Eishockey

Roosters sind startklar für die DEL-Saison

Torjubel am Seilersee soll es bald wieder geben.

Torjubel am Seilersee soll es bald wieder geben.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Der Spielbetrieb ist finanziell gesichert, und der Dank geht an Sponsoren, Gesellschafter, Spieler und Fans.

Auf diese Nachricht hat die Eishockey-Fangemeinde im Sauerland sehnlichst gewartet: Die Iserlohn Roosters werden in der DEL-Saison 2020/2021 an den Start gehen! Das gab der Klub am Dienstagabend in einer Mitteilung bekannt. Darin heißt es: „Diese Entscheidung kann nach unglaublichem Engagement der gesamten Roosters-Familie auf rein wirtschaftlicher Basis getroffen werden. Der Spielbetrieb ist auch dann finanziert, wenn der Klub in der kompletten Saison aufgrund der Corona-Pandemie auf Zuschauer am Seilersee verzichten muss.“

Der geschäftsführende Gesellschafter Wolfgang Brück betonte in einem ersten Statement, dass die Planungssicherheit eine unabdingbare Voraussetzung gewesen sei. „Das ist ein Tag, an dem wir nur Danke sagen können.“ Er verwies auf die Notwendigkeit, Sponsorenverträge anzupassen bzw. neu zu verhandeln, weil die vereinbarten Leistungen in der kommenden Saison vom Klub nicht erbracht werden können. So sind beispielsweise in einer Serie ohne Zuschauer die Hospitality-Kontingente nicht anzubieten Dass die Sponsoren dennoch zu ihrem Engagement stehen, freut Brück ebenso wie das Entgegenkommen der Spieler. „Hier verhandeln wir mit Menschen, bei denen es auch um die berufliche Zukunft geht.“ Stichwort: Gehaltsverzicht. Ohne die Bereitschaft der Profis, Abstriche vom vereinbarten Salär zu machen, ging es nicht.

Komplizierte Verhandlungen mit Nordamerikanern?

Dem Vernehmen nach gab es mit Akteuren, die derzeit noch in Nordamerika weilen, etwas komplizierte Verhandlungen. Womit sich die Frage aufdrängt, ob überhaupt alle Roosters-Spieler mitgezogen haben oder ob es in der aktuellen Situation auch zu Vertragsauflösungen kommt. Wolfgang Brück: „Zu solche Details äußere ich mich heute nicht. Jetzt geht es darum, sich bei allen zu bedanken, die es ermöglicht haben, dass wir an den Start gehen können.“ Und weiter: „Die Roosters-Familie um unsere Mannschaft steht auf beeindruckende Weise zusammen, damit dieser Kraftakt überhaupt möglich ist. Diese Gemeinsamkeit spiegelt einen der wichtigsten Momente in unserer Vereinsgeschichte wider, denn er beschreibt echten Zusammenhalt.“

Den Dank richtet er auch an die Fans, die durch die frühzeitige Zahlung ihrer Dauerkarten-Beiträge für die kommende Saison dem Verein geholfen haben. Dieser will sich mit mit jedem Einzelnen in Verbindung setzen, um individuelle Lösungen für den Fall zu finden, dass über die gesamte Saison keine Zuschauer am Seilersee zugelassen werden.

In der Gesamtbewertung der Situation spricht Wolfgang Brück von einem Risiko, das wirtschaftlich kalkulierbar sei. „Für uns wäre es einfacher gewesen, nicht zu spielen.“ Er verweist auf Unwägbarkeiten, die ihm durchaus Bauchschmerzen bereiten. „Niemand weiß, welche Tiefschläge uns die Pandemie in den nächsten Monaten noch verpasst.“ Rückblickend betrachtet ist der Roosters-Boss überzeugt, dass die Liga insgesamt einen guten Job gemacht hat. „Es war nicht der einfachste Weg, aber ich denke, dass man verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen ist.“

Spieler sind froh, dass es bald wieder los geht

Natürlich haben auch die Roosters-Spieler mit Spannung auf die Entscheidung der Klubführung gewartet. Jetzt wissen sie, dass sie am Seilersee demnächst wieder ihrem Beruf nachgehen können, aber wann es genau los geht, ist noch offen. Klar ist jedoch, dass die Spieler durch ihren Gehaltsverzicht einen wichtigen Beitrag geleitet haben, um den Start zu ermöglichen.

„Wir reden hier über einen Verzicht in namhafter Größenordnung“, spricht Torhüter Andreas Jenike die Zugeständnisse an, die den Spielern abverlangt wurden. Er sagt aber auch: „In Corona-Zeiten gibt es Leute, die vor dem Ruin stehen. Da müssen wir Eishockeyprofis auch ein Stück Demut zeigen.“ Er bezeichnet die Situation für Vereine wie Spieler als finanzielle Katastrophe, hält es aber für elementar wichtig, dass überhaupt wieder Eishockey gespielt wird. Verständnis zeigt er für die Entscheidung der Roosters, den Normalbetrieb noch nicht anzufahren, während andere Klubs beim Magenta-Cup schon voll im Saft stehen. „Wir haben in Iserlohn andere Verhältnisse. Wenn der Kostenapparat angeworfen wird, muss auch hundertprozentig klar sein, dass nicht schon nach ein paar Wochen wieder Schluss ist.“

„Acht Monate sind eine lange Zeit. Ich bin einfach nur froh, wenn es wieder los geht“, sagt Verteidiger Dieter Orendorz. Er verweist zwar einerseits auf eine komplizierte Ausgangslage mit voraussichtlich sehr kurzer Vorbereitungszeit auf dem Eis sowie Training und Spiele unter Corona-Bedingungen. Andererseits hat er aber den Tag herbei gesehnt, wieder seinem Job nachgehen zu können. Dass die Kollegen, die derzeit beim Magenta-Cup Spielpraxis sammeln, beim Saisonstart Vorteile haben werden, ist ihm bewusst. „Aber da müssen wir jetzt durch. Ich bin topmotiviert.“

Der Spieler, der auf die längste Zwangspause zurückblickt, ist Stürmer Marko Friedrich. Fast ein Jahr ist es her, seit ihn eine im Heimspiel gegen die Adler Mannheim erlittene Gehirnerschütterung außer Gefecht setzte. In der langen Rekonvaleszenz macht er sich natürlich Gedanken um die Zukunft als Eishockey-Profi. „Die Spieler mussten schon schmerzhafte Zugeständnisse machen, und du fragst dich manchmal, ob es das bei allem Risiko, das die Sportart mit sich bringt, wirklich wert ist.“ Mit Blick auf die kommende Spielzeit beschäftigt ihn auch, ob ein reibungsloser Spielbetrieb in Corona-Zeiten überhaupt möglich ist. Aber im Moment, so der 29-Jährige, überwiege die Freude, dass überhaupt gespielt werden soll. „Es ist unglaublich wichtig, dass die Sportart endlich wieder in den Fokus rückt.“

Am Donnerstag herrscht Klarheit über den Modus

Erst nach der Donnerstags-Konferenz der DEL, bei der die wesentlichen Modalitäten des Spielbetriebs festgelegt werden sollen, erwarten die Roosters-Spieler konkrete Informationen zu ihrem Trainingsstart. Vor dem Monatsende dürfte der kaum stattfinden. „Früher hätte ich eine kurze Vorbereitung mit Kusshand genommen, aber nach meiner langen Pause wäre etwas mehr Zeit wohl nicht schlecht“, sagt Marko Friedrich.

Der Dienstag wurde war aber nicht nur am Seilersee der Tag der Entscheidung, auch in Straubing und Augsburg machte man Nägel mit Köpfen. Somit fehlt nur noch das Votum der Kölner Haie. Bisher wurden rund 95.000 der auf den Markt gebrachten 100.0000 Unterstützertickets verkauft, so dass die Verantwortlichen zuversichtlich sind, die Etatlücke von einer Million Euro schließen zu können.

Wie die Saison aussehen soll, wird bei der außerordentlichen Gesellschafterversammlung der DEL am Donnerstag festgelegt. Sollte es am 18. Dezember los gehen, spricht einiges für eine zweigeteilte Liga. Diskutiert wird eine Hauptrunde mit 36 Spielen (also sechs Duelle mit jedem Gruppengegner) und die anschließende Play-off-Runde.

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