Leichtathletik

Werden Lauftreffs zu Profiteuren der Krise?

Bis zum nächsten Silvesterlauf dürfte das Laufen in der Gruppe überall wieder eine Selbstverständlichkeit sein. 

Bis zum nächsten Silvesterlauf dürfte das Laufen in der Gruppe überall wieder eine Selbstverständlichkeit sein. 

Foto: Michael May

Iserlohn.  Die Zahl der Jogger hat in den letzten Monaten zugenommen. Darauf lässt sich aufbauen, denn gemeinsames Training hat viele Vorteile.

In Zeiten geschlossener Sportplätze und Turnhallen waren dem Sporttreiben in vielen Bereichen enge Grenzen gesetzt. Wohl dem also, der sein persönliches Betätigungsfeld schon immer bevorzugt beim Laufen gesehen hat. Das geht immer und überall, Corona bedingte Einschränkungen beziehen sich lediglich auf die Anzahl der Teilnehmer an der Joggingrunde. Deutlich mehr Menschen als vor der Krise schnüren also wieder ihre Laufschuhe, so dass jene, die für organisiertes Laufen stehen, durchaus zu den Profiteuren zählen könnten.

„Es wäre wunderbar, wenn es so käme“, sagt Heinrich Zimmer, der Leiter des Lauftreffs der Sportfreunde Sümmern. Er hat in den letzten Jahren allerdings eine zunehmende Individualisierung ausgemacht. „Viele laufen lieber allein und wollen sich nicht festlegen.“ Sein Lauftreff leidet darunter. Der Nachwuchs fehlt, und einige ältere Mitstreiter mussten aus gesundheitlichen Gründen die Laufschuhe an den Nagel hängen. Übrig geblieben ist eine Hand voll Aktiver, die sich gewöhnlich per Telefon zum gemeinsamen Joggen verabredet.

In den letzten Monaten sind auch sie zu Individualisten geworden. „Es fehlt einem etwas, wenn man nicht mehr in der Gruppe laufen kann. Und es fehlt uns auch der monatliche Stammtisch“, sagt Zimmer. Er will nach dem Ende aller Kontaktbeschränkungen auf jeden Fall die Werbetrommel rühren.

Vereinsmitgliedschaft in der Regel nicht verpflichtend

Auch Michael Weist, der Leiter des Lauftreffs TuS Iserlohn, kann sich vorstellen, nach der Krise Zuwachs zu bekommen. „Wenn man jetzt nachmittags oder abends am Baarbach entlang Richtung Kalthof unterwegs ist, dann ist es dort mit Radfahrern und Läufern so voll wie noch nie. Und im Wald ist auch dort etwas los, wo man früher nie jemanden getroffen hat.“ Die vermehrten Aktivitäten in Corona-Zeiten sieht er als gute Voraussetzung, um im Anschluss an das Laufen in der Gruppe nachzudenken.

„Allein macht es doch weniger Spaß. Wenn man mit mehreren unterwegs ist, kann man sich beim Laufen unterhalten und merkt die Anstrengung nicht so“, meint Weist. Und weiter: „Viele Frauen fühlen sich sicherer, wenn sie nicht allein ihre Runde drehen.“ Beim TuS kann jeder mitmachen, es gibt keine Vereinsbindung und demzufolge auch keinen Mitgliedsbeitrag. Das Angebot kommt schon bisher sehr gut an, denn nicht selten sammeln sich 60 bis 80 Aktive, die in verschiedenen Leistungsgruppen montags und mittwochs zumeist vom Seilersee aus ihr Training absolvieren.

„Derzeit leidet bei einigen die Motivation, es fehlt die Gruppe“, erläutert Michael Weist, der trotz der Lockerungen weiter nur mit Frau und Tochter sein Laufprogramm absolviert. Dass die gewohnten Gruppen laufen, allerdings mit Abstand zwischen den Aktiven, hält er nicht für praktikabel. „Auf unseren Strecken ist immer viel los. Man kennt uns, und es gäbe sicher Leute, die das sofort kritisieren würden.“ Aber er macht wachsende Ungeduld bei seinen Mitgliedern aus. „Ich sage denen dann: Wir sind doch nur ein Lauftreff. In anderen Bereichen ist die Rückkehr zur Normalität viel wichtiger.“

Ohne die Gruppe ist die Motivation gesunken

Wenn die für Laufgruppen wieder besteht, will auch Christian Flor für den Lauftreff des TV Deilinghofen eine Initiative starten, um neue Mitstreiter zu gewinnen. „Es sind jetzt so viele Jogger unterwegs, und ich hoffe, dass viele weitermachen, wenn anderer Sport wieder normal möglich ist.“ Beim TVD ist keine Vereinsmitgliedschaft verpflichtend, um montags und mittwochs beim Lauftreff mitzumachen. Flor: „Wir würden gern wieder zwei Gruppen mit unterschiedlichem Leistungsvermögen anbieten, aber dazu brauchen wir noch einige Zugänge. Vielleicht ist jetzt wirklich die richtige Zeit, um Leute für das regelmäßige Laufen zu begeistern.“

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