Trailrunning

Zwischen Abenteuer und purem Genuss

Geschafft: Die Hemeranerinnen Juliane Ilgert (re.) und Jeannette Fahrenstück bestritten den Tans Atlas Marathon.

Geschafft: Die Hemeranerinnen Juliane Ilgert (re.) und Jeannette Fahrenstück bestritten den Tans Atlas Marathon.

Foto: Privat

Hemer.  Hemeranerinnen bestreiten in Marokko den Trans Atlas Marathon und sind trotz aller Strapazen begeistert.

Marokko als Ziel des Jahresurlaubs ist ja nicht unbedingt ungewöhnlich, doch wenn das Atlas-Gebirge zwecks Überquerung angesteuert wird, ist Relaxen wohl eher ein Fremdwort. Die Hemeranerin Juliane Ilgert, die sich seit Jahren dem Trailrunning verschrieben hat, wollte nach ihrer Premiere im letzten Jahr unbedingt noch einmal beim Trans-Atlas-Marathon an den Start gehen. Und weil sie von ihrem ersten Auftritt in Nordafrika so schwärmte, reiste auch eine Freundin mit und bestritt anstelle des kompletten Programm über gut 200 km an fünf Tagen die abgespeckte Variante über die Hälfte der Distanz.

„Ich habe bestimmt schon über hundert Ausdauerwettkämpfe mitgemacht, aber das war mit Abstand der tollste“, lässt Juliane Ilgert ihre Begeisterung durchklingen. „Man bestreitet eigentlich an jedem Tag einen völlig anderen Wettkampf.“ Beim „TAM 2019“ sammelte sich ein ziemlich exklusiver, 25-köpfiger Kreis in Marrakesch, um zum Basiscamp chauffiert zu werden. Normalerweise sind rund 50 Teilnehmer am Start, aber ein Attentat im Atlas im letzten Dezember zeigte abschreckende Wirkung. Für die Juristin war die Sorge unbegründet. „Der Veranstalter hat gute Kontakte zum König, und der sorgte dafür, dass das Militär die Sicherheit während des Wettkampfes garantierte.“ Und der bietet eine Ansammlung der Extreme und Eindrücke, die man so schnell nicht vergisst.

Flottes Laufen neben Kletterpassagen, die man in Europa wohl nicht genehmigen würde, aber auch Etappen über Feldwege und Straßen, eine Temperaturspanne von um die null Grad in der Nacht bis zu 40 Grad am Mittag, das abendliche Beisammensein in den Zelten an den Etappenzielen, die üppigen Mahlzeiten, die Feier bei Musik und Tanz, und die Freundlichkeit der Einheimischen, mit denen man sich trotz deren fehlender Englischkenntnisse verständigte. „Diese Abwechslung habe ich noch nirgendwo sonst erlebt“, sagt Juliane llgert. Und weiter: „Wir waren wie eine Schulklasse, die toll zusammengehalten hat.“ Jene, die früh im Ziel waren und sich in einem Zelt entspannten, kamen wie selbstverständlich heraus, um Applaus zu spenden, wenn wieder eine Zielankunft anstand.

Wer im Atlas als ambitionierter Läufer unterwegs ist, muss massiv umdenken. Denn gerade die erste Etappe glich einer Bergbesteigung und hatte mit Laufen wenig zu tun. Aber dafür kommt man in Gegenden, die Touristen normalerweise verschlossen bleiben, es gibt Landschaftsbilder, die sich im Gedächtnis festsetzen. Juliane Ilgert war als zweitschnellste Frau unterwegs und musste nur einer Profiläuferin den Vortritt lassen. Aber das Ergebnis war sekundär.

So sah es auch Jeanette Fahren-stück, die ebenfalls aus Hemer stammt. 2015 hatte sie ihren ersten Halbmarathon absolviert und sich von Marokko durch die Schilderungen ihrer Freundin überzeugen lassen. „Ich wollte eigentlich nur den ersten Tag überleben“, berichtet sie vom Respekt vor der Herausforderung. „Die sehr anspruchsvollen Trails können europäische Muskeln und Sehnen schnell an ihre Grenzen bringen.“ Sie schwärmt von einer einzigartigen Atmosphäre bei diesem Wettkampf, der Profis und Hobbyläufer zusammenführt und lobt die hervorragende Organisation.

Ein preiswertes Vergnügen ist der TAM nicht. 1900 Euro muss man veranschlagen, plus Flug. „Das ist schon ein teurer Urlaub“, meinte Juliane Ilgert. Was man so unter Urlaub versteht.

Als Zugabe Zweite beim Sauwald-Trail in Österreich

In Marokko kam bei einigen Teilnehmern der Wunsch auf, beizeiten eine weniger technische und mehr das Laufen in den Vordergrund rückende Veranstaltung in Angriff zu nehmen. Und der rührige TAM-Organisator Mohamad Ahansal hatte einen Tipp parat: Sauwald-Trail in Österreich, genauer gesagt in Schardenberg, nicht weit von Passau entfernt. Juliane Ilgert machte Nägel mit Köpfen und stand nur drei Wochen nach der Extrembelastung in Afrika wieder an der Startlinie.

200 Teilnehmer, tolles Wetter, Passagen durch Felder, Wiesen und Wälder, das Ganze über 46 km bei 1300 Höhenmetern. Und wieder wurde die Hemeranerin Zweite, was sie mit Stolz erfüllte. „In diesem Jahr läuft es richtig gut für mich.“ Und das soll auch weiterhin der Fall sein, obwohl sie gerade ein neues berufliches Kapitel aufgeschlagen hat. Sie arbeitet jetzt in einer Anwaltskanzlei in München. Die fünf Kilometer von ihrer Wohnung ins Büro will sie in der Regel laufen, um das Training nicht zu kurz kommen zu lassen. Die Berge sind nicht weit weg, so dass die 28-Jährige sehr zuversichtlich ist, auch für kommende Abenteuer gut gerüstet zu sein. Vielleicht auch beim Trans Atlas Marathon 2020.

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