Hindernislauf

Reizvolle Erfahrung im Grenzbereich

Sie waren in Schweden am Start (v. li.): Adrian Saal, Patrick Saal, Ewelina Korbal und die Hemeranerinnen Christine Habor, Sarah Gnoycke und Tanja Minassidis.

Sie waren in Schweden am Start (v. li.): Adrian Saal, Patrick Saal, Ewelina Korbal und die Hemeranerinnen Christine Habor, Sarah Gnoycke und Tanja Minassidis.

Foto: Privat

Hemer.   Drei Hemeranerinnen nahmen mit den Muddy Unicorns bei der Golden Trophy in Schweden teil.

Strongman Run, Spartan Race, Tough Mudder, Strong Viking: Man liest es schon aus den Titeln der Wettbewerbe heraus, dass es hier nicht um gemütliches Sporttreiben geht. Es handelt sich um OCR-Serien (Obstacle Course Racing) – oder auch einfach Extrem-Hindernisläufe. Und dabei geht es nicht nur ums Laufen. Klettern, Kriechen, Schlammrobben und Wasserdurchquerungen sind stets fest Bestandteile eines Events.

Von denen gibt es immer mehr, und der Aktivenkreis wächst kontinuierlich. Ein Beispiel sind die Muddy Unicorns, die 2015 gegründet wurden und mittlerweile 50 Mitstreiter zählen. Bereits in der Anfangsphase schloss sich die Hemeranerin Tanja Minassidis der Gruppe an, und mittlerweile hat sie vor Ort mit Robert Hallatsch, Sarah Gnoycke, Christine und Jessica Habor weitere Mitstreiter gefunden. Zum Einstieg bot sich einst vor Ort der Adventure Trail Run im Sauerlandpark an, aber wer den durchgestanden hat, will in aller Regel mehr. „Man schaut sich an, was deutschlandweit so alles angeboten wird, und irgendwann ist es fast eine Sucht“, blickt Tanja Minassidis auf ihre ersten drei Jahre bei den Muddy Unicorns zurück. Und der Reiz, etwas Neues kennenzulernen, ist ungebrochen.

Golden Trophy mit 100 Hindernissen auf 5 km

Am letzten Wochenende waren sechs Mitglieder der Gruppe, darunter auch ihr Gründer Patrick Saal, bei der Golden Trophy in Stengungsund. Das liegt in Schweden, nördlich von Göteborg. „Fünf Kilometer mit hundert Hindernissen. Das klang spektakulär, und deshalb wollten wir dorthin“, erläutert Christine Habor. Der Trip gen Norden war ganz typisch für die Wettkampfplanung der Gruppe. Man sucht sich ein interessantes Event aus und plant ein paar Urlaubstage drumherum.

Dabei ist es stets das Gemeinschaftserlebnis, das motivierend wirkt. „Wir bleiben in der Gruppe zusammen, lassen niemanden zurück und helfen uns an den Hindernissen,“ sagt Habor, die beim Wettkampf in Schweden ein gutes Beispiel für die Solidarität unter den Hindernisläufern fand. „Da war eine Frau mit einer Beinprothese am Start, die die Strecke ohne Hilfe nicht geschafft hätte.“

Auch die Trophy in Stenung­sund, bei der sich die Muddy Unicorns als einzige Deutsche unter den 400 Teilnehmern (vor allem aus Skandinaviern) gut behaupteten, bestätigte die Hemeranerin darin, komplett auf OCR-Läufe zu setzen. „Normale Laufveranstaltungen reizen mich nicht. Bei den Hindernisläufen lernt man, Ängste zu überwinden und an seine Grenzen zu gehen.“ Das ist der Kick, der sie und die Unicorns antreibt, die Zeit im Ziel ist von untergeordneter Bedeutung. Hin und wieder dürfen aber Teammitglieder aus der Reihe tanzen und ohne Rücksicht auf die anderen richtig Gas geben. „Wir haben Leute dabei, die an Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmen, und die müssen sich ja mit guten Zeiten qualifizieren,“ erläutert Tanja Minassidis.

Dass die Hindernisse Spuren hinterlassen, liegt auf der Hand, so ganz ohne blaue Flecken kommt kaum jemand davon. „Das gehört dazu“, sagen die Hemeranerinnen. „Aber wenn man sich nicht überschätzt und sich gegenseitig hilft, ist das Risiko überschaubar.“

Heiratsantrag beim Adventure-Trail in Hemer

Die Gruppe aus dem Sauerland verabredet sich natürlich zum gemeinsamen Training, und zum Rest der Unicorns gibt es den ständigen Whats-App-Kontakt. Bei einem der 15 bis 20 Termine in der von März bis Oktober dauernden OCR-Saison trifft man sich, und wenn das nicht klappt, gibt es noch die Weihnachtsfeier. Die Aktiven kommen mittlerweile aus dem gesamten Bundesgebiet, und die Gruppe wächst weiter. „Man lernt sich bei einem Wettkampf kennen, und wer Lust hat, macht bei uns mit“, sagt Christine Habor. Zwei ostwestfälische Teammitglieder hat der Hindernislauf im übrigen ganz eng zusammengeführt. „Beim Adventure-Trail in Hemer hat Marco seiner Eva-Marie am Jüberg-Turm einen Heiratsantrag gemacht. Und jetzt sind wir alle zur Hochzeit eingeladen“, berichtet Tanja Minassidis. Und weil dann Extrem-Ausdauersportler feiern, gehören Laufschuhe verpflichtend zum Dresscode.

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