Leichtathletik

SG Wenden nimmt das Training wieder auf

Endlich wieder gemeinsames Training, wenn auch mit Abstand – Saimuson Mannivanan, der Medizinstudent auf Heimaturlaub

Endlich wieder gemeinsames Training, wenn auch mit Abstand – Saimuson Mannivanan, der Medizinstudent auf Heimaturlaub

Foto: volkher pullmann / Volkher Pullmann

Wenden.  Nach mehrwöchiger Corona-Zwangspause bat Cheftrainer Egon Bröcher die Leichtathleten wieder zum gemeinsamen Training auf die Tartanbahn.

Endlich! Vor einer Woche öffneten mehrere Kommunen die Pforten ihrer Sportanlagen. Cheftrainer Egon Bröcher, vor allem aber seine Athleten von der SG Wenden konnten aufatmen.

Zwei Sportanlagen mit einer 400-Meter-Rundbahn kann die Gemeinde Wenden ihr eigen nennen. Und doch, so erläutert Michael Grebe, Fachdienstleiter „Bildung und Soziales“, kann seine Kommune nicht völlig frei darüber verfügen: „Die Anlage auf dem Bieberg in Gerlingen ist an den FSV Gerlingen verpachtet. Da müssen sich die Leichtathleten mit den Fußballern absprechen. Der Platz am Schulzentrum dagegen ist für uns frei verfügbar.“

Und genau da tummeln sich endlich wieder deutsche Meister und solche, die es mal werden wollen. Vorbilder gibt es im Verein mehr als genug. Selbst Europa- und Weltmeister brachten Verein und Gemeinde viel Ehre ein.

Die letzte Großveranstaltung war die DM im Crosslauf Anfang März. Zwei Mal Silber brachten sie aus dem Schlamm von Sindelfingen mit nach Hause. Doch seitdem hagelte es eine Absage nach der anderen. Aber an Pause dachte Cheftrainer Egon Bröcher natürlich nicht: „Ich stand mit meinen Läuferinnen und Läufern ständig in Verbindung. Sie erhielten Trainingspläne und suchten sich unter Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen allein oder auch mal zu zweit geeignete Strecken im Wald oder Radwege.“

Zuerst durch den Sicherheitskorridor

Jetzt steht die Laufbahn am Schulzentrum endlich wieder zur Verfügung. Aufatmen allenthalben, doch zuvor heißt es den Sicherheitskorridor passieren. Flatterbänder und Markierungen auf dem Boden beachten. Eintragen in die Anwesenheitsliste und Fragebogen ausfüllen. Schließlich steht die Desinfektionsflasche bereit. Egon Bröcher hat alles akribisch vorbereitet.

„Ungewohnt“ empfand es Frederik Wehner, Mitglied des Silbertrios von Sindelfingen, „aber ich merke, dass ich die Bahn vermisst habe.“ Der Maschinenbau-Student hatte als großes Saisonziel die U23-DM über 1500 Meter ins Visier genommen. „Aber ob das noch was wird in diesem Jahr, ist sehr fraglich. Vor allem ist es offen, ob überhaupt die erforderlichen Normen noch gelaufen werden können.“

Jonas Hoffmann, Triathlet und ebenfalls Silberling bei der Cross-DM, ist froh, dass „wieder ein strukturiertes Training ohne Druck“ stattfinden kann. Er habe viel Athletik betrieben und kürzere Tempoläufe absolviert. Sein Ziel: „Ich hoffe, dass noch ein Zehn-Kilometer-Lauf möglich ist, und dann sollen die 30 Minuten fallen.“ So ganz nebenbei: mangels geschlossener Schwimmbäder ist der Triathlet schon in die Bigge gesprungen.

Cheftrainer Bröcher hat im 15-Minuten-Rhythmus Vierergruppen bestellt, eingeteilt nach Leistungsklassen. Thomas Giese und Judith Hacker trennt über 10.000 Meter noch nicht einmal eine halbe Minute. „Thomas soll weit außen laufen, Judith im notwendigen Abstand entsprechend innen, dann bleiben sie zusammen“, erklärt der Cheftrainer seine Vorgabe und integriert Corona-Bestimmungen in seine taktischen Anweisungen.

Bemerkenswert am Rande ist eine Äußerung von Judith Hacker, Grundschulreferendarin am Gallenberg in Olpe: „Ich bin angenehm überrascht über die Disziplin unserer Schülerinnen und Schüler. Die Abstände einzuhalten ist echt schwierig für die Kinder, aber es funktioniert bei uns sehr gut.“

Ein weiteres Lauf-Duo bilden „Freddi“ Wehner und Saimuson Mannivanan, Medizinstudent in Hamburg und zwangsweise auf Heimaturlaub. „Ich kann hier die Zeit gut nutzen und hoffe auf die U23-DM im nächsten Jahr.“ „Freddi und Sai“, ein Paar mit ein und derselben Zielsetzung. Gegenseitiger Ansporn ist vorprogrammiert.

Einträchtig absolvierten Johanna Pulte und Stina Hutters ihr Programm. Nach den vielen Wochen der Alleinunterhaltung sprach die Deutsche U18-Vizemeisterin im Crosslauf von einem „richtig guten Feeling“ und hofft natürlich, dass es jetzt weiter aufwärts geht. Rückkehrerin Ramona Wied war ebenso in Aktion wie Tobias Lautwein, Deutscher Berglaufmeister mit der SG-Mannschaft.

Ablenkung vom Abitur

Last, but not least vertrat sich auch Alexander Lind die Beine. Für ihn und Stina Hutters war es eine willkommene Ablenkung vom derzeit laufenden Abitur.

Ganz andere Ambitionen hat Christl Dörschel, W40-Europameisterin 2018 über 10 Kilometer. Ihre Trainingseinheiten von 10 mal 300 bzw. 400 Metern spulte sie gewohnt flott ab. Nachdem schon ihr privates Trainingslager auf Lanzarote gecancelt wurde, hofft sie nun auf das gemeinsame SG-Trainingslager im Cux-Land – und dann „vielleicht noch der Südsauerlandlauf“.

Fazit von Egon Bröcher, der nun wieder zwischen 20 und 30 erwachsene Aktive ab U18 aufwärts zum Training begrüßen kann: „Sie gehen alle sehr verantwortungsvoll mit der ungewohnten Situation um.“ Und für die Jüngeren hofft das Trainerteam: „Unter der Voraussetzung, dass die Vorgaben der Corona Schutzverordnung wie derzeit geplant umgesetzt werden und ab 30. Mai wieder Kontaktsport erlaubt ist, würden wir gerne mit dem Kindertraining ab 2. Juni in Wenden beginnen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben