Sportpolitik

Thorsten Schick: „Der Druck wird künftig größer“

Thorsten Schick, der Vorsitzender des Stadtsportverbandes, nimmt zu aktuellen Themen des Iserlohner Sports Stellung.

Thorsten Schick, der Vorsitzender des Stadtsportverbandes, nimmt zu aktuellen Themen des Iserlohner Sports Stellung.

Foto: Willy Schweer

Iserlohn.  Der stellvertretende Bürgermeister und Vorsitzender des Stadtsportverbandes über Sport-Investitionen, Fußballplatzbedarf und Roosters-Themen.

Kostenintensive Großprojekte stehen in Iserlohn in den kommenden Jahren auf der Agenda, und mit dem Rathaus ist gerade erst ein weiteres hinzu gekommen. Welcher Spielraum bleibt da noch für Investitionen in den Sport? Darüber sprachen wir mit Thorsten Schick, stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Stadtsportverbandes.

Schillerplatz, Parkhalle, Rathaus: Das sind Aufgaben, denen man sich in Iserlohn in den nächsten Jahren widmen wird, und man fragt sich, wer das alles bezahlen soll. Muss sich der Sportbereich aus diesem Grunde auf größere Einschnitte gefasst machen?

Man kann sicher nicht einfach so weitermachen wie bisher und alles beim Alten lassen. Es ist zusätzlicher Investitionsbedarf entstanden, aber der Finanzrahmen wird nicht größer. Und die Bremsspuren der Konjunktur darf man auch nicht übersehen. Aber der Sport hat eine große Bedeutung, und er wird ganz gewiss nicht der einzige Bereich sein, der zurückstecken muss. Mehr denn je muss man sich fragen, was wir uns erlauben können und was nicht.

Wie groß wird das Gezerre um die knapper werdenden Mittel?

Je enger der Flaschenhals, desto größer wird der Druck. Darauf muss der Sport vorbereitet sein und seine Interessen vertreten. Man muss klarstellen, welche Projekte Priorität haben, und man muss sehr genau darauf achten, wofür Fördermittel zu bekommen sind. Es wäre fahrlässig, sich diese entgehen zu lassen.

Was ja in der Vergangenheit passiert ist, weil man keine Pläne in der Schublade hatte.

Wenn Bund und Land Geld zur Verfügung stellen, muss man vorbereitet sein und auch zugreifen können. Aktuell ist es mir auch wichtig, dass Projekte, die lange versprochen sind, wie etwa die Sporthalle in Hennen, nicht mehr in Frage gestellt werden. Da müssen wir verlässlich sein.

Experten der UE haben gerade den Sportstättenentwicklungsplan vorgelegt und erläutert, wofür man Geld in die Hand nehmen sollte. Ist es jetzt überhaupt noch realistisch, neue Projekte anzuschieben?

Positiv ist ja, dass sehr viele unserer Sportstätten einen guten Unterhaltungszustand vorweisen. Es gibt sicher Hallen, in denen etwas getan werden muss, aber das ist Aufgabe der laufenden Bauunterhaltung. Die Untersuchung hat aber auch ergeben, dass Iserlohner gern Sport in der Natur betreiben, und dafür braucht man keine so großen Investitionen. Da reichen manchmal schon Beschilderungen.

Empfohlen wurde ja auch die Herrichtung von Mountainbike-Strecken. Sind die zeitnah umzusetzen?

Ich sehe da nicht so sehr ein finanzielles Problem. Aber man muss erst einmal alle Beteiligten an einen Tisch holen, schließlich gibt es auch private Waldbesitzer, die man nicht einfach übergehen kann.

Ein ständig wiederkehrendes Thema ist die Sportplatzsituation im Zentrum. Ein Mangel ist belegt worden, aber wie soll darauf reagiert werden? Gibt es überhaupt ein passendes Grundstück?

Das sehe ich aktuell nicht, und ich habe auch kein Patentrezept, wie wir das Problem lösen können. Es wird Aufgabe der Stadtplanung sein, sich darüber Gedanken zu machen. Die Sportplätze in der Läger und am Hemberg-Südhang sind aufgegeben worden, und sie täten uns heute gut. Ich bezweifle im übrigen auch, dass der Mehrgenerationen-Spielplatz in der Läger einen höheren Mehrwert für die Stadt hat als ein vernünftiger Kunstrasenplatz.

Sehen Sie überhaupt eine Chance, in den nächsten Jahren ein Sportplatzprojekt anzuschieben?

Hier geht es ja nicht nur um die finanzielle Frage, sondern auch um die genehmigungsrechtliche. Da sind die Anforderungen heute höher als vor 20 oder 30 Jahren.

In den letzten Monaten wurde oft über eine Anlage für American Football diskutiert. Steht die überhaupt noch auf der Tagesordnung, nachdem der Verein seine erste Mannschaft zurückgezogen hat?

Sportarten, die lange erfolgreich gearbeitet haben, stoßen an ihre Grenzen. Ich nenne die IEC-Jugend, die Kangaroos oder die Fußballer. Wie soll ich denen erklären, dass wir für sie nicht mehr tun können, aber im Vorgriff einen ambitionierten Verein unterstützen wollen. Das sorgt für Unfrieden bei denen, die seit Jahren erfolgreich sind. Und zum Thema American Football: Wenn es in Hagen nicht mehr die notwendigen Kapazitäten gibt, dann muss Iserlohn das doch nicht auffangen.

Über die zweite Eisfläche redet schon niemand mehr, und das Alter der Eissporthalle blendet man offenkundig auch aus. Kommt da nicht beizeiten ein Riesenproblem auf die Stadt zu?

Die Halle steuert in der Tat auf ihr 50-jähriges Bestehen zu. Sie besitzt in vielen Bereichen eine hohe Qualität, aber die Technik ist veraltet. Dass sie in zehn Jahren noch so betrieben werden kann, versehe ich mit einem großen Fragezeichen. Wir werden die Fragen rund um die Zukunft der Eissporthalle in den nächsten drei, vier Jahren beantworten müssen.

Die Roosters werden gern als Leuchtturm Iserlohns bezeichnet, doch deren Verantwortliche beklagen die mangelnde Wertschätzung, die der Klub im Rathaus genießt. Haben sie recht?

In der Zusammenarbeit von Stadt und Roosters ist auf beiden Seiten noch Luft nach oben. Die Kommunikation ist verbesserungsbedürftig. Große Teile von Politik und Verwaltung sieht man bei Heimspielen eher nicht, aber die Roosters könnten sich auch mehr bei sozialen Projekten engagieren. Da sind viele Möglichkeiten. An jedem Wochenende kommen 4000 Leute zum Eishockey, und man sollte sich fragen, wie sich dieses Potenzial für die Gastronomie nutzen lässt. Treffpunkte für Eishockey-Fans in der Stadt wären nicht schlecht. Und wenn dann Busse in attraktiver Taktung aus der Innenstadt zur Eissporthalle fahren würden, hätte man auch etwas gegen die Parkplatzproblematik rund um die Halle unternommen. Beim Thema Eishockey und Stadt lässt sich schon noch einiges verbessern.

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