Eishockey

Zweikämpfe gewinnen, zerstören, schießen

Diese ECD-Mannschaft gewann das erste Meisterschaftsspiel mit 3:2 bei Preußen Krefeld – hinten v. li.: Jörg Schauhoff, Klaus Kaiser, Friedrich-Wilhelm Schulte, Jürgen Kühl, Bernd Jacob, Werner Gerres, Hans Kasper. Vorn v. li.: Reinhard Zeiler, Karl-Friedrich Schauhoff, Ekke Lindermann, Gerd Hohmeister, Klaus Neugebauer und Reinhard Kasper.

Diese ECD-Mannschaft gewann das erste Meisterschaftsspiel mit 3:2 bei Preußen Krefeld – hinten v. li.: Jörg Schauhoff, Klaus Kaiser, Friedrich-Wilhelm Schulte, Jürgen Kühl, Bernd Jacob, Werner Gerres, Hans Kasper. Vorn v. li.: Reinhard Zeiler, Karl-Friedrich Schauhoff, Ekke Lindermann, Gerd Hohmeister, Klaus Neugebauer und Reinhard Kasper.

Foto: Privat

Iserlohn/Deilinghofen.  Vor genau 60 Jahren hat der EC Deilinghofen sein erstes Punktspiel bestritten und sensationell mit 3:2 gewonnen.

Wenn die Roosters an diesem Freitag am Seilersee aufs Eis gehen, werden sie gegen Bremerhaven eine von 52 Partien der DEL-Hauptrunde bestreiten. Natürlich ist es kein unwichtiges Eishockeyspiel, aber gewiss kein so außergewöhnliches, wie es auf den Tag genau vor 60 Jahren stattfand.

Denn an diesem 29. November 1959 trug der EC Deilinghofen in Krefeld sein erstes Punktspiel aus. Einer der heute zu den Stammgästen bei den Roosters zählt, stand damals auf dem Eis: Jörg Schauhoff, Mitbegründer des Vereins und dessen Rekordtorschütze. Wenn er zurückblendet auf die ersten Monate des ECD und dessen Start in der westdeutschen Meisterschaft, dann kommt es ihm immer noch unglaublich vor, dass die Novizen aus dem Sauerland auf Anhieb Erfolg hatten.

Nach der Vereinsgründung im Februar lief noch eine Weile die Eishockeysaison, und vier Freundschaftsspiele dienten den Deilinghofern zum Praxistest. Aber sie wollten ja den Ernstfall und unbedingt in der Jugendmeisterschaft um Punkte spielen. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie unvorbereitet wir waren“, blickt Schauhoff auf den Herbst 1959 zurück. Die jungen Eishockeyspieler waren zwar gemeinsam im Fußball aktiv und auch gute Leichtathleten und damit konditionell auf der Höhe, nur in ihrer Lieblingssportart konnten sie nicht üben. Es herrschte Wasserknappheit im Ort, Autos durften nicht gewaschen werden, und die Eishalle im kanadischen Camp mit Wasser zu versorgen, damit das Eis aufbereitet werden konnte, erschien höchst überflüssig.

„Horst Vahle hat es dann möglich gemacht“, berichtet Schauhoff vom Engagement des großen Machers im Hintergrund. Eine Woche vor dem geplanten Spiel in Krefeld war das Eis fertig, und statt des Trockentrainings auf dem Fußballplatz, wo Blechdosen den Puck ersetzten, konnte Trainer Charles Mc Cuaig seinen wissbegierigen Schützlingen endlich zeigen, worum es beim Eishockey wirklich geht. „Es wurde höchste Zeit, denn die Saison lief schon. Und wenn wir nicht bis Ende November zum ersten Spiel angetreten wären, hätte man uns vom Wettbewerb ausgeschlossen“, berichtet Schauhoff.

Mit „uns“ meint der 76-Jährige zwölf weitere Jugendliche, die jene ECD-Mannschaft bildeten, die als erste um Punkte spielte. „Die älteren Spieler durften nicht mehr mitmachen, wir waren nur ein paar Mal auf dem Eis, noch keine guten Schlittschuhläufer und dementsprechend nervös vor unserem ersten Spiel in Krefeld“, meinte der langjährige Kapitän. „Aber die Fahrt war ein Erlebnis“.

Plötzliches Wendemanöver mitten auf der Rheinbrücke

Mit einem Linienbus der Kreisbahn ging es los, gut 50 Fans begleiteten die Mannschaft und staunten nicht schlecht, als der ortsunkundige Busfahrer mitten auf der Rheinbrücke plötzlich ein Wendemanöver einleitete. In der Rheinlandhalle mischte sich bei den Deilinghofern in die Nervosität vor dem Premierenspiel aber auch eine gehörige Portion Stolz. „Wir hatten erstmals ein einheitliches Trikot, blau mit weißem Brustring und ECD-Emblem. Das war ein tolles Gefühl,“ sagt Schauhoff. Gar nicht so toll waren dann die ersten Eindrücke auf dem Eis im Duell mit Preußen Krefeld. „Die waren uns in allen Belangen überlegen und haben uns am Anfang schwindelig gespielt“, erinnert sich die Nummer fünf.

Aber der ECD befolgte Mc Cuaigs Order: „Einsatz, Zweikämpfe gewinnen, zerstören, schießen.“ So hielt der Außenseiter mit großem Kampfgeist und einer imponierenden mannschaftlichen Geschlossenheit das 0:0 nach dem ersten Drittel, und er kam danach immer besser ins Spiel. Jörg Schauhoff, Reinhard Zeiler und Bernd Jacob schossen den ECD fast sensationell mit 3:0 in Führung. Reinhard Kasper, ebenfalls ein Mann der ersten Stunde und Ende der 1960er Jahre selbst für Preußen Krefeld aktiv, meinte. „Wir sind nicht sachte mit den Krefeldern umgegangen. Die wurden mit unserer Härte nicht fertig.“

Im letzten Drittel setzten die Hausherren aber alles auf eine Karte, kamen auf 3:2 heran, doch der (wie die Heimatzeitung damals schrieb) „mit schneidigen Paraden glänzende Torwart Ekke Lindermann“ wurde in den letzten Minuten zum Turm in der Schlacht. Er bestritt sein erstes Spiel überhaupt und trug maßgeblich dazu bei, dass der haushohe Favorit als Verlierer vom Eis ging. Der EC Deilinghofen hatte sein erstes Punktspiel gewonnen. Es war der Beginn einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte.

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