Schach

SV Hemer peilt den Klassenerhalt an

Andreas Jagodzinsky mit dem Erfolgsteam des SV Hemer.

Andreas Jagodzinsky mit dem Erfolgsteam des SV Hemer.

Foto: Privat

Hemer.  Der SVH-Vorsitzende Andreas Jagodzinsky zum Aufstieg der Hemeraner Schach-Damen in die 1. Bundesliga.

Der Schachverein Hemer hat mit dem Aufstieg der Frauenmannschaft in die 1. Bundesliga den bislang größten Erfolg der Vereinsgeschichte errungen. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der Klubs, Andreas Jagodzinsky, der darüber hinaus Leistungssportreferent beim Deutschen Schachbund ist, über die Auswirkungen und die sportlichen Perspektiven.

Wie groß ist bei Ihnen die Freude über das Erreichte?

Die Freude ist riesig. Es hat sich ja erst während der Saison abgezeichnet, dass wir diesen Aufstieg schaffen könnten. Vor dem letzten Wochenende waren wir schon ein wenig nervös, doch das ist ja nur zu verständlich, weil wir mit unserer ersten Saison in der zweiten Liga erstmals überhaupt auf Bundesebene vertreten waren.

Sie haben unmittelbar nach dem Aufstieg die Euphoriebremse getreten und an die Kosten für eine Bundesliga-Teilnahme erinnert. Wie groß ist das Problem?

Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ich hoffe, dass wir genügend Unterstützer finden. Es ist unser größter Erfolg. Den haben wir mit vielen jungen, gut ausgebildeten Sportlerinnen, ohne Profis, geschafft. Wir möchten auch nicht nur Geld von möglichen Sponsoren fordern. Ich sehe da vielmehr eine Win-Win-Situation. Im Gegenzug wäre es auch zum Beispiel denkbar, dass unsere Schülerinnen und Studentinnen zukünftig als Arbeitnehmer für diese Firmen tätig würden.

Die Teilnahme an der 2. Bundesliga hat ja vermutlich auch Geld gekostet. Zuletzt waren sie zwei Tage in Lübeck. Wie wurde das finanziert?

Wir haben ja auch vorher schon Spenden bekommen. Zudem hatten wir für ein Jahr den Zugriff auf die Mitgliedsbeiträge und andere Mittel des Vereins beschlossen. Wir wollten das Risiko überschaubar halten. Dauerhaft kann man aber nicht alles in eine Mannschaft stecken. Das schafft Unruhe. Wir haben immerhin vier Senioren- und drei Jugendmannschaften.

Welche Kosten entstehen dem Verein, wenn Sie beispielsweise auf Spielerinnen aus Rumänien zurückgreifen?

Wir ersetzen den Spielerinnen die Flugkosten. Die Spielerinnen wohnen dann bei uns im Haus. So ein Bundesliga-Wochenende ist besonders für meine Frau, die von der Versorgung bis zur Freizeitgestaltung alles organisiert, eine enorme Herausforderung.

Was muss sich ändern, wenn Sie den Aufstieg in die 1. Bundesliga wahrnehmen?

Bei den Heimspielen müssen wir da nicht viel ändern. Wir haben uns auch bisher bemüht, drumherum ein Rahmenprogramm anzubieten. Natürlich muss man in der Aula, wo gespielt wird, still sein, um die Konzentration der Spielerinnen nicht zu stören, aber uns schwebt vor, eine Etage tiefer in der Mensa beispielsweise Schachkurse mit Spielerinnen anzubieten, die nicht zum Einsatz kommen. Eine Live-Übertragung dorthin wird es auch wieder geben.

Welche besonderen Anforderungen stellt die neue Liga?

Es wird dort zwölf Mannschaften, statt bisher acht geben. Das sind zwei Spiel-Wochenenden mehr. Möglicherweise wird es auch wieder eine zentrale Endrunde geben, bei der dann die Entscheidungen fallen. Die Mannschaft wird im Kern zusammen bleiben.

Wie lauten die sportlichen Perspektiven für die neue Liga?

Wir sind natürlich am maximalen Erfolg interessiert, doch mehr als der Klassenerhalt ist nicht realistisch. Wir wollen darum kämpfen. Wenn wir den Ligaverbleib nicht schaffen, werden wir mit diesem Kader im Jahr darauf einen erneuten Anlauf nehmen.

Wie groß wird der Kader sein?

Wir werden die möglichen 14 Spielerinnen melden. Das haben wir in der letzten Serie auch gemacht. Zehn sind davon zum Einsatz gekommen.

Welches Potenzial steckt in der Mannschaft?

Wir werden es in der neuen Klasse mit Teams wie Baden-Baden, Schwäbisch Hall oder Königshofen zu tun bekommen, die mehrere Weltmeisterinnen einfliegen lassen. Das ist eine andere Welt. Wir achten bei unserer Mannschaft in erster Linie auf die regionale Komponente. Linda Becker kommt aus Plettenberg, Valerija Naumenko ist sogar eine waschechte Hemeranerin.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben