Parkour

Wie man Hindernisse überwinden kann

Im Sportkarussell wird derzeit Parkour-Training angeboten.

Im Sportkarussell wird derzeit Parkour-Training angeboten.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Drei junge Männer stellen im Iserlohner Sportkarussell „Parkour“ vor, das auch für Vereine interessant ist.

Matten, Sprungkästen und eine Balancierstation sind in der Turnhalle der Grundschule Bömberg so aufgebaut, dass sich ein Rundkurs ergibt. Es gab mal Zeiten, da wären die Schüler vor solchen Aufgaben lieber davongelaufen. Die Herausforderung, die Sache zu meistern, war groß, doch die Wahrscheinlichkeit, auch im x-ten Versuch am Kasten zu scheitern und sich vor der gesamten Klasse eine Schmach einzuhandeln, war größer.

Die zehn Kinder zwischen vier und acht Jahren, die sich am Montagnachmittag in der Halle eingefunden haben, sind nicht trotz, sondern wegen des Parcours gekommen. So heißt auch die Sportart, die sie kennenlernen – nur die Schreibweise ist eine andere. Auf dem Parcours wird „Parkour und Freerunning“, so die offizielle Bezeichnung, betrieben. Drei junge Männer, Roman Rau (20), Jan Hellwig (21) und Andreas Heitmann (33), zeigen den Kindern nach dem Fangenspielen als Aufwärmprogramm die vielen Möglichkeiten, die Aufgaben zu meistern und Freude daran zu gewinnen.

Springen und Balancieren mit einem hohen Spaßfaktor

Emma (6) ist nicht die Einzige, die den Sprungkästen mit Respekt begegnet. „Die sind ein bisschen hoch“, sagt sie zu Beginn. Immerhin muss von dort eine Lücke übersprungen werden. Doch nach ein paar gelungenen Versuchen ist die Unsicherheit verflogen. Beim Balancieren stellen die Kinder schnell fest, dass es rückwärts interessanter ist und der Purzelbaum am Ende des Parcours im Gegensatz zum Rückwärtssalto nur halb so aufregend.

Heitmann ist zur Stelle und hilft. „Man lernt unterschiedliche Fähigkeiten beim Überwinden der Hindernisse“, bestätigt er. Das war es, was Roman Rau zu diesem Sport gebracht hat. „Ich bin mal über einen Zaun gesprungen, um einen Weg abzukürzen. Daraufhin staunte ein Kumpel: Boah, du machst Parkour.“ Fünf Jahre ist das her, doch die Frage, wie man auf raffinierte Weise über ein Hindernis kommt, stellt er sich seitdem immer wieder.

Die Wurzeln des Parkour liegen in Frankreich und reichen bis in die 1980er Jahre zurück. „Vor rund 15 Jahren ist es nach Deutschland gekommen“, weiß Rau. Die drei Männer haben ihr Können auch schon mehrfach vor Publikum präsentiert, unter anderem anlässlich der Einweihungen des Läger-Spielplatzes sowie des neu gestalteten Fritz-Kühn-Platzes, und auch einen therapeutischen Zweck hat Parkour schon erfüllt.

Bei dem von der Stadt ins Leben gerufenen Projekt „back to school“, durch das schulmüde Jugendliche wieder an einen regulären Schulalltag herangeführt werden sollen, kommt die Sportart zum Einsatz. „Die Teilnehmer sollen ihre Probleme überspringen“, erklärt Rau.

Nur in den Vereinen ist Parkour bisher noch nicht angekommen, was sich jedoch bald ändern könnte. Die Gruppe um Rau, Heitmann und Hellwig ist sprichwörtlich auf dem Sprung, sich dem TuS Iserlohn anzuschließen. „Uns haben Anfragen von Interessenten erreicht“, berichtet Geschäftsführer Axel Kahl, während das Programm in der Schulturnhalle läuft. Das wiederum ist zunächst Bestandteil des von der Stadt initiierten Sportkarussells, das beim TuS integriert ist.

Als Trainingsort wäre die Grundschulturnhalle nach Kahls Einschätzung prädestiniert, weil dort alle benötigten Materialien vorhanden sind. Zunächst dreht sich aber das Sportkarussell noch einmal, und zur vorerst letzten Parkour-Runde sind am kommenden Montag ab 16 Uhr wieder alle Vier- bis Achtjährigen eingeladen.

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