Eishockey

Weniger Erfolgsdruck, dafür mehr Ausbildung

Das IEC-DNL1-Team (hier gegen Kaufbeuren) will sich in der neuen Serie für die U20-Division I qualifizieren.

Das IEC-DNL1-Team (hier gegen Kaufbeuren) will sich in der neuen Serie für die U20-Division I qualifizieren.

Foto: Stefanie Albedyhl

Iserlohn.   DEB beschließt neue Ligenstruktur im Nachwuchs, aber die Young Roosters haben einen anderen Ansatz.

Im Deutschen Nachwuchseishockey steht zur Saison 2018/2019 eine Reform der Ligen-struktur an. Die konzentriert sich vor allem auf den Bereich U17 (Schüler) und U20 (DNL). Diese Ligen sind passé, statt dessen gibt es künftig in beiden Altersklassen jeweils zwei Divisionen nach Leistungsstärke. Als deren Unterbau dienen regionale Ligen. Die Qualifikation für die Divisionen I und II erfolgt in der kommenden Saison.

Im U17-Bereich spielen die besten 18 Teams jeweils in einer Nord- und Südgruppe, die beiden Letztplatzierten spielen in der Relegation gegen die beiden Erstplatzierten der Division II gegen den Abstieg.

Im U20-Bereich treten je acht Teams in den Divisionen I und II an. Die besten Sechs ermitteln im Play-off-Modus den Meister, die verbliebenen Division-I-Teams sowie die beiden Besten der Division II kämpfen um die beiden noch freien Plätze. Die beiden Letztplatzierten der Division II spielen mit dem Süd- und Nordersten der Division III um zwei freie Plätze.

Eine weitere Neuerung: Der Spielbetrieb im Nachwuchseishockey findet künftig in Jahrgangsstufen statt, beginnend mit der U7 und dann in der Regel mit zwei Jahrgängen. Jahrgangsmannschaften, wie beispielsweise in Skandinavien, sind in Deutschland mangels Spielern nicht möglich.

Für die U20-Stufe erhofft man sich, dass der Übergang in den Erwachsenenbereich damit etwas leichter fällt als bisher, denn der Sprung von der DNL1 zu den Senioren hat sich als zu groß erwiesen. Künftig sind die Spieler ein Jahr älter, bevor sie aus dem Nachwuchs ausscheiden.

Ein geeigneter Anschluss zu den Senioren fehlt weiterhin

„Ob das aber ausreicht, wage ich zu bezweifeln“, sagt Collin Danielsmeier, 2. Vorsitzender der Young Roosters und Nachwuchscoach, zur Reform. Ihm fehlt weiterhin ein geeigneter Anschluss, so wie es diesen vor vielen Jahren mit der Junioren-Bundesliga gegeben hatte, in der sich Danielsmeier oder sein Trainer- und Vereinskollege Christian Hommel das Rüstzeug für die DEL geholt haben. „Eine U21 oder U23 wären sinnvoll.“ Allerdings würde das in Iserlohn an fehlenden Eiszeiten scheitern. Aktuell sei es schwierig, die Spieler nach ihrem altersbedingten Ausscheiden weiterzuentwickeln, auch nicht in der Oberliga. Und er kommt zu dem Ergebnis: „Ein neuer Modus führt nicht zu besseren Spielern.“

Er befürchtet, dass sich durch die Zwei-Klassen-Hierarchie die besten U20-Spieler in den nur noch acht Teams der Division I konzentrieren, dann aber mit aufgeblähtem Kader. Diesen Ansatz, die Leistungsspitze auf weniger Klubs zu konzentrieren, könne man in gewisser Weise auch nachvollziehen, der Iserlohner hat aber eine andere Auffassung: „Ich halte das nicht für einen Fortschritt.“

DNL ist eher eine Miniprofiliga als eine Ausbildungsliga

Deshalb hatten die Young Roosters ein anderes Konzept vorgeschlagen. Zur Sicherung der 14 DEL-Standorte sollten deren Nachwuchsteams in der Liga spielen. Danielsmeier: „Wir wollten nicht die Zahl der Vereine reduzieren, sondern die Anzahl der Spieler pro Team. Umso mehr Eiszeiten gibt es für jeden.“

Er sagt das auch mit Blick auf die gängige DNL-Praxis. „Dort spielt doch in entscheidenden Phasen die vierte Reihe gar nicht mehr, häufig sogar nicht einmal mehr die dritte. Aber wofür benötigt man so viele Spieler auf der Bank?“ Und hinsichtlich der Perspektive für junge Spieler sagt er klipp und klar: „Die DEL will Topspieler, aber doch keine vierte Reihe aus der DNL.“

Und Danielsmeier geht in seinen mutigen Visionen sogar noch einen Schritt weiter. „Es geht doch immer nur ums Gewinnen. Doch es ist ein klarer Fehler, dass die DNL eine reine Ergebnisliga ist. Vielmehr muss es doch darum gehen, die Spieler individuell zu verbessern. Die DNL sollte eine Ausbildungsliga sein.“ Statt dessen handele es sich aber schon um eine Miniprofiliga.

Denn die Sucht nach Siegen und Titeln führe doch erst dazu, dass die vermeintlich großen Klubs die Spieler wegkaufen und den dann so geschwächten Teams anschließend auch noch der Vorwurf gemacht werde, sie seien zu schlecht. Und deshalb müsse die Spielklasse reduziert werden.

Bieten die DEL-Topklubseine besserer Perspektive?

Danielsmeier ärgert sich daher: „Wir haben die Spieler lange und gut ausgebildet und sind dann die Gelackmeierten.“ Um dem entgegenzusteuern, könnte er sich das Recht auf den ersten Zugriff des Stammvereins vorstellen, wenn es um einen Vertrag geht.

Aber er bringt auch den Erfolgsoder Titelhunger der Eltern als kontraproduktiv ins Spiel, die eine bessere Perspektive ihres Kindes bei den sogenannten Topklubs vermuten. Deshalb hat es nach der erfolgreichen DNL-Saison auch Wechsel gegeben, beispielsweise nach Mannheim. Für Danielsmeier nur schwer nachvollziehbar: „Wir hatten für unsere Spieler ein schlüssiges Konzept und das auch rechtzeitig auf dem Tisch.“ Dazu habe sogar eine individuelle Förderung gehört. „Die Eltern müssen vielleicht auch einfach mal loslassen und Vertrauen in die Iserlohner Trainer haben. Hier ist die Perspektive, in das DEL-Team zu kommen, doch deutlich besser als beispielsweise in Mannheim. Da müssen sich die Jungs erst einmal ganz weit hinten anstellen.“

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