetzt freuen wir uns dafür umso mehr, dass man hier nun eine Lösung gefunden hat, die auch langfristig Bestand hat und die somit unsere Erwartungen erfüllt.“ Einige Begründungen: Kurzfristige Spielerverkäufe einiger Klubs kurz vor Ende der Saison und die damit verbundene Wettbewerbsverzerrung sind passé, ebenso eine fehlende Perspektive für die DEL2-Clubs, die alljährlich um die „goldene Ananas“ spielen.

Wolfgang Brück hofft aber auch, dass dann jene Fans, die sich für die Verzahnung einsetzen, auch ihre Klubs im Abstiegskampf oder schlimmstenfalls beim Comeback-Versuch in der DEL2 unterstützen, denn er ist der festen Überzeugung: „Abstiegskampf mobilisiert nicht.“

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