Eishockey

„Was ist mit unserem Stadion?“

Wolfgang Brück ist geschäftsführender Roosters-Gesellschafter.

Foto: Emily Karacic

Wolfgang Brück ist geschäftsführender Roosters-Gesellschafter. Foto: Emily Karacic

Iserlohn.  Brück weist auf unerlässliche Investitionen hin und warnt vor einem „Supergau“.

Gestern haben die Roosters das Training wieder aufgenommen. Wegen der Olympischen Spiele geht es ab Freitag im DEL-Terminkalender Schlag auf Schlag. Wolfgang Brück, der geschäftsführende Gesellschafter und Vorsitzende des Iserlohner EC, zieht eine Zwischenbilanz, richtet den Blick aber auch nach vorne, sogar weit über diese Saison hinaus und sorgt dabei für einen Paukenschlag.

Die sportliche Bilanz

Brück spricht von einem respektablen Punktestand. „Auch mit dem Tabellenstand bin ich sehr zufrieden.“ Er sieht sich in der Einschätzung des Teams bestätigt: „Wir hatten mit Blick auf den Kader ein sehr gutes Gefühl. Die individuellen Fähigkeiten und Charaktere sind gut.“ Er zeigt sich für den weiteren Saisonverlauf „vorsichtig optimistisch“, warnt aber vor Unwägbarkeiten wie Verletzungen.

Der Trainerwechsel

Dass die jüngsten Erfolge allein mit der Entlassung von Trainer Jari Pasanen und der Verpflichtung von Rob Daum zusammenhängt, möchte Brück nicht unterschreiben. Es sei zwar eine sehr positive Entwicklung zu sehen. „Aber den Trainer trifft definitiv nicht die alleinige Schuld“, nimmt er auch die Spieler in die Verantwortung, die ebenfalls ihre Leistung abrufen müssten. „Ich denke aber, dass die Entscheidung richtig war. Doch es war keine einfache.“ Und sie bedeute keinesfalls, dass Pasanen ein schlechter Trainer sei. „Wir hatten mit ihm tolle Erfolge.“ Er erwartet einen respektvollen Umgang. „Jari Pasanen hat das sehr professionell gehandhabt. Und ich habe mich noch einmal bei ihm bedankt.“

Die wirtschaftliche Lage

Es ist davon auszugehen, dass der Trainerwechsel die Ausgabenseite belastet, ebenso die Nachverpflichtungen von Oscar Eklund und Louie Caporusso. „Ich äußere mich nicht während einer Saison zu finanziellen Aspekten“, sagt Brück. „Am liebsten ist es uns natürlich, wenn wir mit möglichst geringen Personalkosten auskommen.“ Sein Hinweis, dass man in den vergangenen Jahren fast immer die Lizenzen ausgeschöpft habe, macht deutlich, dass die aktuellen Investitionen nicht unerwartet kommen. „Eine Erweiterung des Kaders kostet immer etwas.“ Und natürlich sei so etwas für einen Verein wie Iserlohn, der nicht auf Rosen gebettet ist, wahrlich nicht einfach. Aber Brück streicht die Notwendigkeit heraus, „tagesaktuell zu reagieren.“ Denn man wisse, dass man nun sehr viele Spiele in einem extrem engen Zeitfenster zu absolvieren habe. „Deshalb brauchen wir vier Reihen.“

Die Zuschauerresonanz

Mit dem Zuspruch ist man sehr zufrieden, zumal man den Zuschauern einiges zugemutet habe. „Aber sie haben erkannt, dass die Mannschaft Bock hat und sich bemüht“, spürt er Vertrauen. Aber natürlich reiche Bemühen allein nicht aus, es müssten auch Erfolge her. Doch er versichert: „Unsere Fans können sich darauf verlassen, dass die Mannschaft weiter Vollgas gibt und sich gegen keinen Gegner scheut, den Kampf anzunehmen. Das hat das harte Spiel gegen Ingolstadt gezeigt.“ Brück ist überzeugt, dass noch mehr Zuschauer kommen, weil jetzt dafür die Jahreszeit beginnt. „Richtig lustig wird es aber erst, wenn wir Play-offs spielen“, macht er deutlich, wie bedeutend das Erreichen der K.o-Runde aus wirtschaftlichen Gründen ist.

Die TV-Präsenz

Auch in dieser Saison werden alle Roosters-Spiele live übertragen. „Die Resonanz ist teilweise gewaltig“, berichtet Brück von im Schnitt fast 200 000 Zuschauern pro Roosters-Spiel. Telekom-Eishockey sei super zufrieden mit der Resonanz auf die DEL-Übertragungen. „Die Zahlen sind doppelt so hoch wie beim Basketball.“ Dass die 100prozentige TV-Präsenz den Spielplan negativ beeinflusse, blendet Brück nicht aus, ebenso wenig die Kritik der Fans daran. „Wochenspiele tun uns schon weh“, verweist er auf weniger Einnahmen. Aber mit einem gelegentlichen Donnerstagspiel könne er umgehen. Und auf die Olympischen Spiele, die zu einer höheren Anzahl an Wochenspielen führen, habe er nun einmal keinen Einfluss. Dass es an Sonntagen häufig unterschiedliche Anfangszeiten gibt, ist für Brück eher unproblematisch. Wichtig ist für ihn: „Es gibt noch keine völlige Zersplitterung wie im Fußball.“

Die zweite Eisfläche

Wie weit sind die Verhandlungen über den Bau einer zweiten Eisfläche fortgeschritten? Auf diese Frage folgt eine Antwort, aber auch ein überraschender Brück-Vorstoß. Die zweite Fläche sei in der Politik, in der Verwaltung und bei den Stadtwerken noch ein Thema, und mit einem Betrag von vier bis sechs Millionen Euro sei durchaus seriös zu kalkulieren, erläutert Brück zunächst. Doch dann stellt er selbst eine Frage und stößt damit in völlig neue Dimensionen vor: „Was ist überhaupt mit unserem Stadion? Noch wichtiger ist doch unsere Spielstätte.“

Das sagt er angesichts des Alters der Eissporthalle, die 1971 eröffnet wurde und damit, trotz aller Renovierungs- und Erweiterungsmaßnahmen, in die Jahre gekommen und in vielen Bereichen nicht mehr zeitgemäß, ja sogar marode ist. Brück führt die Ammoniak-Anlage an, das undichte Dach, die hohe Luftfeuchtigkeit, das schlechte Eis, die verkehrstechnische Erschließung oder die immer höheren Anforderungen der Liga. Brück spricht also „das ganz große Ding an“, ist damit auch vorstellig geworden und sagt: „Auch die Stadt hat als Eigentümerin kein Interesse am Verfall des Stadions.“ Auch glaube er, dass vielen Entscheidungsträgern klar sei, welche Bedeutung die Roosters für Iserlohn haben.

Brück weiß, dass es schwierig sein wird, Begeisterung für seinen Vorstoß zu wecken. Das habe die Diskussion um die zweite Fläche gezeigt. Aber er möchte frühzeitig das Bewusstsein dafür schärfen, dass perspektivisch etwas geschehen muss. „Denn wir möchten gerne auch noch in zwanzig Jahren hier Eishockey spielen. Und wir Gesellschafter wollen dazu auch einiges beitragen und bewegen.“

Die Weichen dafür seien aber mit Blick auf die zu erwartenden Zeitspannen für eine Umsetzung möglichst frühzeitig zu stellen, denn Brück warnt angesichts des Zustandes der Sportstätte vor einem „Supergau“, dem Ausfall als Spielstätte. Daher möchte er wissen, was die Verantwortlichen zur Instandhaltung unternehmen werden. „Dabei müssen wir nicht über einen Neubau nachdenken. Und wir wollen auch nicht von da unten weg“, gibt er ein klares Bekenntnis zum Standort Seilersee ab. „Das ist auch Tradition. Aber ich will sicher gestellt haben, dass wir dort auch weiterspielen können. Für uns geht es daher jetzt um eine grundsätzliche Frage.“

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