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Tür in der Bande, die besser geschlossen bleibt

Tür auf zur Strafbank: Marko Friedrich hat dort schon einige Erfahrungen gemacht.

Foto: Michael May

Tür auf zur Strafbank: Marko Friedrich hat dort schon einige Erfahrungen gemacht. Foto: Michael May

Iserlohn.   Roosters-Profi Marko Friedrich zu seinen persönlichen Sünden und den Erfahrungen mit Strafbänken.

„Türchen auf“ heißt unsere Adventsserie. Sie richtet den Blick auf besondere Dinge, die oft im Verborgenen bleiben. Ein Adventskalender voller Geschichten bis Weihnachten – vom Lokalteil bis zum Sport. Heute öffnen wir die Tür zur Strafbank beim Eishockey.

Es ist der Moment, den ein Eishockeyspieler besonders ungern erlebt. Der Augenblick, wenn der Schiedsrichter einen Arm senkrecht nach oben streckt als Zeichen dafür, dass er mit der nächsten Spielunterbrechung eine Strafe aussprechen wird. Und weil der andere Arm des Unparteiischen auf den Sünder zeigt, berechtigt oder unberechtigt, weiß der Betroffene, dass sich für ihn gleich die Tür zur „Sünderbank“ öffnen und es dann für ihn eine schöpferische Pause geben wird.

Begriff „Kühlbox“ trifft den Kern der Zwangspause

„Strafbank ist immer schlecht“, sagt Roosters-Stürmer Marko Friedrich und liefert die Erklärung gleich mit: „Denn Strafen sind meistens spielentscheidend.“ Das musste die „67“ schon mehrfach am eigenen Leibe erfahren, wenngleich er nicht als Raubein oder gar Strafzeitenkönig berüchtigt ist. Oder doch? „Ich will mit dem Kopf durch die Wand“, räumt er selbstkritisch ein. „Ich bin zwar kein Rüpel, aber ich habe schon viele Strafen bekommen, auch in der zweiten Liga.“ Das habe mit seiner Spielweise zu tun: „Ich gehe keinem Zweikampf aus dem Weg, denn ich spiele aggressiv, vielleicht manchmal zu ungestüm.“ Aber Friedrich geht nie so weit, die Verletzung eines Kontrahenten zu riskieren. Gleichzeitig berichtet er aber auch: „Ich habe noch nie eine Strafe wegen Meckerns bekommen und auch wenige große Strafen kassiert.“

An eine dieser wenigen erinnert er sich besonders ungern. In Nürnberg kassierte er einmal in der Verlängerung eine Spieldauerdisziplinarstrafe, weil Gegenspieler Ehliz bei einem Check verletzt wurde. „Das war total unglücklich, und dass wir verloren haben, war meine Schuld.“ Natürlich wird so etwas auch thematisiert, vom Trainerstab und von den Mitspielern.

Was aber passiert in jenen Minuten auf der Strafbank? „Zunächst einmal ärgert man sich. Häufig fühlt man sich auch ungerecht behandelt“, gewährt Friedrich Einblick in seine Gefühlslage. Daher sei der Begriff „Kühlbox“ völlig zutreffend. Man kühle emotional tatsächlich ab. Allerdings gibt es auch Phasen, in denen das nicht funktioniert, in denen der Puls hochgeht. „Wenn dann noch ein Gegentor fällt, ist es besonders schlimm. Das treibt mich zur Weißglut und ich sage mir: Marko, du bist ein Idiot!“

Gelegentlich kommt es auch während einer solchen unfreiwilligen Auszeit zu lautstarken Dialogen mit Gegnern, wenn diese zeitgleich auf der anderen Seite des Zeitnehmertisches Platz nehmen. „Gerade nach Schlägereien gibt es noch Feuer und immer reichlich Gesprächsstoff.“ In der zweiten Liga sei es sogar einmal zu einer Fortsetzung eines Faustkampfes gekommen.

In der Regel büßt Marko Friedrich seine Strafe jedoch sitzend ab. Auf der Bank versorgt er sich mit Wasser, reinigt sein Visier und kühlt sich auch mit Wasser ab. „Aber besondere Marotten habe ich nicht.“ Allerdings spricht er schon mal mit sich selbst und wendet bestimmte Atemtechniken an, weil sein Spielstil viel Luft erfordert. Macht es für ihn einen Unterschied, ob er in Iserlohn oder auswärts auf der Strafbank sitzt? Hier kommt ein klares Ja. „Denn in Iserlohn bekommst du alles aus nächster Nähe mit. Da hört man viel mehr. Das kracht richtig. Faszinierend!“ Anders sei das in den großen Arenen. „Da ist man mehr abgeschottet.“

In Iserlohn geht die Tür zur falschen Seite auf

Gleich ist bei allen Strafbänken die Möblierung: Holz. Aber in Iserlohn gibt es einen Unterschied. Friedrich: „Bei uns geht die Tür zur falschen Seite auf.“ Das bedeutet, dass der Roosters-Spieler immer um die Person herumlaufen müssen, die die Tür nach Ablauf der Strafzeit öffnet. „Das ist sehr unpraktisch.“

Und das wirft gleich eine weitere Frage auf: Wie fühlen sich die letzten Sekunden bis zum Ende der Hinausstellung an? Verhalten sich die „Türöffner“ korrekt oder wird der Weg auf das Eis schon mal etwas früher oder später freigegeben. „In unserer Halle vertrauen ich den Leuten“, antwortet Friedrich, „Aber auswärts hat man immer das Gefühl,. dass man ein paar Sekunden später rauskommt.“ Aber das ist wohl eher subjektiv.

Auswärts ist es ohnehin ein anderes Gefühl, in der „Kühlbox“ zu sitzen, da werden die Spieler auch schon einmal verbal durchaus heftig angegangen. „Aber das gehört dazu und motiviert einen“, beschreibt der gebürtige Franke.

Und das führt zur Schlussfrage: Gibt es eigentlich für den Stürmer in der Liga eine „Lieblingsstrafbank“? Grundsätzlich natürlich nicht. „Aber wenn ich wählen könnte, wären das zwei. In Berlin gibt es eine Gruppe von Männer in blauen Anzügen, die genau neben der Gästestrafbank sitzen.“ Und die veranstalten dort etliche „Mätzchen“, um die Spieler der gegnerischen Mannschaft aus der Fassung zu bringen. „Das ist aber total witzig“, macht Friedrich deutlich, dass keine Grenzen überschritten werden. Und seine zweite Präferenz? „Das wäre die Strafbank in Iserlohn.“ Aber die ist natürlich möglichst tabu.

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