Fußball-Kreisliga A

SSV Elspe: So tickt der künftige Trainer Bernd Beckmann

Bernd Beckmann, künftiger Trainer des SSV Elspe.

Bernd Beckmann, künftiger Trainer des SSV Elspe.

Foto: Privat

Kirchhundem/Elspe.  Als der erste Corona-Lockdown den Fußball lahmlegte, hat sich Bernd Beckmann eine komplette Gartengarnitur zusammengezimmert.

„Ich arbeite gerne mit Holz,“ verriet der aktuelle Trainer der SG Albaum/Heinsberg und der künftige des SSV Elspe. Dann kann er sich doch gleich selbst den Trainerstuhl beim SSV Elspe bauen. Er lacht: „So gesehen, ja. Zumindest bin ich der Einzige, der dran sägen kann“.

Humor hat der Mann. Dass er den Elsper Vorstand beim Gespräch total überzeugt hat, verwundert nicht, wenn man erst mal mit ihm telefoniert hat. Trotzdem gesteht der 55-Jährige, der die Nachfolge von Andre Weiger antreten wird: „Ich war schon überrascht, dass sie mich angerufen haben. Ich bin doch eigentlich der große Unbekannte hier im Raum“, bemerkte er schmunzelnd. Elspe sei natürlich eine Top-Adresse, fügte er hinzu, „dass ich mich jetzt in die Riege der ganzen Persönlichkeiten einreihen kann, die dort mal Trainer waren, das ist schon irgendwie der Hammer für mich. Ich habe mich jedenfalls gefreut“.

Bezirksliga-Aufstieg mit dem FC Kirchhundem

Aber so unbekannt ist Bernd Beckmann auch wieder nicht. Er hat von Kindesbeinen an in Albaum Fußball gespielt, ist dann mit 30 Jahren zum FC Kirchhundem gewechselt. Dort feierte er auch seinen größten Erfolg. Unter dem Trainer Udo Zimmermann gelang dem FCK der Aufstieg in die Bezirksliga. In der Klasse hat Bernd Beckmann noch ein paar Jahre gespielt und hatte dort noch Jörg Rokitte zum Trainer.

Bernd Beckmann war Sechser. „Ich habe den anderen den Rücken freigehalten, habe die Drecksarbeit gemacht. Aber es hat immer Spaß gemacht“. Einer seiner Mannschaftskameraden war übrigens der zurzeit erfolgreichste Trainer im Kreis Olpe: Ralf Behle. „Ja, mit ihm habe ich zusammen gespielt“, berichtete Beckmann. Dass sein früherer Mannschaftskamerad eine derartige Trainerkarriere hinlegen würde, wie beim TV Oberhundem, beim FC Langenei/Kickenbach und als absolute Krönung bei der SG Finnentrop/Bamenohl, „das hat man damals schon gemerkt“, erinnert sich Bernd Beckmann an den Fußballer Ralf Behle, „Ralf hat schon immer etwas weiter über den Horizont hinaus geblickt. Er war damals schon ein Positiv Duller, ein echter, ein liebenswerter Kerl“.

Anschließend übernahm Bernd Beckmann die zweite Mannschaft des FCK, dort war er elf Jahre lang Trainer. Eine imponierende Zeitspanne in diesem Business. Beckmann: „Ich weiß auch nicht, wie ich das durchgehalten habe, oder die Jungs das durchgehalten haben“. In dieser Zeit erlebte er auch die Trainer-Koryphäe Dieter Richard, der war Coach der ersten Mannschaft, ehe Adnan Spago kam.

Große Trainer erlebt

Wenn man nur diese vier Trainer – Zimmermann, Rokitte, Richard, Spago - nimmt, hat Bernd Beckmann ja mit echten Größen zu tun gehabt, mehr oder weniger direkt. Und sicherlich auch jede Menge von ihnen gelernt, oder? Da hakt Bernd Beckmann ein: „Natürlich profitiert man davon, aber ich will eines betonen: ich habe meine eigene Spielphilosophie, die ich meinen Mannschaften immer mitgegeben habe. Sicherlich ist auch ein Stückchen von diesen Größen dabei, aber letztendlich ist es so, dass ich meine Ideen an die Mannschaften vermittele.“

Bei der SG Albaum/Heinsberg, wo er zunächst die zweite, und dann die erste Mannschaft trainiert hat, haben seine Vorstellungen gefruchtet. So ist er mit der ersten Garnitur in die Kreisliga B aufgestiegen, und dann kam Corona.

Philosophie, das heißt für den früheren Sechser vor allen Dingen Offensivfußball. Und Disziplin. Dass die Mannschaft als Mannschaft auftritt, auf dem Platz, vor dem Spiel, nach dem Spiel. Das Gesamtbild eines Teams müsse etwas hergeben, fordert er. Disziplin, das ist so ein schwieriges Wort. Jemand wie Beckmann, der so lange im Geschäft ist, hat Entwicklungen beobachtet. Und auch festgestellt, dass es mit der Disziplin heute nicht mehr so weit her ist, wie vielleicht vor 20 oder 30 Jahren. „Ab und an ist das so, das muss ich ganz ehrlich sagen“ stimmt er zu, „manchmal ist es schon schwer, den Jungs das zu vermitteln.“ Ein Generationen-Gefälle ist nicht wegzudiskutieren. „Ich bin jetzt 55, und die Spieler, die ich trainiere, sind gerade 20. Da muss man die richtigen Mittel finden, und das geht meist nur über Respekt“.

Den Trainer, der seine Leute anschreit oder bestraft, wie ihn der Spieler Bernd Beckmann möglicherweise selbst noch erlebt hat, gibt es so nicht mehr. „Man muss anders mit den Spielern sprechen als das früher der Fall war. Ich werde niemanden öffentlich zusammenfalten“.

Ab und zu gehen die Pferde durch

Natürlich gehen ihm „schon mal die Pferde durch, das ist mir auch schon oft passiert“, räumte er ein, „im Nachhinein habe ich gedacht: was hast du da jetzt wieder gemacht? Aber Fußball ist nun mal Emotion, und letztlich ist es ja so, dass der Trainer den Kopf für alles hinhalten muss für dass, was da auf dem Spielfeld passiert. Da kann man nachvollziehen, dass er sich mehr aufregt als der Spieler, der gerade den Fehlpass verbockt hat.

Beckmann steht zu seiner Emotionalität. „Wenn ein Verein Bernd Beckmann nimmt, muss er ihn mit allen Ecken und Kanten nehmen“, sagt er, „ich bin nicht immer auf dem geraden Weg, sondern ich will auch anecken. Um Emotionen zu schüren, notfalls auch Konflikte herbeizuführen. Konflikte die so nicht da wären, wenn man völlig geradeaus wäre.“

Das hat offensichtlich auch den Vorstand des SSV Elspe überzeugt. Fiete Hermes jedenfalls äußerste sich bei Bekanntgabe des künftigen Trainers sehr angetan vom Auftreten Beckmanns im Gespräch. Wie auch der künftige SSV-Trainer selbst: „Das war in der Tat ein sehr angenehmes Gespräch“.

"Runterfahren" fällt schwer

Die Frage nach seiner schönsten Stunde im Fußball hat Bernd Beckmann schnell beantwortet. Natürlich der Aufstieg mit dem FC Kirchhundem. „Da waren wir eine sehr kleine Mannschaft, gerade mal 14, 15 Mann, und fast nur Einheimische“. Sich selbst zählt er als Würdinghauser selbstverständlich zu den Einheimischen. „Oder bin ich ein Auswärtiger? Fragt er prüfend. Nein natürlich nicht.

Und als Trainer war dann der Aufstieg mit Albaum/Heinsberg in die Kreisliga B ein Highlight. „Das war ein tolles Erlebnis, wenn man das Endspiel hat gegen Vatanspor Meggen vor 800 Zuschauern, dann ist das natürlich für jeden Spieler und für jeden Trainer ein einmaliges Erlebnis“. Das Spiel war wegen Punktgleichheit von Platz eins und zwei nötig geworden, Albaum/Heinsberg siegte in Saalhausen 3:1.

Wie fährt einer wie Bernd Beckmann runter, wenn er ein hoch emotionales Spiel hinter sich hat? „Runterfahren? Ich kann schlecht runterfahren. Direkt nach dem Spiel gehe ich erstmal ganz beiseite. Ich will nicht viel reden und versuche auch, Niederlagen zu Hause von meiner Frau Weg zu halten. Das gelingt mir allerdings nicht immer. Muss ich ehrlich zugeben, sie merkt mir das schon an“.

Einer, der wie er so für den Fußball lebt, empfindet diese Pause natürlich als ein Graus. Oder wie er es formuliert: „Die Höchststrafe“. Für ihn ist es das Daheimbleiben nichts., „Ich bin einer, der möchte gerne raus, der möchte mit den Jungs auf dem Platz stehen, mit der Mannschaft arbeiten. Alles über WhatsApp oder diesen ganzen Driss zu machen, das liegt mir nicht“.

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