Basketball

„Seit ich 13 bin, träume ich davon“

Jessika Schiffer beim Training der Kangaroos.

Jessika Schiffer beim Training der Kangaroos.

Foto: Foto: Dennis Echtermann

Iserlohn.  Nach EM und WM geht es für die Iserlohner Basketballerin Jessika Schiffer nun in die USA

Thailand, Tschechien, USA - diese Länder sind für Jessika Schiffer, Basketballerin aus Iserlohn, die Stationen der letzten Wochen gewesen. Was für Außenstehende nach Urlaub klingen mag, ist für die 18-Jährige harte Arbeit und Stress. Seit sie im März mit ihrem bisherigen Team, den Sharks aus Würzburg, die in der zweiten Liga Süd spielen, die Saison beendet hat, standen die Nationalmannschaften im Fokus - und seit letzten Sonntag gibt es einen neuen Lebensabschnitt auf dem College in den USA.

Die Meldung, dass die junge Waldstädterin zu den Buffalo Bulls und damit zu einem der besten Colleges in die Staaten wechselt, sorgte zumindest in der hiesigen Basketball-Szene für Aufsehen und darf für Schiffer als Riesenerfolg und Auszeichnung gewertet werden. Doch Zeit, sich darüber zu freuen, blieb ihr in den vergangenen Monaten kaum. Mit den Nachwuchs-Nationalmannschaften U19 und U20 standen für die U18-Europameisterin von 2018 zwei große Herausforderungen auf dem Programm, dazwischen lag noch ein Auftritt bei einer Sportgala des bayerischen Fernsehens.

Vor einem Jahr war Jessika Schiffer mit dem DBB-Team ein historischer Triumph gelungen. In Italien sicherte sich erstmals ein deutsches Basketball-Nachwuchsteam einen europäischen Titel. Dementsprechend groß waren jetzt natürlich die Erwartungshaltungen bei WM sowie EM, und nun diese Enttäuschungen. „Wir hatten uns das anders vorgestellt. Es gab Verletzungen, und die Mannschaft war in der Vorbereitung aufgeteilt“, blickt Schiffer auf die letzten Monate zurück. In beiden Turnieren gab es insgesamt nur zwei Siege. Bei der U20-EM stand am Ende der bittere Abstieg in die B-Klasse zu Buche. Und auch die hohe Belastung (21 Spiele in zwei Monaten) zeigte Wirkung bei Jessika Schiffer, die bei der EM am Ende mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte.

Ihrer persönlichen Karriereplanung hat dieser Sommer allerdings nicht geschadet, denn ausgerechnet in der Partie gegen die USA machte sie bei der WM ihr bestes Spiel und erzielte bei der achtbaren Niederlage gegen den späteren Weltmeister 17 Punkte. Zu den ersten Gratulanten zählte vor Ort in Thailand ihre künftige Co-Trainerin in Buffalo, Kristen Sharkey. Leistungen wie diese geben ihr die Zuversicht, die große Herausforderung, die vor ihr liegt, zu meistern.

„Seit ich 13 bin, träume ich davon, was ich jetzt mache“, sagt Jessika Schiffer. Damit meint sie in erster Linie den Sprung in die USA, den sie im Frühsommer nach einem viertägigen Trainingscamp in Buffalo geschafft hat. Aber Jessika Schiffer spekuliert natürlich auch ein wenig auf den Sprung in die WNBA, das Pendant zur stärksten Männer-Basketball-Profi-Liga der Welt, der NBA. Ihre ehemalige Mitschülerin Marie Gülich, mit der sie in Rhöndorf das Internat besuchte, hat den Sprung als bislang einzige Deutsche geschafft. Damit ist die Centerspielerin, die für Phoenix Mercury spielt, ein Vorbild.

Doch zunächst steht für Jessika Schiffer erst einmal die Feuertaufe am College auf dem Programm. Für ein Jahr hat sie unterschrieben. Bis zu vier Jahre könnten es an der Universität im Bundesstaat New York werden. Dort will sie natürlich nicht nur Basketball spielen, sondern sich auch in Sachen beruflicher Ausbildung positionieren. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr in Würzburg, weiß sie, dass sie keine Lehrerin werden will. „Irgendetwas mit Medien und Kommunikation wäre interessant“, sagt die Iserlohnerin, die in den letzten Monaten insgesamt nur zwei Wochen zu Hause in der Waldstadt war und daher mit dem Thema Heimweh umgehen kann.

Große Unterstützung bei derKarriere durch den Vater

Und so schnell wird sie auch nicht wieder nach Deutschland kommen. Sechs Tage gibt es rund um Weihnachten frei, da lohnt sich der Heimflug nicht, wie sie betont. Sie geht aber davon aus, dass ihr Vater Jörg-Lutz Schiffer, der ihre Karriere stets mit großem Engagement unterstützt hat, sicher mal in den USA vorbeischaut und vor Ort dabei sein will, wenn die Tochter vor großem Publikum Basketball spielt. Und auf dieses Gefühl freut sich Jessika Schiffer, die in ihrer knapp bemessenen Freizeit gerne zeichnet, ganz besonders, denn es ist für sie eine neue Erfahrung, statt von 150 nun von 1500 und mehr Zuschauern angefeuert zu werden.

Auch aus diesem Grund hat sie sich für die USA entschieden. „Es gab auch Angebote aus der ersten Liga in Deutschland, aber da spielen vor allem die ausländischen Spielerinnen. Da hat man als junge Spielerin wenig Chancen“, sagt die Europameisterin, die sich im Frühjahr auch beim Training des ProB-Teams der Iserlohn Kangaroos fit gehalten hat. Nun beginnt für die Spielmacherin, die gerne aus der Distanz wirft, aber eine neue Zeitrechnung, und vielleicht wird ihr Traum vom Sprung in die stärkste Liga der Welt ja Realität.

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