Detlef Scheppe

"Ein Höhepunkt: Das 100. Länderspiel von Cristiano Ronaldo"

Detlef Scheppe blickt auf eine außergewöhnliche Schiedsrichterkarriere zurück.

Detlef Scheppe blickt auf eine außergewöhnliche Schiedsrichterkarriere zurück.

Foto: MM / mm

Wenden.  Einer bekanntesten Sportler im Kreis Olpe hat am Donnerstag Geburtstag. Fußball-Schiedsrichter Detlef Scheppe wird 53 Jahre.

Scheppes komplette Karriere in kurzer Form aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Hier ein paar Eckpunkte: Von 1998 bis 2014 war der gebürtige Altenhofer in 251 Spielen Schiedsrichter-Assistent in der Fußball-Bundesliga. Von 1998 bis 2006 leitete er 58 Zweitliga-Spiele. Von 2006 bis 2013 war Detlef Scheppe als FIFA/UEFA Schiedsrichter-Assistent auf der ganzen Welt im Einsatz. Wir sprachen mit Detlef Scheppe über seine beispiellose Karriere.

Herr Scheppe! Wir wünschen Ihnen alles Gute zu Ihrem Geburtstag.

Detlef Scheppe: Vielen lieben Dank für Ihre Glückwünsche, ich freue mich sehr.

Warum und wie sind Sie überhaupt Schiedsrichter geworden?

Das Wie und Warum ist schnell erzählt: Mein Vater hat mich 1982 davon überzeugt, dass es gut wäre, wenn ich mich zum Anwärter-Lehrgang anmelde, da die Schiedsrichterei aus seiner eigenen Erfahrung eine tolle und verantwortungsvolle Aufgabe sei, gut für die persönliche Entwicklung ist, und die Möglichkeiten durchaus besser stehen würden, mehr zu erreichen oder zumindest weniger Verletzungen zu haben als bei einer aktiven Fußballer-Karriere. Mein Vater hat dann nach der erfolgreichen Anwärter-Prüfung direkt die erste Spielleitung eines C-Jugend-Spiels für das nächste Wochenende organisiert.

Die Karriere ging immer weiter nach oben. Irgendwann sind Sie dann im Profifußball gelandet. Wie war das Gefühl, als Sie 1998 zum ersten Mal als Schiedsrichter bei einem Zweitliga-Spiel auf dem Platz standen?

Die Nominierung als Schiedsrichter für eine nächsthöhere Klasse ist ja bereits Wochen vorher bekannt, da hat man mit der ersten Spielansetzung bereits realisiert, dass man jetzt im Profi-Fußball gelandet ist. Meine Gedanken drehten sich deswegen im Vorfeld des Spiels eher darum, wie ich mich mental und physisch vorbereite, wie ich mit der zu erwartenden Anspannung umgehe, dem Respekt vor der neuen Herausforderung, dem neuen Umfeld, der erhöhten Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Geht alles gut, bist Du optimal auch auf die neue Liga vorbereitet? Die positiven Gefühle wie Freude und Stolz über das Erreichte, die gelungene Premiere, was und wer alles dazu beigetragen hat, sind erst nach dem Spiel so richtig aufgekommen.

Zwischen 2006 und 2013 waren Sie auf der ganzen Welt bei Länderspielen, Turnieren, in ausländischen Ligen oder Europapokalspielen im Einsatz. Welche Spiele waren für Sie persönlich das Highlight Ihrer Karriere?

Da gibt es sehr viele Highlights, die ich international erleben durfte, meine 4 Spiele als Schiedsrichter in der koreanischen K-League 2002, Einsätze als Assistent bei Länderspielen in Italien, Israel, Finnland, Schweden, Schweiz, Portugal, Irland, Nordirland, Island. Spiele in der Champions-League und Europa-League, hier mit zwei Einsätzen bei Viertelfinalspielen. Der Fußball hat mich in fast alle Länder Europas gebracht, und auch in weiter entlegene Regionen wie Saudi-Arabien, Katar, Korea, Tunesien, Russland, Weißrussland und Georgien.

Welches Spiel beziehungsweise welches Ereignis ist für Sie das Highlight Ihrer Karriere?

Ich finde es schwierig, insgesamt 32 Jahre Schiedsrichterei in einem einzigen Highlight zu nennen. Dafür gab es zu viele tolle, prägende, emotionale und wegweisende Erlebnisse in den vielen Jahren, sämtliche Aufstiege, das Kennenlernen von Persönlichkeiten, neuen Kulturen, mehrere in Erinnerung bleibende Entscheidungsspiele, DFB-Pokal-Halbfinalspiele und Endspiele im Liga-Pokal und Super-Cup. Diese lange Zeit als Schiedsrichter und Leistungssportler erfolgreich auf höchstem Niveau aktiv gewesen zu sein, sehe ich als Highlight im Rückblick. Dass es einige Spiele gab mit einem ganz besonderen Stellenwert, keine Frage. Im nationalen Fußball geht da nicht mehr als das DFB-Pokal-Endspiel. Diese Ehre hatte ich 2010 als Assistent beim Spiel Werder Bremen gegen Bayern München. International zweifellos Frankreich gegen Brasilien im Stade de France, Schweiz gegen Italien, Neapel – Liverpool sowie das 100. Länderspiel von Cristiano Ronaldo.

Welcher Spieler und welcher Trainer hat Sie am meisten beeindruckt?

Bastian Schweinsteiger und Jupp Heynckes.

Gab es auch Spiele, die Sie gerne aus Ihrer Erinnerung streichen würden?

Gibt es. Erster Spieltag in der Saison 2013/2014: Hoffenheim gegen Nürnberg. Es gibt andere Spiele, wo nicht alles glatt gelaufen ist, aber dieses Spiel mit dieser einen derart medienwirksamen falschen Entscheidung in meinem letzten Jahr, das war schon bitter.

2014 haben Sie Pfeife und Fahne an den Nagel gehangen. Haben Sie noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Kameraden?

Ja, der Kontakt zu einigen Ehemaligen ist nie abgerissen, ist aktuell aber leider ausschließlich über die sozialen Medien möglich. Sobald es wieder möglich ist, werden wir uns auch, wieder regelmäßig sehen.

Die einschneidendste Änderung seit Ihrem Abschied ist sicherlich die Einführung des Videobeweises (VAR). Hand aufs Herz! Wären Sie heute in Zeiten den Video-Schiedsrichters gerne aktiv oder war es früher schöner?

Wir konnten uns damals nicht auf die technischen Hilfsmittel wie VAR, kalibrierte Abseitslinien oder Torlinientechnologie verlassen, hatten zu der Zeit aber deutlich mehr Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten bei der Beurteilung von aktivem und passivem Abseits. Handelt es sich um Vergehen innerhalb oder außerhalb des Strafraumes, hat der Ball die Torlinie vollständig überschritten, welche Unterstützung benötigt der Schiedsrichter bei Vergehen im Strafraum oder außerhalb seines Blickfeldes. Wir hatten zu der Zeit nur die eine einzige Sekunde oder Millisekunde, um die Situation zu erfassen und unsere Entscheidungen zu treffen. Richtig oder falsch, hopp oder top. Heute wird ein Großteil dieser Entscheidungen in letzter Konsequenz durch die Technik abgesichert und ist somit auch für die Assistenten eine enorme Hilfe. Die heutige Assistententätigkeit dürfte aus meiner Sicht seit Einführung der technischen Hilfsmittel entspannter geworden sein als früher. Alles zu seiner Zeit, die Technik war zu unserer Zeit noch nicht so weit, daher stellte sich die Frage nicht. Aber es wäre das ein oder andere Mal schon schön gewesen, einen Video-Joker im Kölner Keller zu haben.

Am Schluss zurück zum aktuellen Geschehen im heimischen Fußball. Glauben Sie, dass die laufende Saison noch irgendwie vernünftig über die Bühne geht und was hätte man von Verbandsseite vielleicht anders machen sollen?

Ob, und wann es weitergeht, vermag ich nicht zu beurteilen, da eine Prognose und somit verlässliche Planbarkeit bezüglich einer weiteren Verschärfung oder möglichen Lockerungen der bestehenden Covid-Maßnahmen aktuell schwierig ist. Momentan sieht es eher nicht nach Entspannung für die nächsten Wochen aus. Ich bin aber guter Dinge, dass die Verbände, Funktionäre und handelnden Personen bisher nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt haben, und dass auch im Zusammenhang mit einer zukünftigen Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs tun werden. Bleiben Sie alle gesund und kommen Sie gut und sicher durch die nächsten Wochen.

Zur Person: Detlef Scheppe

Wohnort: Wenden.
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder, Lena und Greta.
Beruf: Dipl.-Ing., Vertriebsleitung.
Karriere: SR-Prüfung: 1982.
Bundesliga SR-Assistent: 1998 - 2014 (251 Spiele SRA, 51 Spiele 4.Offizieller).
2. Bundesliga Schiedsrichter: 1998 - 2006 (58 Spiele).
2.Bundesliga Sr-Assistent: 56 Spiele.
DFB-Pokal insgesamt: 30 Spiele.
FIFA / UEFA SR-Assistent: 2006 bis 2013.

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