Rollhockey

Zwischen Olympia-Flair und leeren Rängen

Die Rollhockey-Damen feierten ihre Bronzemedaille bei den World Roller Games.

Foto: Privat

Die Rollhockey-Damen feierten ihre Bronzemedaille bei den World Roller Games. Foto: Privat

Iserlohn.   Die Iserlohner Rollhockey-Nationalspieler ziehen ihre persönliche Bilanz der Word Roller Games in Nanjing.

Der Alltag hat die Iserlohner Rollhockey-Nationalspieler wieder. Zwei Wochen World Roller Games im chinesischen Nanjing liegen hinter ihnen, zwei Wochen mit spektakulären Eindrücken, mit Siegen und Niederlagen. Letztere kassierten die deutschen Männer um die ERGI-Spieler Patrick Glowka, Kai Milewski und Nils Hilbertz unplanmäßig häufig, während die Damen um Maren Wichardt, Laura La Rocca sowie Katharina und Franziska Neubert eine außergewöhnlich erfolgreiche Weltmeisterschaft spielten und Bronze holten - die erste Medaille seit 1998.

„Unser Traum ist wahr geworden, das ist unsere Geschichte“, kommentierte Bundestrainer Quim Pui­g­vert, der Spanier mit ERGI-Vergangenheit, diesen Triumph, der mit dem 3:0 gegen Chile im kleinen Finale perfekt gemacht wurde. Sportlich lief es prächtig, und in der Rückblende der Spielerinnen kommt gleich die Eröffnungsfeier der Roller Games zur Sprache. „Das war gigantisch und hatte wirklich olympisches Flair“, sagte Katharina Neubert. Der Termin gegen Ende der ersten Veranstaltungswoche war gut gewählt, denn somit weilten praktisch alle teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler (über 4000 aus 58 Nationen) am Ort des Geschehens. Die Halle mit rund 18 000 Plätzen war proppenvoll, und wie bei Olympia wurden die Fahnen der teilnehmenden Länder in den Innenraum getragen. Rund 2000 Akteure hatten die chinesischen Gastgeber aufgeboten, um ein außergewöhnliches Programm mit Show, Sport, Tanz und Musik zu präsentieren.

Über ihr eigenes Turnier hinaus nutzen die Rollhockeyspielerinnen die Chance, auch bei anderen Sportarten vorbeizuschauen und lobten die durchweg gute Organisation in Nanjing. „Schon jetzt ist die Vorfreude groß auf die nächsten World Roller Games in zwei Jahren in Barcelona“, versicherte ERGI-Spielertrainerin Maren Wichardt.

Patrick Glowka ärgert sich über Kritik aus der Heimat

Ihre Iserlohner Vereinskameraden können das nach ihrem Turnier so nicht so leicht unterschreiben. „Zumindest werden in Spanien erheblich mehr Zuschauer zu den Spielen kommen. In China interessiert Rollhockey niemanden“, erläuterte Kai Milewski und verwies auf oftmals trostlose Kulissen von 150 Personen in der 5000 Zuschauer fassenden Rollhockeyhalle. Für das deutsche Team endeten die Roller Games mit einem auf den ersten Blick enttäuschenden zehnten Platz. Schließlich stand bei der letzten WM Rang vier zu Buche, und den hätte man gern wiederholt.

Doch drei Vorrundenniederlagen führten zum WM-Aus, und die teils hämischen Kommentare aus Rollhockeykreisen in der Heimat riefen Kapitän Patrick Glowka und seine Teamkollegen auf den Plan. „Chile besitzt hohe Qualität, und bei Mosambik spielen Leute aus der ersten portugiesischen Liga. Die haben im Viertelfinale nur ganz knapp gegen Spanien verloren“. Glowka versicherte, dass die Mannschaft alles gegeben habe und kritisierte, dass daheim schlechte Stimmung verbreitet wurde. „So bringen wir unseren Sport nicht voran.“ Das Abrutschen in den FIRS-Cup war für ihn gar nicht so sensationell. Und dass man hier das Finale gegen Frankreich mit 4:6 verlor, ebenfalls nicht.

„Gegen die Franzosen gibt es immer offene Duelle, und wir haben da unser bestes Spiel gemacht,“ sagte Kai Milewski. Wie es nun für das deutsche Team nach Rang zehn bei den nächsten World Roller Games weitergeht, ist noch offen.

Die drei ERGI-Spieler lobten wie die Frauen die außergewöhnliche Eröffnungsfeier, bemängelten aber die leeren Hallen in vielen Sportarten. „Richtig schade ist es, dass man mit den Chinesen ohne Dolmetscher nicht ins Gespräch kommen kann“, sagte Milewski. „Denn eigentlich sind die Leute sehr freundlich, man muss sie allerdings erst dazu bringen.“ Organisatorisch klappte das Programm weitgehend, nur auf den Shuttle-Service zwischen Halle und Hotel verzichtete das deutsche Team. „Dann hätten wir fast direkt nach Spielschluss im Bus sitzen müssen“, erläuterte Nils Hilbertz, weshalb man das Taxi bevorzugte. Umgerechnet zwei Euro für zehn Minuten Fahrt waren zu verkraften, die Fahrweise eher weniger. „Jeder fährt wie er will, uns hat es mehrfach den Atem verschlagen,“ sagte Milewski.

Abenteuerliche Taxifahrten statt des Shuttlebusses

Ein Thema für sich war das Essen. Täglich mehrfach Reis und Nudeln, das war gewöhnungsbedürftig. Abwechslung gab es nur, wenn man sich einmal abseits vom Hotel auf einem Markt verpflegte. „Zu Hause habe ich mir als erstes ein Mettbrötchen gemacht, Reis und Nudeln brauche ich vorläufig nicht,“ stellte Kai Milewski klar. Kollege Hilbertz ist in seiner Rückblende zwiegespalten. „Es war eine tolle Erfahrung, die chinesische Mentalität ein bisschen kennenzulernen, und auch unsere Tempelbesichtigung hat mich beeindruckt. Aber mir war alles zu eng, es fehlte das Grün in der Stadt. Deshalb muss ich nicht unbedingt noch einmal nach China.“

An diesem Donnerstag beginnt für sie wieder der Bundesliga-Alltag mit dem ersten gemeinsamen Mannschaftstraining bei der ERGI. Dann wird das Trio den neugierigen Mitspielern mit Sicherheit Rede und Antwort stehen müssen.

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